Mit voller Kraft in die Zukunft

Der SC Freiburg steht wieder vor einer kniffligen Saison, doch die Vorzeichen sind gut – der SC im Teamcheck

Wo steht das Team? Welche Platzierung ist drin? Welcher Spieler schafft den Durchbruch? Vor dem Start einer Fußballsaison sind die Fragezeichen groß. Beim SC Freiburg hat man zumindest die Gewissheit, in der Vorbereitung alles Notwendige getan zu haben – angefangen bei der Transferpolitik. Das Ziel bleibt dennoch der Klassenerhalt. Der SC im Teamcheck:


Wer ist neu?
Frühzeitig konnte der Verein neue Kräfte unter Vertrag nehmen: Wooyeong Jeong (Bayern München II), Changhon Kwon (FCO Dijon), Luca Itter (VfL Wolfsburg) und Rückkehrer Jonathan Schmid (FC Augsburg) heißen die Neuen. Während Itter und Kwon zum Saisonstart verletzt fehlen, scheint Schmid als Rechtsverteidiger für die erste Elf gesetzt zu sein. Auch das erst 19-jährige Ausnahmetalent Wooyeong Jeong (Spitzname: Woo, ausgesprochen: Uu) dürfte in der Hinrunde bereits häufiger Einsatzzeiten bekommen.


Was fällt auf?
Gleich zwei interne Neuzugänge sorgen beim SC derzeit für Furore: Zum einen der Ungar Sallai, der sich nach fast einjähriger Verletzung voller Tatendrang präsentiert. Aufgrund seiner Verletzungshistorie muss ihn das Trainerteam eher schon bremsen („Er muss erstmal ankommen“, O-Ton Christian Streich). Der zweite „Neuzugang“ ist der Ex-Lauterer Brandon Borello. Streich lobte den Australier für dessen Pokalauftritt in Magdeburg, wo er 111 Minuten auf dem Feld stand und das Siegtor vorbereitete: „Wahnsinn, mit welcher Athletik und Power er nach einem Jahr Pause marschiert ist.“


Wer ist weg?
Schmerzhaft für Freiburg ist der Abgang von Vincenzo Grifo. Auch Florian Niederlechner verließ den Klub und wechselte zum FC Augsburg. Noch immer unklar ist der Verbleib jener Akteure, für die Freiburg eine neue Heimat sucht, teilweise auf Leihbasis. Bei Streich stößt das auf Unverständnis. Wäre er Trainer eines Zweit- oder Drittligisten, würde er „mit dem Fahrrad herfahren, um einen zu holen“ .


Wer ist der Shooting-Star?
Auf ihn richten sich beim SC derzeit alle Augen: Deutschlands U21-EM-Torjäger Luca Waldschmidt. Den SC schoss er am Samstag mit seinem Tor in der 93. Minute in die nächste Pokalrunde. Schon in der Vorsaison (9 Tore/4 Vorlagen) ließ der 23-Jährige aufhorchen. Seit der EM aber, als er mit dem DFB das Finale erreichte, ist er endgültig ins öffentliche Blickfeld geraten. In Freiburg will er nun zu einem kompletten Spieler reifen. Waldschmidts Geheimwaffe ist sein linker Fuß. Kommt jetzt nicht noch ein unmoralisches Angebot von einem attraktiven Topklub, hätte er das Zeug, dem SC die Saison zu versüßen.


Wo drückt der Schuh?
Nach wie vor befindet sich das Team in der Findungsphase. Das hat das Pokalspiel gezeigt. Freiburg machte sich mit vielen Fehlpässen und Ballverlusten im Zentrum das Leben selbst schwer. Gegen Mainz am Samstag verspricht Streich aber „ein ganz anderes Spiel“. Ebenfalls knifflig: In der Vorbereitung hatte der SC gleich mit mehreren Verletzungen zu kämpfen. Und auch die Verlängerung im Pokalfight dürfte den Spielern noch in den Beinen stecken: „Wir müssen schauen, wie wir mit den Jungs umgehen, die 120 Minuten gespielt haben“, sagt Streich.


Was ist das Überthema?
Für den SC Freiburg ist es die letzte Saison im altehrwürdigen Schwarzwaldstadion. Das Schmuckkästchen an der Schwarzwaldstraße ist für Fans und Verein mit vielen, überwiegend schönen Erinnerungen verbunden. Während also im Freiburger Westen das neue Stadion in die Höhe wächst (im Sommer 2020 soll es betriebsbereit sein), wächst im Freiburger Osten mit jedem Spieltag die Wehmut. Und es schwingt die große Hoffnung mit, den Abstieg tunlichst zu vermeiden, um die neue Heimat nicht in der zweiten Liga einweihen zu müssen. So oder so: Am 16. Mai 2020 heißt es mit einem Heimspiel gegen Schalke Abschied nehmen vom Stadion an der Dreisam.


Und wie geht’s los?
Ziemlich happig: An den ersten acht Spieltagen warten auf den SC Spiele gegen Mainz, die Aufsteiger Paderborn, Köln und Union Berlin, sowie gegen Augsburg und Düsseldorf. Freiburg bekommt es also gleich mit der direkten Konkurrenz um den Klassenerhalt zu tun. Wie Christian Streich die Gegner einschätzt? „Entscheidend sind die Videos, die wir uns direkt vor den Spielen anschauen“, sagt er. Auftaktgegner Mainz hat es jedenfalls in sich. „Die sind extrem ehrgeizig“, sagt Streich. In Freiburg sind sie das aber auch.

Matthias Joers

Zurück