„Ich glaube nicht, dass es langweilig wird“

Interview mit Fußball-Kultmoderator Arnd Zeigler über den Ligastart, den SC und Christian Streich – am 25. September kommt Zeigler nach Freiburg

Unter Fußballfans genießt er Kultstatus: WDR-Moderator Arnd Zeigler (54), der seit Jahren sein Publikum in „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ mit skurrilen Fußball-Anekdoten zum Lachen bringt. Am Mittwoch, 25. September (20 Uhr) tritt der Stadionsprecher von Werder Bremen im Freiburger Paulussaal auf. Vor dem Bundesligastart sprach Matthias Joers mit dem Bremer über seine Show und den SC.

Herr Zeigler, die Bundesliga startet. Worauf freuen Sie sich besonders?

Arnd Zeigler: Für mich herrscht im August Aufbruchstimmung. Die Sommerpause liegt hinter uns, man hat die Testspiele angeschaut und der Lieblingsverein hat vielleicht zwei, drei spannende Spieler geholt. Egal ob man eine Titelverteidigung anstrebt oder den Abstieg vermeiden möchte, im August erhält jeder Verein eine neue Chance. Mein Klub zum Beispiel versucht seit Jahren vergeblich, in die Europa League zu kommen. Jetzt versucht er es halt wieder.

Wie kam es, dass Sie als TV-Mensch auf Tournee gehen?

Zeigler: Die Idee trage ich seit Jahren herum. Anfangs habe ich mich geweigert, das umzusetzen. Ich dachte, das ist nichts, was sich über einen ganzen Abend ziehen kann. Aber meine Agentur buchte dann die Markthalle in Hamburg. Also musste ich mir ein abendfüllendes Programm überlegen, und die Leute extra wegen mir kommen. Davor hatte ich großen Respekt.

Aber die Menschen schalten doch auch Ihretwegen den TV ein?

Zeigler: Ja, aber ich konnte es trotzdem nicht einschätzen. Dieser erste Auftritt liegt eineinhalb Jahre zurück. Der Raum war mit 400 Leuten voll und ich hatte schon nach zwei Minuten einen Riesenspaß. Da wusste ich, das mache ich jetzt öfters.

Es ist also die „Verbühnisierung“ ihrer TV-Show?

Zeigler: Genau. Es geht darum, sich in diesen zwei Stunden darüber klar zu werden, was man selbst am Fußball liebt. Man lacht über Anekdoten und Filme, und freut sich gemeinsam, ein Fußballfan zu sein. Klar gibt es da auch Frotzeleien, weil jeder einen anderen Verein mag. Aber es sind jedes Mal harmonische Abende.

Darf sich das Freiburger Publikum auch auf ein SC-Schmankerl freuen?

Zeigler: Mit Sicherheit. In Freiburg fällt mir das auch leichter, zumal ich zum SC einen engen Kontakt habe. Mit Florian Bruns bin ich gut befreundet, der heute beim SC Co-Trainer ist. Und Nils Petersen kenne ich sehr gut aus Bremen. Eine Nähe zum SC ist also da.

Gibt es eine Art versteckte Fanliebe zwischen Bremen und dem SC?

Zeigler: Ich will ja nicht übertrieben schleimig klingen. Aber der SC wird sehr geachtet für das, was er auf die Beine stellt. Das würde mir auch als Nicht-Bremer so gehen. Ich liebe die Tatsache, dass es in Freiburg keine Trainerdiskussion gibt. Das ist eine Voraussetzung, um aus wenig ganz viel zu machen. Für die Bundesliga hat das Modellcharakter. Und ich glaube, dass viele Menschen Christian Streich beeindruckend finden.

Inwiefern?

Zeigler: Anfangs dachte ich, er ist ein Wahnsinniger, im positiven Sinne. Aber ich habe ihn lieben gelernt. Ich mag, dass er über den Tellerrand schaut, über Politik redet, über gesellschaftliche Themen. Man hat das Gefühl, er hat einen Wertekompass. Ich mag Trainer, die eine Empathie ausstrahlen. Streich ist so einer.

Durften Sie ihn kennenlernen?

Zeigler: Wir haben uns nur ein paar Mal die Hand gegeben, wenn er in Bremen war. Ich hoffe, dass er in Freiburg zu meinem Auftritt kommt. Es würde mich auf jeden Fall sehr freuen.

Wie bewerten Sie die Entwicklung von Luca Waldschmidt, der beim SC derzeit stark im Fokus steht?

Zeigler: Ich glaube, der SC Freiburg kann sich generell glücklich schätzen, eine Mannschaft mit so vielen spannenden Spielern zu haben. Luca Waldschmidt ist momentan der Auffälligste. Ich glaube auch nicht, dass er morgen weg sein wird. Es ist toll für Freiburg, einen so begehrten Spieler in seinen Reihen zu haben. Auch Nils Petersen ist ein Typ, den man sich als Verein nur wünschen kann. Wenn er diese Saison 22 Tore schießt, wird er trotzdem nicht in Interviews sagen, er möchte jetzt nach Italien wechseln.

Sind Sie ein Fußballromantiker?

Zeigler: Ja. Aber das nicht so einfach. Natürlich bin ich fasziniert von der Zeit, als der Fußball unverfälschter war. Auf der anderen Seite merke ich: Obwohl einen heute sehr viele Dinge am Fußball stören, hält es einen nicht ab, ihn weiter zu mögen. Viele Faktoren verfolgt man mit Unbehagen. Man schaut skeptisch auf das, was RB Leipzig macht, oder auf Ablösesummen von 250 Millionen Euro für große Spieler. Aber diese Gedanken hat man sich in den 60er Jahren auch gemacht. Da dachte man: 200.000 Mark für einen Spieler? Das ist Wucher! Diese Phänomene haben sich mit der Gesellschaft gewandelt. Sie werden auch schleichend unschöner. Aber offenbar hat der Fußball noch immer viel Positives zu bieten. Insofern: Romantiker ja, aber in dem Bewusstsein, dass der Fußball sich ändert.

Keine Angst, dass Ihnen das Material ausgeht?

Zeigler: Nein. Ich mache das jetzt seit 27 Jahren. Die Logik ist: Wenn es sich seit 27 Jahren nicht totläuft, wird es sich auch weiterhin nicht totlaufen. Es gibt neue mediale Phänomene, es gibt neue Vereinsphänomene. Der Fußball wandelt sich ständig. Das ist eine der tollen Sachen am Fußball. Ich glaube nicht, dass es langweilig werden wird oder ich den Spaß daran verliere.

Mehr über den Bundesligastart des SC Freiburg auf den folgenden Seiten.

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