Keine handfesten objektiven Erkenntnisse

16-Jähriger trägt als letzter Zeuge im Prozess um die Gruppenvergewaltigung vor den Ferien wenig zur Aufklärung bei

Drei Zeugen waren vorgesehen, immerhin einer konnte vernommen werden: Der Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung einer 18 Jahre alten Frau im Umfeld einer Techno-Party im Herbst 2018 ist am vergangenen Freitag mit einer weiteren Zeugenvernehmung in die Sommerferien gestartet. Der Zeuge, ein 16-jähriger Kaiserstühler und Freund des Mitangeklagten Ayram H., war am Tatabend zum Feiern im Hans-Bunte-Areal in Freiburg. Zugang verschaffte der Jugendliche sich offenbar mit einem Pass, der nicht sein eigener war.
Am Tatort außerhalb der Diskothek war er nicht. Er habe aber von einem Freund gehört, dass da ein Mädchen draußen sei, das Sex wolle. „Krass“ und „zu viel“ sei ihm das gewesen, deshalb sei er nicht raus zu ihr. Er sei aber dennoch überzeugt, dass die junge Frau nicht vergewaltigt worden sei, so der selbstbewusst auftretende Jugendliche. „Alle Kollegen“ hätten das schließlich gesagt. Und sein Freund Ayram, der mache so etwas eh nicht: „Wegen seiner Religion und seiner Kultur“, so der Zeuge. Bei den zwei Zeugen, die nicht vernommen wurden, handelte es sich um einen jungen Mann, der in einer anderen Sache zur Festnahme ausgeschrieben ist und deshalb wohl nicht vor Gericht erschien. Aber auch der Bruder des Hauptangeklagten Majd H. sagte nicht aus, da er als Verwandter von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte.


Urteil erst im Jahr 2020
Der letzte Prozesstag vor der Urlaubszeit in dem Mammutverfahren, das wegen zusätzlicher Zeuegenbefragungen bis Jahr 2020 gehen wird, erbrachte somit erneut keine handfesten objektiven Erkenntnisse über die angebliche Gruppenvergewaltigung. Er verlief damit praktisch symptomatisch für den Prozess, in dem am Ende wohl vor allem die Gutachter für klare Verhältnisse sorgen dürften. Bisher hingegen haben Zeugen ausgesagt, die sowohl die These vom angeblich freiwilligen Sex der 18-jährigen mit den Verdächtigen als auch das genaue Gegenteil vertreten haben.
Viele schrille Nebentöne haben bisher das Verfahren überschattet. Beobachter gehen davon aus, dass bei einigen der Angeklagten die Beweislage für eine Verurteilung am Ende womöglich nicht reichen könnte, zumal belastende Aussagen aus dem Vorfeld der Verhandlung nicht immer auch im Gerichtssaal wiederholt wurden. Am 9. September geht das Verfahren mit der Verlesung der Vorstrafen der polizeibekannten Verdächtigen weiter.

Bernd Peters

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