Dicke Luft im Stühlinger

Nächtlicher Treffpunkt: Bürgervereinsvorsitzende spricht von „untragbarer Situation“ rund um den Lederleplatz

Im Stühlinger herrscht dicke Luft, seit Freiburgs Partyvolk den Lederleplatz für sich entdeckt hat. Anwohner klagen über nächtliche Ruhestörung.Jahrelang war es ein Dauerthema, dass Freiburg bekommen soll, was in zahlreichen anderen Städten seit jeher normal ist: einen Kiosk, in Berlin „Spätkauf“ oder „Späti“ genannt, der bis in die Morgenstunden geöffnet hat. Ein Freiburger Kollektiv aus jungen Leuten hatte – nach langer Planungsphase – die Idee Ende Juni in die Tat umgesetzt. Seither gibt es in der Egonstraße 45 im Stadtteil Stühlinger auf 90 Quadratmetern unter dem Namen „Bis Späti“ das, was man früher einen Tante-Emma-Laden nannte. Er ist eine beliebte Anlaufstelle geworden – vornehmlich für jüngere Jahrgänge. Geöffnet ist er am Wochenende bis 4 Uhr morgens.
Das Problem: Die Kunden setzen sich in den warmen Sommernächten nach dem Kauf eines kühlen Bieres gerne rund um den Späti auf Bürgersteige, Treppen und vor Hauseingänge. Anwohner in dem Wohnviertel fühlten sich in ihrer Ruhe gestört. Es hagelte Beschwerden. Das Späti-Team reagierte und sorgt seither – so gut es geht – dafür, dass sich ab 22 Uhr keine Gäste mehr vor dem Laden aufhalten. Das 15-köpfige Kollektiv hat zudem einen Dialog mit Anwohnern angestoßen.
Doch das Problem der Lärmbelästigung ist damit nicht verschwunden: Inwischen hat sich das Geschehen auf den benachbarten Lederleplatz verschoben. In lauen Sommernächten sitzen hier zig Grüppchen von Jugendlichen, trinken Bier, unterhalten sich lebhaft und hinterlassen auch Müll. Selbst gebastelte Schilder der Anwohner weisen darauf hin, dies zu unterlassen. Vor allem aber ist der Lärmpegel vielen ein Dorn im Auge und wird als massive Beeinträchtigung der Lebensqualität wahrgenommen.
„Uns erreichen laufend Beschwerden von Anwohnern, die sehr darunter leider. Wir werden alles tun, um das Recht der Anwohnerinnen und Anwohner auf ihre Nachtruhe durchzusetzen. Vorher hatte wir niemals Probleme mit dem Lederleplatz“, erklärt Daniela Ullrich, erste Vorsitzende des Bürgervereins Stühlinger gegenüber dem Wochenbericht. Die aktuelle Situation bezeichnet sie als „untragbar“.
Die Stadt will das Problem angehen, verweist aber auch darauf, dass der „Bis Späti“ eine rechtlich einwandfreie Lizenz besitzt. Was Gäste außerhalb des Laden-Einzugsbereichs tun, liegt außerhalb der Zuständigkeit des Pächters. Vorerst sollen vermehrte Kontrollen des städtischen Vollzugsdiensts für Ruhe sorgen. SPD, CDU und Kulturliste regten indes an, den nahegelegenen Stühlinger Kirchplatz so aufzuwerten, dass Nachtschwärmer vermehrt dorthin ziehen und weniger auf den Lederleplatz.

Sven Meyer



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