Ein Geburtshaus für Freiburg

Freiburger Hebammen wollen bis Ende 2020 wieder eine Alternative für werdende Mütter bieten

5.555 Kinder haben im vergangenen Jahr in Freiburg das Licht der Welt erblickt – so viele wie noch nie. Geburtskliniken haben Hochkonjunktur. Was fehlt, ist ein außerklinisches Geburtshaus, in dem Mütter ihre Kinder in behüteter und familiärer Atmosphäre zur Welt bringen können. Das soll sich ändern. Ein Team aus Hebammen und Unterstützerinnen will bis Ende kommenden Jahres ein Geburtshaus in Freiburg eröffnen.„Wir sind ein recht junges Hebammen-Team, profitieren aber sehr von den Kenntnissen unserer erfahrenen Kolleginnen, die schon viele Hausgeburten begleitet haben“, sagt Sarah Wong-Herrlich. Sie ist Gründungsmitglied der Geburtshaus-Initiative und hat ihre drei Kinder zu Hause zur Welt gebracht. Die Erfahrung habe ihre Leidenschaft für die außerklinische Geburt entflammt. Die Idee, in Freiburg ein Geburtshaus zu etablieren, stoße auf große Resonanz. Anfragen von Eltern gebe es bereits, das Team wachse ständig. Bis Ende 2020 plane man die Eröffnung in einer Immobilie auf dem Güterbahnhofgelände.
Organisatorische Geschäftsleiterin ist die Heilpraktikerin Julia Weller. „Als das Geburtshaus in Freiburg vor zweieinhalb Jahren schließen musste, war das ein sehr trauriger Moment. Eine Institution ging verloren“, erinnert sie sich. Schon damals sei die Idee gereift, diese Lücke wieder schließen zu wollen.
Es gehe darum, dass Mütter „selbstbestimmt und aus eigener Kraft gebären können“, erklärt Sarah Wong-Herrlich, die weiß, wie weitreichend die Geburt das Leben von Eltern beeinflusst. Zum Service gehöre deshalb die ganzheitliche Begleitung in diesem einzigartigen Lebensabschnitt. Sogar Hilfe bei der Schwangerschaftsplanung sei eine Kompetenz, mit der man werdende Eltern begleite. „Schon wenn der Kinderwunsch aufkommt, können sich Paare an uns wenden, Fragen stellen und über Sorgen sprechen.“ Doch auch Eltern sogenannter Sternenkinder – Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben – werden betreut. „Wir widmen uns dem Thema Geburt und Schwangerschaft in allen möglichen Facetten.“
Sobald der Mietvertrag für das Geburtshaus stehe, wolle man sich um Kooperationen mit Geburtskliniken in Freiburg bemühen, erklärt Julia Weller – dem steht der Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser nach eigener Angabe positiv gegenüber. „Es ist wichtig, bei Bedarf auf ambulante medizinische Hilfe zugreifen zu können.“ Im Prozess von Schwangerschaft und Geburt werde es eine Eins-zu-eins-Betreuung von Hebamme und Mutter geben. „Ich glaube auch, dass die Geburtshilfe sehr integrativ sein kann, gerade bei Familien von Geflüchteten, die hier ihr Kind zur Welt bringen“, so Weller. „In einem so besonderen Moment und einem solchen Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Hebamme können Brücken gebaut werden.“


Wohlwollen der Stadt,Vorsicht in der Uniklinik
Das Anliegen der Frauen stoße auf viel Wohlwollen. „Wir haben gute Gespräche mit Vertretern des Gemeinderats geführt und hoffen auf die Unterstützung der Stadt“, sagt Weller. Um ihr Projekt zu finanzieren, starten die Geburtshelferinnen nun ein Crowdfunding-Projekt. Zwischen 100.000 und 150.000 Euro würden gebraucht. In der Freiburger Uniklinik empfiehlt man dennoch die klinische Geburt: „Bei einer Geburt müssen Intimität und Gesundheitsaspekte für die Mutter und das Kind in Einklang gebracht werden. Diesen Ansprüchen gerecht zu werden ist für jene, die eine Geburt begleiten, eine große Herausforderung“, findet Maximilian Klar, Kommissarischer Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde. „Wir haben viele Räume, die Rückzug und Intimität gewährleisten und gleichzeitig mit modernem Notfallequipment ausgestattet sind. Eine völlige Konzentration auf das intime Ereignis kann den Blick auf die möglichen Gefahren erschweren. Alle, die sich beruflich mit Geburten, wo auch immer, beschäftigen, müssen sich dieser schönen und herausfordernden Verantwortung bewusst sein.“ Aktuell sei das Geburtshaus-Team ein rein weibliches, stellt Sarah Wong-Herrlich fest. „Aber männliche Kollegen und Unterstützer sind sehr willkommen und dürfen sich gerne melden.“

Benjamin Resetz

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