Sicher hinter Glastüren

Nach einem antisemitischen Vorfall fordert die jüdische Gemeinde mehr Polizeipräsenz an der Synagoge

Das Video sorgte bundesweit für Aufsehen. Die Vorsitzende der israelitischen Gemeinde, Irina Katz, wurde am Samstag, den 13. Juli, von einem Mann aufs Übelste antisemitisch beleidigt und auch bedroht. Claudia Kleinhans hat mir ihr über jüdischen Alltag in Freiburg und den richtigen Umgang mit der Erinnerungskultur gesprochen.

Frau Katz, am 13. Juli wurden Sie von einem Mann antisemitisch beleidigt und bedroht. Was genau ist an diesem Tag vorgefallen?

Irina Katz: An diesem Samstag habe ich wie schon oft um viertel nach neun vor Beginn des Gottesdienstes unsere Gemeindemitglieder am Eingang der Synagoge begrüßt. Es war ein schöner Tag, bei der Pflasterstube gegenüber wurde gefeiert und ich habe mich sicher gefühlt. Deshalb war ich auch vor der Synagoge und nicht drinnen.

Sie haben sich „sicher“ gefühlt? Das hört sich an, als wäre häufig auch das Gegenteil der Fall...

Katz: Hinter den starken Glastüren unserer Synagoge ist man einfach sicherer. Leider ist das unser Alltag. Wir Juden sind verbale und teilweise auch körperliche Angriffe gewöhnt. Die Polizei in Freiburg ist im Vergleich zu anderen Städten in dieser Hinsicht meiner Meinung nach etwas leichtsinnig. Wir würden uns schon mehr Präsenz wünschen.

Eine traurige Vorstellung, dass Sie sich morgens vor dem Gottesdienst erst einmal umschauen müssen, ob es Ihnen sicher genug ist...

Katz: An besagtem Tag hat mich mein Bauchgefühl zudem im Stich gelassen. Es war alles ruhig, bis aus heiterem Himmel dieser Mann auf mich zukam und sehr aggressiv auf mich losgegangen ist. Er hat mich bedroht und beschimpft, aber das ist ja alles auf dem Video zu sehen. Unter anderem fiel der Satz: „Hitler hat euch zurecht vergast.“

Sie sind in diesem Moment dennoch sehr ruhig geblieben.

Katz: Ich bin zurückgewichen, aber war ziemlich unter Schock, zum Glück kam eine Dame vom Freundeskreis Tel Aviv-Freiburg hinzu, die sofort anbot, die Polizei zu rufen. Für diese Zivilcourage bin ich sehr dankbar. Als dem Täter klar wurde, dass die Polizei gleich anrückt, hat er dann auch schnell das Weite gesucht. Das ganze hat vielleicht drei Minuten gedauert. Wäre die Polizei vor Ort gewesen, wäre das so vielleicht gar nicht erst passiert.

Also stellen Sie ganz klar die Forderung nach mehr Polizeipräsenz?

Katz: Ja. Zumindest während unserer Veranstaltungen. Unsere Gemeindemitglieder sollen sich sicher fühlen und nicht aus Angst zu Hause bleiben. Leider weicht die Polizei bisher mit dem Hinweis auf Personalmangel aus oder behauptet, es gebe keine Gefahr.

Noch eine letzte Frage zum Thema Gedenkbrunnen: Am Platz der Alten Synagoge haben sich die jüdischen Gemeinden mit der Stadt nun auf einen gemeinsamen Weg geeinigt. Sind Sie mit dem Kompromiss zufrieden?

Katz: Uns ging es in der Diskussion vor allem um die Eventkultur, die sich rund um den Brunnen entwickelt hatte. Die lässt sich mit den Maßnahmen, die nun kommen sollen, bestimmt besser in den Griff bekommen. Allerdings fing das Problem ja schon mit den gefundenen Fundamenten an. Wir hatten als Gemeinde bereits damals den Vorschlag gemacht, einen separaten Erinnerungsort ein Stück abseits des Brunnens zu schaffen. Im Nachhinein wären wir damit wohl alle besser gefahren.

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