Görger muss EM-Start absagen

Formschwäche: Langstreckenläufer vom LAC Freiburg verzichtet „schweren Herzens“ auf U23-EM

Die U23-Europameisterschaft im schwedischen Gävle findet ohne den Freiburger Langstreckenläufer Markus Görger statt. Das wurde am Montag bekannt. Der 5.000-Meter-Läufer vom Leichtathletik Club Freiburg verzichtet laut Vereinsangaben „schweren Herzens“ auf den EM-Start am Wochenende. Wegen eines „allgemeinen Erschöpfungszustandes“ wird der jahresschnellste U23-Läufer des Deutschen Leichtathletik Verbands (DLV) nicht mit der Nationalmannschaft nach Schweden reisen.
„Aufgrund des von einer langwierigen Achillessehnenreizung verursachten Trainingsausfalles im Frühjahr fehlt mir nach den intensiven Wochen der Quali-Rennen von Anfang Mai bis Juni die Substanz für ein Rennen auf Top-Niveau“, erklärt der 21-Jährige. Eine ernsthafte Erkrankung liege nicht vor, so Görger, „aber die letzten vier Wochen Training haben nicht gereicht, um rechtzeitig wieder in Form zu kommen.“ Er würde dem DLV mit einer Teilnahme keinen Gefallen tun, sagt Görger, der in der Europäischen Jahresbestenliste die Plätze 7 und 8 über 10.000 und 5.000 Meter belegt. „Ich kann momentan einfach nicht mein normales Leistungsniveau vorzeigen“, ist sich der junge Spitzenläufer sicher. Nach Platz fünf bei der U20-EM 2017 und Platz vier bei der Cross-EM 2018 wäre es seine nächste EM-Teilnahme geworden.


DM-Start in Berlin geplant
Das EM-Ticket über 5.000 Meter hatte er im belgischen Oordegem in 13:45,31 Minuten gelöst und damit nebenbei den 33 Jahre alten badischen Rekord von Lauflegende Herbert Steffny geknackt. Am 8. Juni in Essen setze er mit dem Sieg bei der U23-DM über 10.000 Meter in 29:09,19 Minuten noch einen drauf.
Der Spitzenläufer, der vor seinem Wechsel zum LAC auch für den PTSV Jahn Freiburg und den LC Breisgau an den Start gegangen war, will nun seine ganze Konzentration auf den nationalen Saisonhöhepunkt legen: einen Start bei der Deutschen Meisterschaft der Aktiven in Berlin (3. und 4. August). Der Freiburger Forststudent, der von seinem Vater Michael Vogel – einst selbst erfolgreicher Läufer beim PTSV Jahn – und von LAC-Trainer Johannes Eisele trainiert wird, hatte erstmals die Aktiven-Qualifikation über 5.000 Meter und 1.500 Meter geschafft.
LAC-Trainer Eisele sieht im Übrigen die positive Seite von Görgers EM-Verzicht: „Er hat sich die Entscheidung bis zuletzt nicht leicht gemacht, durch den Verzicht aber leistungssportliche Vernunft und persönliche Reife gezeigt“, so Eisele. Der Läufer werde gestärkt aus dieser Situation hervorgehen. „Manch anderer wäre als formschwacher ’Tourist’ auf Verbandskosten nach Schweden gefahren“, sagt Eisele. So aber sei Görger nicht gestrickt.

Matthias Joers

Zurück