Freundliche Freiburger

Laut einer aktuellen Studie aus der Schweiz sind die Freiburger die freundlichsten Deutschen

8 von 10 Punkten – so hoch wird die Freundlichkeit der Freiburger bewertet. Ein deutscher Spitzenwert, den das Basel Institute for Commons and Economics in einer neuen Studie ermittelt hat. Claudia Kleinhans hat mit dem Studienleiter und Soziologen Alexander Dill (rundes Bild) über das gute Abschneiden der Freiburger und die Gründe dafür gesprochen.

Herr Dill, die Freiburger scheinen die freundlichsten Deutschen zu sein. Wie misst man eigentlich Freundlichkeit?

Alexander Dill: Ich mache das jetzt bereits seit zehn Jahren und habe ganz subtile Methoden dafür entwickelt. Schließlich kann man niemanden einfach so fragen, ob er freundlich ist, weil dann jeder Ja sagen würde. Darum bitten wir die Teilnehmer, anonym, auf einer Skala von 1 bis 10, die Freundlichkeit der Menschen in ihrer Umgebung zu beurteilen.

Also bewerte ich nicht mich selbst, sondern die anderen?

Dill: Genau. Wir behandeln jeden als einen Soziologen. Wir wollen den Menschen dafür interessieren, dass er sich für die anderen interessiert.

Sie stellen Fragen zu Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft, aber auch zu der Bereitschaft Steuern zu zahlen und erstellen daraus dann einen Sozialklimamonitor...

Dill: Korrekt. Und der Monitor wird inzwischen auch weltweit erhoben und in 48 Sprachen veröffentlicht.

Und Freiburg ist in diesem Jahr das erste Mal dabei?

Dill: Freiburg ist zum ersten Mal dabei…

… und hat direkt gewonnen …

Dill: Also man muss dazu sagen, wir selbst veröffentlichen keine Rankings. Wir glauben, dass diese sozialen Güter an jedem Ort ihre ganz eigene Geschichte und Entwicklung haben und das sollte man nicht gegeneinander ausspielen. So ist es beispielsweise in Holland, Belgien oder Finnland ein hohes soziales Gut, Steuern zu zahlen, im Iran und Irak wird Gastfreundschaft sehr hochgehalten und in Zentralafrika die Freundlichkeit. Jedes Land hat seine Stärken und Schwächen.

Werden solche immateriellen Güter bei der Bewertung von Ländern zu wenig anerkannt?

Dill: Sie werden überhaupt nicht anerkannt. Ich bin Mitglied der Finanzierungskommission der UN und die Länder werden bis heute leider alle nur nach Bruttosozialprodukt beurteilt.

Zurück nach Freiburg. Wieso hat unsere Stadt so viel besser abgeschnitten als beispielsweise Berlin?

Dill: Da kann ich nur aus meiner eigenen Freiburg-Erfahrung sprechen. Wenn ich die vergangenen 15 Jahre zurückblicke und beispielsweise schaue, wie sich Littenweiler und Waldsee entwickelt haben, staune ich immer. Denn das sind ja durchaus auch Neubaugebiete. Und wenn man vergleicht, wie diese sich im Vergleich zu anderen Städten entwickelt haben, dann sieht man da doch deutliche Unterschiede. Oft sind solche Neubaugebiete tot, sie sind aggressiv, sie sind hässlich – nicht so in Freiburg.

Inwiefern?

Dill: Hier ist Tempo 30, viele sind mit dem Fahrrad und mit Kindern unterwegs, hier fühlt man keine Vorstadt-aggressivität, wie sie normalerweise in einer deutschen Großstadt herrscht. Auch die junge und gebildete Bevölkerung trägt ihren Teil zu dieser lebenswerten Atmosphäre bei. So erlebe ich das dort zumindest, ganz ohne Befragung.

Also ein Verdienst der Stadtverwaltung, die diese Umgebung bewusst so geschaffen hat?

Dill: Manch einer mag vielleicht glauben, dass die Menschen in den angesagten Altbaugegenden am freundlichsten sind, das kann ich so nicht bestätigen. Das, was man auf den Straßen erlebt, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Gastfreundschaft, das findet sich auch in den Bezirken, die nicht ’reich’ sind.

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