Vorsicht vor diesen Anrufern

Skrupellose Banden zocken ältere Menschen am Telefon ab: Polizei warnt vor Betrugsmasche

Trickbetrüger treiben auf perfide Weise ihr heimtückisches Spiel mit gutgläubigen älteren Menschen. Vergangene Woche erst warnte die Polizei Freiburg davor, dass die Kriminellen aktuell wieder verstärkt in Südbaden ihr Unwesen treiben. Dabei ist es immer die gleiche Masche. Die Betrüger suchen sich Menschen mit altdeutschen Namen aus dem Telefonbuch raus und melden sich bei ihnen als vermeintliche Kriminalbeamte oder angebliche Verwandte. In der Regel sprechen diese Personen Hochdeutsch und wissen, welchen Ton sie anschlagen müssen, um seriös bei ihren teils betagten Opfern rüberzukommen. Dann erklären sie, in der Nachbarschaft seien Teile einer Einbrecherbande festgenommen worden. Bei denen habe man persönliche Informationen der Angerufenen gefunden. Die vermeintlichen Polizisten geben vor, die Kontaktierten warnen zu wollen und ihr Bargeld oder sonstige Wertgegenstände sicher bei der Polizei verwahren zu wollen. Der neueste Trick: An dem ganzen Komplott sei angeblich ein Bankmitarbeiter beteiligt, der das Geld von Konten abräumt, daher sei das Vermögen nicht auf der Bank, sondern nur bei der Polizei sicher. Zweifel werden immer weg argumentiert oder sogar Druck auf die Opfer aufgebaut. Während im Hintergrund – nach Auskunft der Polizei – eine türkische Tätergruppierung aus Callcentern agiert, bedienen sich die Banden vor Ort jedweden Personals.
Beim sogenannten Enkeltrick hingegen meldet sich der Anrufer meist mit einem „Hallo, ich bin’s!“. Er gibt sich als Verwandter (Neffe, Enkel etc.) aus. Die unvertraute Stimme wird mit schlechtem Handyempfang oder einer Erkältung entschuldigt. Dann täuscht der vermeintliche Verwandte oftmals eine Situation vor, in der dringend Geld benötigt wird, zum Beispiel, dass er wegen eines Hauskaufs gerade beim Notar sitze und der Kaufvertrag ohne eine Baranzahlung platze. Das Geld würden sie natürlich sofort wieder zurückzahlen. In der Folge besorgt der Angerufene das Geld und übergibt es beispielsweise einem angeblichen Mitarbeiter des Notariats. Ab diesem Moment ist das Geld weg und in den Händen der organisierten Kriminalität. Viele Opfer händigen den Betrügern fünf- oder sogar sechsstellige Summen aus. „Unseren Erkenntnissen nach stecken hinter dem Enkeltrick vor allem polnisch-stämmige Großfamilien“, sagt Michael Gabriel, Leiter des Dezernats für Bandendelikte der Kriminalpolizei Freiburg.


Sie tappen in die Falle
„Häufig empfinden die Opfer falsche Scham, weil sie den vermeintlichen Enkel nicht sofort an der Stimme erkennen. Obwohl sie nicht sicher sind, lassen sie sich dann auf das Gespräch ein und tappen in die Falle.“ Das Konstrukt streckt sich oft über mehrere Tage hin. Geschickt bringen die Täter dabei sensible Informationen über ihre Opfer in Erfahrung. Wenn das Geld erstmal ausgehändigt sind, ist der Schaden meist irreparabel. „Wenn so eine Betrugsmasche irgendwo losgeht, zieht es sich in der Folgezeit meist durchs ganze Stadtgebiet“, weiß Gabriel.
Neben den beiden genannten Maschen gibt es noch eine weitere, die verstärkt um sich greift: der Gewinnspieltrick. Dabei gratuliert ein Anrufer zu einem angeblichen Gewinn in fünfstelliger Höhe. Das Geld würde nur überwiesen, wenn der Gewinner Guthabenkarten, wie etwa von iTunes oder Amazon, im Bereich von rund 1.000 Euro kaufen und die Codes durchgeben würde. Auf diese Weise würde die Bearbeitungsgebühr gedeckt. Tatsache ist: Seriöse Gewinn- oder Lotteriegesellschaften verlangen keine Gebühren. Bürger sollten daher nie Gutschein- oder Kartencodes an Dritte weitergeben Auch sollten niemals persönliche Informationen wie Adressen, Kontodaten oder Kreditkartennummern weitergegeben werden.
„Nur wenn wir rechtzeitig, während die Masche noch läuft, informiert werden, besteht eine reelle Chance, dass wir der Täter habhaft werden“, erklärt Gabriel und appeltiert: „Die Polizei fragt am Telefon nie nach Vermögenswerten oder Erspartem. Und sie drängt erst recht nicht darauf, dass dies abgeholt wird.“ Misstrauen ist in diesem Fall gut und bei Verdacht sollte nicht gezögert werden, die 110 anzurufen.

Sven Meyer


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