Lebensqualität durch mehrere Faktoren

Wie werden wir in Zukunft leben? Architekturprofessor Dietmar Eberle plädiert bei der Stadtentwicklung für mehr Dichte und kürzere Wege

Das Büro Baumschlager – Eberle ist europaweit bekannt für seine moderne, anspruchsvoll gestaltete Architektur und energiesparenden Konzepte im Wohnungsbau. Dietmar Eberle gilt zudem als Spezialist für Stadtstrukturen. Im Rahmen des nächsten Freiburger Flächennutzungsplans veranstaltete die Stadt mehrere Zukunftsforen. Eberle referierte vergangene Woche zum Thema „Wie werden wir 2040 leben?“. Sven Meyer sprach mit dem Österreicher anschließend über Stadtentwicklung.

Herr Eberle, Sie sagen, nur die Dichte sei für Atmosphäre ausschlaggebend. Fordern Sie mehr Hochhäuser oder was meinen Sie genau mit mehr Dichte?

Dietmar Eberle: Ich rede nicht von hochgeschossigen Wohnanlagen – überhaupt nicht von Wohnanlagen, sondern von Städten, die geprägt sind durch Durchmischung. Sollten in einem Quartier nur Wohnanlagen sein, hat dies sicher eine schlechte Wohnqualität. Was ich meine ist, dass die Durchmischung existentiell wichtig ist. Es geht darum, städtische Strukturen und Funktionen neu als attraktive Orte zum Leben und Arbeiten zu durchmischen. Die Fußläufigkeit muss im Alltag wieder zum Maß werden und das geht nur durch Dichte.

Was sollte Freiburg Ihrer Ansicht nach im Hinblick auf den Flächennutzungsplan 2040 besonders berücksichtigen?

Eberle: Das Wort Flächennutzungsplan ist für den Großteil der Stadtfläche meiner Ansicht nach unbrauchbar, weil es nicht mehr um die Trennung von Nutzungen geht, sondern um das Gegenteil: die Durchmischung von Nutzungen. Insofern sollte man das Wort „Flächennutzungsplan“ eventuell ersetzen durch das Wort „Stadtentwicklungskonzept“. Nutzungspläne sind eines jener Rechtsinstrumente, die aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert stammen und die zur Agglomeration geführt haben, die wir heute in großen Teilen als qualitativ nicht zukunftsfähig erachten. Freiburg-spezifische Fragen möchte ich als Außenstehender jedoch nicht beantworten.

Was wird Ihrer Ansicht nach in Zukunft der wichtigste Faktor für urbane Lebensqualität sein?

Eberle: Es ist nicht machbar Lebensqualität mit einem Faktor zu beurteilen; die Gleichzeitigkeit von mehreren Faktoren ist ausschlaggebend. Generell lässt sich Städtebau nicht reduzieren auf einseitige Betrachtungen, sondern Lebensqualität entsteht durch das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer Qualitäten. Im wesentlichen sind dies sechs Faktoren: sich wohlfühlen, Privat und Begegnung, Selbstbestimmung und Kostengünstigkeit, Sicherheit und Vertrautheit, Nähe und Fußläufigkeit sowie Grünraum.

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