„Läuft wie ein Räderwerk“

Im September wird der Smart Green Tower weitergebaut – mit Batteriespeicher und leicht veränderter Fassade

Es ist weithin sichtbar und – zumindest noch – ein unschöner Anblick im Freiburger Stadtbild: das Beton-Gerippe des Smart Green Towers am Alten Güterbahnhof. Seit Wochen herrscht nach einem Eigentümerwechsel Stillstand auf der Baustelle. Nicht mehr lang, wie Projektentwickler Hans-Peter Unmüßig nun dem Wochenbericht bestätigt.Der Freiburger Projektentwickler hatte den als „Leuchtturm-Projekt“ bezeichneten Turm von dessen Erfinder, dem Freiburger Architekten Wolfgang Frey, erworben. „Es musste allerdings neu geplant werden“, sagt Unmüßig, der sich einen Namen damit gemacht hat, als schwer umsetzbar geltende Bauprojekte doch noch Wirklichkeit werden zu lassen. Auch im Fall des Smart Green Towers scheint ihm das zu gelingen: „Wir sind fertig mit den Planungen. Jetzt werden die Arbeiten ausgeschrieben. Ich gehe davon aus, dass im September die ersten Handwerker tätig werden“, sagt der Projektentwickler und muss selbst schmunzeln, als er sagt: „Wenn wir etwas übernehmen, läuft das ab wie ein Räderwerk.“ Im September 2020, so Unmüßig, sollen die ersten Menschen einziehen können.


Wieviel „Leuchtturm“ bleibt?
Der Freiburger Architekt Wolfgang Frey hatte hehre Ziele mit seinem „Baby“, dem Smart Green Tower: Solarpanele, die zur Fassadenverschattung dienen, ein Ein-Megawatt-Batteriespeicher, der überschüssige Energie sammeln und das ganze Quartier mit Strom versorgen können soll, außerdem eine Fischfarm, Fassadenbegrünung und vieles mehr. Weltweit berichteten Fachmagazine über Freys Wunderwerk, nicht zuletzt auch weil das Weltunternehmen Siemens AG und das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme mit an Bord waren. Freys Wunschvorstellung kollidierte jedoch mit der Realität, das Projekt geriet ins Stottern. Also übernahm Unmüßig. Bleibt die Frage, wieviel vom „Leuchtturm“ noch übrig bleiben wird, nachdem das Bauwerk für kolportierte 20 Millionen Euro den Besitzer wechselte?
Unmüßig selbst sagt: „Soweit die Formulierung ’Leuchtturm’ keine Marketing-Übertreibung beinhaltet, dann bleibt es auch dabei, dass es einer wird“. Konkret gesprochen heißt das: Der innovative Batteriespeicher wird weiterhin Teil des Projektes sein. „Und auch die Solar-Panele an der Fassade behalten wir bei“, so Unmüßig. Diese allerdings werden nicht, wie ursprünglich vorgesehen, quer vor die Fenster gebaut, sondern wie beim Stühlinger-Rathaus seitlich neben die Fenster angebracht. Auch das Fraunhofer Institut soll zu Forschungszwecken das Gebäude weiterhin nutzen können.
Bei der städtischen Vermarktungsgesellschaft FWTM ist man froh, dass das Gebäude gerettet werden kann und es keine Bauruine wird: „Es freut uns, dass der Smart Green Tower an einer baulich prägnanten Stelle fertig gestellt wird“, sagt FWTM-Geschäftsführerin Hanna Böhme. Sie hofft auch, dass „die angedachten, ambitionierten Ideen“ vom neuen Eigentümer aufgegriffen werden. „Dann hätten wir in Freiburg wieder ein Vorzeigeprojekt im Bereich nachhaltige Architektur und innovativer Energieversorgung“, sagt sie.
Unmüßig selbst möchte nicht, dass die Erwartungen zu sehr in den Himmel wachsen. „Im Prinzip ist es ein normales Bürohaus, aber eines mit ökologischem Potenzial.“ Was auch er sehr spannend finde, sei der innovative Batteriespeicher. „Wenn man das erforschen und professionalisieren könnte, wäre es auf lange Sicht ein tolles, ökologisches Konzept“, sagt der Projektentwickler.

Matthias Joers

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