Der Ruch des Skandalösen ist verflogen

„Körperwelten“ stoßen in Freiburg auf überwiegend positive Rückmeldungen – 20 Ganzkörperexponate werden gezeigt

Damals in den Neunzigern diskutierte ganz Deutschland darüber, ob man so etwas überhaupt machen darf: Leichen in lebensechten Posen präparieren und dann für Geld ausstellen. Heute scheint alles anders zu sein: Die Aufregung um die „Körperwelten“ Ausstellung ist verflogen, die Zustimmung scheint zu überwiegen. „Ein positiver Aspekt der Ausstellung ist, dass sie Menschen anregt, sich mit dem eigenen Tod und der eigenen Sterblichkeit zu beschäftigen“, sagt beispielsweise Michael Hertl, der Sprecher der Erzdiözese Freiburg. Wichtig sei der würdevolle Umgang mit den gezeigten Verstorbenen. Und der scheint in Freiburg gut zu klappen, denn hier begegnet das Publikum den präparierten Toten des Mediziners Gunther von Hagens fast schon ehrfurchtsvoll.
„Das sind die Bogengänge im Ohr. Sie sorgen dafür, dass wir das Gleichgewicht halten“. Fasziniert hört das etwa acht Jahre alte Mädchen an der Hand der Mutter zu, was ihr Vater ihr erklärt: Wie ein Ohr aufgebaut ist und wie es funktioniert gehört bei „Eine Herzenssache“, so der Untertitel der „Körperwelten“ in Freiburg, quasi zum Einstiegswissen.
200 Präparate von toten Menschen und ihren Körperteilen werden gezeigt. Manches sieht aus wie aus dem anatomischen Museum: Föten in ihren unterschiedlichen Entwicklungsphasen zeichnen die Entwicklung im Mutterleib in der Schwangerschaft nach. Einzelne Organe werden gezeigt: Hier eine pechschwarze Raucherlunge, dort das gesunde Gegenstück. Präparierte Blutkreisläufe, Nervenstränge und Skelette. Ein Herz mit Schrittmacher, eine Hüfte samt künstlichem Gelenk und eine krankhaft erweiterte Aorta mit eingebauter Aneurysma-Prothese.
„Krass“, entfährt es einem Besucher, während nebenan ein weiterer zusammen mit seiner Frau interessiert studiert, wo im Bauch das Zwerchfell zu finden ist. Leise und aufmerksam bewegen sich die meisten Besucher durch die Halle 3 der Messe, wo die „Plastinate“ von Hagens, darunter auch 20 Ganzkörperexponate wie ein Feuerwehrmann im Rettungseinsatz, ein Skispringer oder ein Paar in der Umarmung, noch bis zum 25. August zu sehen sind.
„Das nahezu ehrfurchtsvolle Besucherverhalten lässt sich tatsächlich in jeder Ausstellung beobachten“, sagt Simon Klass von der Agentur „Livemacher“, die die Ausstellung in Freiburg durchführt. „Selbstverständlich gab es auch kritische Stimmen. Doch die Zustimmung überwiegt.“ Das Interesse der Menschen sei rege, so die erste Zwischenbilanz: „Gleich zum Start haben zahlreiche Besucher die Chance des Ausstellungsbesuchs genutzt.“ Am ersten Wochenende haben Klass zufolge rund 3.000 Besucher die Körperwelten gesehen. Das decke sich mit den Erwartungen.

Bernd Peters

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