Erste Wolken am Horizont

IHK Konjunkturbericht: Die Wirtschaft verliert auch in Südbaden an Dynamik

In ihrem Frühsommer-Konjunktur-Bericht hat die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein am vergangenen Montag ein immer noch positives Gesamtbild gezeichnet. Die wirtschaftlichen Eintrübungen sind jedoch inzwischen unübersehbar. IHK-Präsident Steffen Auer übte indes scharfe Kritik an der Politik.Nachdem sich bereits zu Jahresbeginn Geschäftslage und Zukunftserwartungen am Oberrhein eingetrübt hatten, setzt sich die Entwicklung weiter fort. So verliert der Index der Geschäftslage im Vergleich zum Jahresbeginn nochmals zwei Punkte und liegt mit 61 Punkten nun 16 Punkte unterhalb des Allzeithochs vom Jahresbeginn 2018. Mit 52 Prozent haben weiterhin mehr als die Hälfte aller Unternehmen eine gute Geschäftslage, weitere 42 Prozent bezeichneten sie als befriedigend.
Dabei verdeckt der Index jedoch, dass sich die Entwicklung zwischen den Industriebetrieben, die einen schwächeren Auftragseingang verzeichnen und jenen Branchen, die stärker vom Inlandsgeschäft beeinflusst sind, stark unterscheidet. Letztere blicken deutlich optimistischer in die Zukunft. IHK-Präsident Steffen Auer erklärte, dass Faktoren wie der sich zuspitzende Handelskonflikt zwischen China und den USA sowie das sich verdüsternde Brexit-Szenario zu der Bremsbewegung beitragen würden. Hinzu käme, dass mit der Automobilindustrie ausgerechnet die deutsche Leitindustrie mit großen Problemen zu kämpfen habe. Spürbar gingen derzeit Investitionen in den Unternehmen zurück, was ein klares Indiz für eine sich abkühlende Konjunktur sei. Doch es gäbe auch Ausnahmen wie die boomende Bauindustrie. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kammergebiet läge immer noch auf Rekordniveau.
Scharfe Kritik übte Auer an der Politik in Berlin: „Egal, ob bei Klimawandel, Breitbandausbau oder Elektromobilität – die Politik erfasst die Gesamtproblematik von Themen nicht mehr. Dies schadet dem Standort Deutschland.“ Im Zusammenhang mit der Klimapolitik erklärte er, die Wirtschaft stehe dem Thema konstruktiv gegenüber, jedoch wirke die Politik wie erstarrt, da sie „offenbar nur noch mit sich selbst beschäftigt“ sei. (mey)


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