Ein sinnliches Vergnügen

Kein Sommer in Freiburg ohne gesellige Grillabende – ganz ohne Ärger geht es aber nicht

Hinter Freiburg liegt das erste, heiße Grillwochenende des Sommers. Aber warum grillen wir so gerne? Und welche Folgen hat das für die Stadt? Zum Start der Grillsaison erklären wir, was es mit der um sich greifenden Grillbegeisterung auf sich hat.Kaum steigen die Temperaturen, werden auch in Freiburg Kugelgrill & Co. angeheizt. Der Markt für Grillgeräte ist in den vergangenen Jahren förmlich explodiert. Eigene Lifestyle-Magazine rund um die Fleischeslust sind ebenso entstanden, wie plötzlich massenhaft Grillseminare aufgeploppt sind. Warum aber grillen wir so gerne? Der Freiburger Soziologe Sacha Szabo hat den Mega-Trend Grillen aus der Forscherperspektive beleuchtet und darüber ein Buch verfasst („BBQ – Grillen eine Wissenschaft für sich“). Er sagt: „Grillen ist eine Auszeit vom Alltag“ und korrespondiere längst zur Slow Food Bewegung. „Feuer, rohes Fleisch, die Sonne“ – ein Grillabend erzeuge reihenweise „sinnliche Eindrücke“, so der Soziologe: „Man könnte im wunderbaren Wissenschaftlersprech sagen: Grillen ist der semantische Komplementärentwurf zur entfremdeten Alltagswirklichkeit“. Anders ausgedrückt: „Weil wir an Fast Food und Schreibtischarbeit gewohnt sind, ist es etwas Besonderes draußen Essen zuzubereiten“, sagt Szabo.


„Erhebliche Arbeit“
Bauchgrimmen verursacht die Grillsaison dagegen bei Michael Broglin. Persönlich esse er zwar gerne Gegrilltes, sagt der Geschäftsführer der Freiburger Abfallwirtschaft und Stadtreinigung (ASF). Doch Freiburgs oberster Müllmann ist ganz schön genervt von den Folgen des Grill-Hypes. „Meine Mitarbeiter sind den ganzen Sommer über damit beschäftigt, die Rückstände der Grillabende wegzuräumen. Das ärgert mich, weil die Leute zwar in der Lage sind, ihr Grillgut, mit allem was dazugehört, an den jeweiligen Grillort zu bringen. Ihren Müll aber wieder weg zu bringen, in einen Abfalleimer oder gar nach Hause, schaffen sie größtenteils nicht.“ Das bereite seinen Mitarbeitern „erhebliche Arbeit“, wie das vergangene Wochenende gezeigt habe, so Broglin: „An den bekannten Hotspots sah es genauso aus, wie in den Jahren zuvor.“ Vor allem an den Dreisamuferwiesen habe es wieder „etliche Grillstellen“ gegeben. Besonders beliebt seien auch der Dietenbach- und der Seepark sowie die Wiesen rund um den Moosweiher. Neben Flaschen, Plastikmüll und Essensresten finden die ASF-Mitarbeiter nach wie vor viele Wegwerfgrills. „Die kann man ja überall kaufen. Das wird von den Leuten ausgenutzt“ sagt Broglin. Die sogenannte „Mediterranisierung des öffentlichen Raumes“ finde er zwar toll. „Aber die negativen Folgen sind schade“, so der ASF-Chef.
Wer einen Grillabend in freier Natur plant, sollte vor allem darauf achten, kein offenes Feuer zu machen. Erlaubt ist das nämlich nur an einer der 19 offiziellen Grill- und Feuerstellen im Stadtwald. Stadtsprecher Toni Klein verweist auf Paragraf 9 der städtischen Polizeiverordnung. „Untersagt ist überall, belästigenden Rauch zu erzeugen“, sagt Klein, etwa in Parks, aber auch entlang der Dreisam. Wer zum Beispiel im Seepark grillen möchte, darf das nur mit einem Gasgrill. Beschwerden über „permanente Belästigung durch Feuer gibt es beispielsweise von Nachbarinnen und Nachbarn der Sandfangwiese an der Dreisam“, berichtet Klein.
Streitereien sind aber etwas, das so gar nicht zu einem geselligen Grillabend passen will, meint Soziologe Szabo. Dabei ist so ein Abend wie wohl wenig andere Events dazu geeignet, die Zügel etwas lockerer zu lassen: „Grillen ist ein Ereignis, bei dem die Etikette für einen kurzen Moment vergessen wird, man darf mit den Händen essen, man darf sogar Schmatzen und es ist ok, wenn der Bratensaft über die Wange läuft.“ Dann kann es auch zu Streit darüber kommen, ob aus Klimaschutzgründen nicht besser ein marinierter Tofu-Spieß anstatt eines Dry Aged Beefs auf den Grill gehört. „Ich glaube unter den menschengemachten Ursachen des Klimawandels, kann man das Wochenendgrillen unter ’ferner liefen’ auflisten.“ Viel wichtiger sei etwas anderes: „Man sollte vielleicht auch überlegen, mit wem man isst, als eben nur darauf zu achten, was man isst. Beides gehört nämlich zu einem gelungenen Abend.“

Matthias Joers


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