Vollblut-Europäer aus Baden

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble appelliert, am Sonntag wählen zu gehen

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble war am Montagabend zu Gast beim Europa-Wahl-Spezial von „Nachgefragt“ am Rotteck-Gymnasium. Dort äußerte er sich auch zur Ibiza-Affäre.„Europa prägt uns und ist unsere Kultur und unsere Heimat“, betonte der 76-Jährige vor seinen zumeist jungen Zuhörern. Es stehe für Werte wie Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Schon ein kurzer Blick auf die Welt von heute zeige, dass „wir Europäer“ nur noch etwas bewirken können, „wenn wir zusammenstehen“.
Dank der Europäischen Union erleben ihre Mitgliedsstaaten seit 74 Jahren die längste Friedensepoche ihrer Geschichte. Seiner Generation sei dies große Glück noch bewusst, doch die jüngere Generation wisse gar nicht mehr, wie gut es ihr gehe. Ex-US-Präsident Barack Obama zitierend, appellierte der aus Hornberg im Schwarzwald stammende CDU-Politiker wachsam zu bleiben und nicht auf die Demagogen hereinzufallen: „Die Demokratie ist immer dann bedroht, wenn wir sie als selbstverständlich betrachten.“ Deshalb solle jeder am Sonntag von seinem Wahlrecht bei der Europawahl Gebrauch machen.
Höchst aktuell und dabei ohne viel Wert auf diplomatische Floskeln zu legen, wurde Schäuble als es um die Ibiza-Affäre von FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache ging. „Wenn ich der FPÖ gute Besserung wünschen würde, wären das keine sehr ehrlichen Wünsche“, verriet er. Als Schäuble Österreichs bisherigen Vizekanzler Strache vor einiger Zeit erstmals in Berlin empfing, habe er danach das dringende Bedürfnis empfunden, sich die Hände zu waschen, berichtete er.
Auf Nachfrage erklärte Schäuble, dass er es für möglich hält, dass Strache mit dem Video unter Druck gesetzt wurde. „Hat man gedacht, man kann den erpressen? Hat man ihn vielleicht die letzten zwei Jahre schon erpresst?“, fragte der gelernte Jurist und führt weiter aus: „Was die da diesem Strache auf Ibiza vorgespielt haben, scheint einigermaßen plausibel gewesen zu sein. Der muss ja kein kompletter Idiot sein.“ Dann macht Schäuble seine brisanteste Aussage des Abends: „Irgendwie riecht’s nach irgendwas wie einem Geheimdienst. Ich bin mal gespannt, ob das aufgeklärt wird. Ich hoffe ja. Sie sehen, man fragt sich: Warum jetzt? Und wer hat es gemacht? Und zu welchem Zweck?“
Menschlich wurde es auch: Schäuble, der in Freiburg geboren wurde und hier studiert hat, bekannte sich zum SC Freiburg, seinem Herzensverein, schwärmte von Maultaschen und gab außerdem zu, dass er zu seinem jetzigen Amt gedrängt wurde, um mit einem Schmunzeln nachzuschieben: „Aber ich lasse ich mich auch gerne drängen.“

Sven Meyer


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