Alarm vor dem Schlussakt

Der SC Freiburg ist das drittschlechteste Team der Rückrunde – vor dem letzten Spiel brodelt es in der Mannschaft

Der SC Freiburg ist kaum wiederzuerkennen: In der Liga zwar vor dem Abstieg gerettet, präsentieren sich die SC-Profis derzeit weit unterhalb ihres Leistungsvermögens. „Als wären wir die Absteiger“, sagte SC-Trainer Christian Streich. „Kein Bundesliganiveau“, befand Nils Petersen, Freiburg nur „ein Sparringspartner“. Klar ist: In dieser Form bekäme der SC nächste Saison Probleme.Der Frust über die desolate Rückrundenleistung sitzt tief. Acht Spiele in Folge hat der SC Freiburg nicht gewinnen können. Nur zwölf Punkte heimste er in der zweiten Saisonhälfte ein. In der Rückrundentabelle liegt der SC auf dem drittletzten Platz, ist nur zwei Punkte besser als Absteiger Hannover. Selbst in der Abstiegssaison 2014/15 spielte Freiburg eine erfolgreichere Rückrunde.


„Angst und Bange“
Acht Spiele in Folge ohne Sieg, so eine Negativ-Serie leistete sich der SC schon in der vergangenen Saison zwischen März und April 2018. Damals wie heute war das Team von vielen Verletzungen geprägt. Das Team sei ausgelaugt, geistig wie körperlich, sagt Christian Streich: „Der Tank ist leer“.
Als Erklärung für das schwache Auftreten im Saisonfinale reicht das aber kaum. Die Aussagen, die nach der Partie in Hannover von den Spielern zu hören waren, sind einerseits entwaffend ehrlich – und kommen doch einem Armutszeugnis gleich. „Vielleicht brauchen wir den Druck“, sagte Kapitän Mike Frantz. Rätsel gibt die Analyse von Torhüter Alexander Schwolow auf: „Mit dem frühzeitigen Klassenerhalt konnten wir nicht umgehen“, sagt er dem Kicker. Wie ernst meinen es die Spieler, wenn sie, wie jetzt Mike Frantz, vor dem Nürnberg-Spiel ankündigen: „Wir wollen die Saison unbedingt mit einem Sieg abschließen. Das ist dringend notwendig und das werden wir tun“. Sind das nur Worthülsen? „Große Reden schwingen, das tun wir seit ein paar Spielen“, sagte Nils Petersen nach dem 0:3 in Hannover. Sind die Spieler mit dem Kopf schon im Sommerurlaub? Oder geben die müde Beine tatsächlich nicht mehr her?
Am Sonntag nach dem Hannover-Debakel folgte eine „knallharte“ (O-Ton Schwolow) und ausführliche Videoanalyse – auf dass sich ähnliche Fehler wie in Hannover am Samstag gegen Nürnberg (15.30 Uhr/Sky) nicht wiederholen. Noch in der Vorwoche hatte Christian Streich auf die detaillierte Videositzung verzichtet. War das der Grund, weshalb sich Freiburg in Hannover so zerlegen ließ? Der Trainer glaubt ja. Keeper Schwolow ist da unsicher: „Im Nachhinein kann man das so sehen. Schwer zu sagen“, sagt er am Sonntagabend in einem SWR-Interview. Am Montag bekam das Team einen freien Tag. Die Anhängerschaft fiebert nun dem letzten Heimspiel entgegen, wünscht sich einen Sieg zum Abschluss.
Am Ende wird dieses letzte Spiel gegen Nürnberg mit darüber entscheiden, wie das Fazit unter der für Freiburger Verhältnisse eigentlich erfolgreich verlaufenden Saison ausfallen wird. Der Klassenerhalt, das große Freiburger Ziel, ist längst geschafft. Doch von der Erleichterung und der Freude darüber ist nur wenig zu spüren. Die Sieglos-Serie hat ihre Spuren hinterlassen.
„Wir sollten schauen, dass wir ein anständiges Spiel machen“, sagt Christian Streich mit Blick auf den Samstag. „Keiner will mit neun sieglosen Spielen am Stück in die Sommerpause starten“, findet Petersen. Und was wenn doch? Wenn es auch gegen den zweiten Absteiger nicht zu einem Sieg reicht, vor dem eigenen Publikum? „Sehr unschön“ wäre das, sagt Streich. „Da wird einem Angst und Bange um die neue Saison“, so Petersen.
Die finale Partie wird also zum Lackmustest darüber, wie sehr die Mannschaft bereit ist, sich für den Verein aufzuopfern. Das Spiel gegen Nürnberg kann einen Fingerzeig geben, auf wen die SC-Verantwortlichen auch in der kommenden Saison setzen können. Und auf wen eher nicht.

Matthias Joers

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