Die Party fällt diesmal aus

Debatte um abgesagtes Schlossbergfest: Reagiert die Stadtverwaltung zu restriktiv?

Eigentlich glaubte man in Freiburg, die „Festkrise“ überwunden zu haben. Doch mit der überraschenden Absage des beliebten Schlossbergfests ist das Thema zurück und schlägt in der Bevölkerung und Politik hohe Wogen. Wie hoch die Wogen schlugen, zeigte sich darin, dass sich OB Martin Horn nach einem Bericht in der Badischen Zeitung veranlasst sah, am vergangenen Mittwoch zu später Stunde auf den Schlossberg zu steigen und von dort eine Videobotschaft in die sozialen Netzwerke zu senden, um die städtische Sicht der Dinge darzustellen: „Der Schlossberg gehört ganz Freiburg und wird nicht exklusiv vermietet.“
Im Kern geht es bei der Absage um Folgendes: Durch ein neues Sicherheitskonzept, bei dem es unter anderem um Waldbrandgefahr geht, waren den Veranstaltern des Schlossbergfests Zusatzkosten in Höhe von 35.000 Euro entstanden. Da das Fest ohnehin knapp kalkuliert ist und die ausrichtende Schlossbergfest Freiburg GmbH stets ein Wetterrisiko trägt, wollte diese zur Refinanzierung ein Eintrittsgeld zwischen drei und fünf Euro veranschlagen. Doch eine solche Maßnahme war mit der Stadt nicht zu machen. Dies würde die Kommerzialisierung öffentlichen Raums bedeuten und würde Nachahmern Tür und Tor öffnen, so die Argumentation der Stadtspitze – einstimmig gedeckt vom Ältestenrat des Gemeinderats. Die Konsequenz: Die Veranstalter sagten das Fest für dieses Jahr ab.
Im Hauptausschuss am Montag kam das Thema nochmals zur Sprache. Martin Horn betonte in diesem Zusammenhang, dass es auch die Rathausspitze extrem bedauere, dass das Fest ausfalle. „Ich habe als Oberbürgermeister keinerlei Interesse daran, eine Festkultur zu verhindern. Wir hätten uns alle einen anderen Ausgang gewünscht“, erklärte das parteilose Stadtoberhaupt und versprach für alles dafür zu tun, dass es 2020 wieder ein Fest gebe. Noch vor der Sommerpause soll es zur der Thematik ein Fachgespräch im Rathaus geben.
Mitveranstalter Bela Gurath erklärte zudem gegenüber dem Wochenbericht: „Wir wollen jetzt sehr zeitnah mit allen Bedenkenträgern, die unser Konzept ablehnen, einen runden Tisch veranstalten. Natürlich sind wir auch für ein anderes Konzept offen, bei dem es eine Lösung für die Mehrkosten gibt. Fakt ist, das Schlossbergfest funktioniert nur, wenn wir diese finanzielle Lücke schließen können.“


„Eher unrühmlich“
Einen überschaubaren Eintritt für solche Veranstaltungen zu verlangen, sei in vielen anderen Kommunen längst Standard, so Gurat. „Die beste Lösung wäre es, die Freiburger hätten selbst sagen können, ob sie so etwas unterstützen oder nicht. Hätten wir Eintritt verlangen dürfen, hätten wir gesehen wie hoch die Akzeptanz gewesen wäre“, so der Veranstalter.
Rückendeckung erhalten die Fest-Macher unter anderem von FDP-Gemeinderat Christoph Glück, der die Debatte vergangene Woche im Rat angestoßen hatte: „Der ganze Verlauf ist eher unrühmlich und steht dieser Stadt nicht gut zu Gesicht“, sagte er. „Veranstalter brauchen Verlässlichkeit. Indem die Stadt auf der einen Seite die Auflagen verschärft, auf der anderen Seite aber verhindert, dass die Veranstalter die Mehrkosten auch wieder reinholen können, würgt man solche Feste ab“, erklärte Glück gegenüber dem Wochenbericht und forderte für die Zukunft mehr Augenmaß und weniger Bürgerbevormundung. In einer Facebook-Umfrage des Freiburger Wochenberichts, bei der sich knapp 2.700 User beteiligt hatten, sprachen sich 69 Prozent für Eintrittspreise bis zu fünf Euro aus.
Für Frust bei den veranstaltenden Vereinen hatten zuletzt auch Auflagen für das St. Georgener Weinfest gesorgt. Kurzfristig verschärfte Sicherheitsforderungen, die für die Beteiligten eine erhebliche Mehrbelastung bedeuteten, hatten für massive Kritik gesorgt. Laut Veranstalter stehe vor diesem Hintergrund der Fortbestand des Festes auf der Kippe.

Sven Meyer



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