Ein Türchen für den Grifo-Coup?

Geht er oder geht er nicht? Nach dem Spiel lässt Vincenzo Grifo durchblicken, dass seine Zukunft noch offen ist

Ja, was denn nun? Im März sprach Hoffenheim-Manager Alexander Rosen ein Machtwort: Grifo muss zurück nach Hoffenheim. Inzwischen aber sind auch andere Töne zu hören. Nicht vom SC, der sich allein schon aus Respekt vor dem Leihgeschäft in Zurückhaltung übt. Vincenzo Grifo dagegen lässt durchblicken, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.Gegen die Düsseldorfer Fortuna markiert Vincenzo Grifo (26) seinen sechsten Saisontreffer. Souverän verwandelt er den Foul-Elfmeter in der 9. Minute. Der Ball klatscht links von Düsseldorf-Torwart Rensing, der in die andere Ecke unterwegs ist, ins Netz.
Im Anschluss an das 1:1 stellt sich der italienische Nationalspieler, der seit dem Winter auf Leihbasis in Freiburg spielt, den Fragen der Presse. Nichts Ungewöhnliches, das übliche Frage-Antwort-Spiel eben: Grifo kommentiert das Spiel, seine verpassten Torchancen, den Klassenerhalt („sehr hart erarbeitet“). Als das Gespräch dann fast beendet ist, legt ihm ein Freiburger Radio-Reporter – halb im Scherz, halb im Ernst – nahe, sich doch am Roxette-Hit „Listen to your heart“ ein Beispiel zu nehmen und – dem Herzen folgend – einfach beim SC zu bleiben, statt im Sommer zurück zur TSG Hoffenheim zu wechseln. Was dann passiert, könnte in den nächsten Wochen noch eine Rolle spielen. Denn Grifo lässt die Steilvorlage, die sich ihm da bietet, nicht ungenutzt – und gibt eine erstaunliche Antwort: Ja, es gebe „eine klare Vereinbarung“ zwischen Freiburg, Hoffenheim und ihm. Nämlich die, „dass wir erstmal schauen, wie die Saison verläuft“, sagt er. Und fügt an: „Nach der Saison sehen wir weiter. Dann kommt erst der Urlaub. Dann atmet man durch. Dann schauen wir mal, wo’s hin geht“, sagt er.
Grifos Worte klingen so ganz anders als jene Einlassung von Alexander Rosen. Der TSG-Manager hatte im März erklärt, dass Grifo „fest für unseren Kader der nächsten Saison eingeplant“ sei. Öffnet sich jetzt also doch ein Türchen für den SC Freiburg?
SC-Trainer Christian Streich will nicht so recht daran glauben, dass sich eine Chance ergeben könnte, wie er auch in der neuen Saison auf die fußballerischen Fähigkeiten von „Vince“ Grifo zugreifen könnte: „Der Vince geht nach Hoffenheim. Er hat dort einen Vertrag. Alles andere sind Träumereien“, sagt Streich. „Ich träume nicht. Ich darf nicht träumen. Vince ist weg.“
Was aber, wenn Hoffenheim doch mit sich reden lässt? Oder wenn Grifo unter dem künftigen TSG-Coach Alfred Schreuder nicht zum Zug kommt? In Freiburg hätte er einen Stammplatz fast sicher. Vergleichbares kann ihm die TSG – Stand jetzt – nicht bieten. Streich jedenfalls schätzt den Deutsch-Italiener in hohem Maße. „Es war super, dass er da war in der Rückrunde. Es war extrem wichtig, dass er uns geholfen hat, uns Energie gegeben hat“, sagt Streich. SC-Manager Jochen Saier sagte am Wochenende nichts Konkretes zu der Angelegenheit. Auch nicht, bezüglich der anderen Spieler, über deren Abgang spekuliert werde (Janik Haberer, Torwart Alexander Schwolow). Anfragen von anderen Vereinen zu SC-Spielern habe er bisher keine auf dem Schreibtisch liegen, sagte Saier im TV-Sender Sky – und fügte an: „Wir wollen versuchen den Kader beisammenzuhalten.“ Die große Frage ist, ob das Vincenzo Grifo miteinschließt.

Matthias Joers




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