Ein Garten für viele Arten

Am Tuniberg leben rund 200 Wildbienenarten und haben nun ihr eigenes Paradies

Am Tuniberg sind die Bienen los, denn der preisgekrönte Wildbienen-Lehrgarten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) beheimatet auf 2.000 Quadratmetern nachweislich 200 Arten von Wildbienen. Viele von ihnen sind bedroht. Am Freitag besichtigte Landesfinanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) das Idyll in Freiburg Opfingen.Es summt, es blüht und es lebt am Tuniberg, denn hier kann man sie alle treffen, die gestreiften Bestäuber, die für die pflanzliche Vielfalt in der Region sorgen: Gehörnte Mauerbiene, Rainfarn Maskenbiene oder Große Weiden-Sandbiene – sie alle leben im neu geschaffenen Wildbienen-Lehrgarten in Freiburg Opfingen, der mit dem diesjährigen Naturschutzpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Und auch Hummeln, Schmetterlinge oder Gottesanbeterinnen fühlen sich im grünen Idyll am Ortsausgang Richtung St. Nikolaus pudelwohl. Am 25. Mai wird der Lehrgarten offiziell eröffnet. Doch schon heute können sich Besucher ein Bild davon machen, wie ein intaktes Ökosystem aussieht.
2017 kaufte der NABU Freiburg das brachliegende Grundstück von einem Landwirt. Binnen zwei Jahren und 600 ehrenamtlichen Arbeitsstunden haben die Naturschützer hier ein Refugium für die gestreiften Insekten geschaffen. „Den Arbeitskreis Bienen gibt es seit 2012“, erklärt Dagmar Reduth, die die Besuchergruppe gemeinsam mit Kollegin Ortrud Hentrich durch den Garten führt. „Das hier ist unser bislang ambitioniertestes Projekt.“


Alarmierendes Artensterben
Gerade bei den Wildbienen würden die Ausmaße des Isektensterbens auf besonders erschreckende Art und Weise deutlich. Das weiß auch der prominenteste Gast des Rundgangs – denn neben dem NABU-Landeschef Johannes Enssle ist auch Finanzministerin Edith Sitzmann aus Stuttgart angereist, um sich vor Ort ein Bild zu machen. „Wir müssen höchst alarmiert sein. Durch das Sterben von Tier und Pflanzen können ganze Ökosysteme zugrunde gehen“, so die Grünen-Politikerin. Deshalb plane man in Stuttgart auch, die Fördermittel für Artenschutz und Biodiversität noch in dieser Legislatur von 60 auf 90 Millionen Euro zu erhöhen.
Für Johannes Enssle ist der Wild-bienengarten am Tuniberg ein Vorzeigeprojekt, aber nur ein kleiner Stein im Mosaik des Naturschutzes. „Wir brauchen eine kleinstrukturierte Landwirtschaft, die die Artenvielfalt begünstigt“, führt der NABU-Landesvorsitzende aus. Dem schließt sich Winzer Martin Linser in einem Appell an die Finanzministerin an: „Am Tuniberg zeigt sich, dass Artenvielfalt trotz intensiver Landwirtschaft möglich ist.“ Den ansässigen Bauern gehe es jedoch schlecht. „Politische Veränderungen haben immer nur den Großen zugespielt. Dabei braucht es für den Erhalt der Natur gerade die Kleinfelder. Die sollten eigentlich bezuschusst werden.“

Benjamin Resetz

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