Hochburg des Verbrechens

Polizei-Bilanz: Trotz etwas weniger Straftaten bleibt Freiburg die kriminellste Stadt Baden-Württembergs

Das Polizeipräsidium präsentierte am Dienstag die Zahlen zur Kriminalitätslage im Jahr 2016. Fazit: Freiburg bleibt die Hauptstadt des Verbrechens im Land. Doch immerhin verzeichnet die Statistik fast 1.100 Fälle weniger als im Vorjahr.  Der Anteil der Tatverdächtigen nicht deutscher Herkunft erreichte 2016 indes einen neuen Rekordwert.


Insgesamt hat die Polizei im Stadtgebiet Freiburg im vergangenen Jahr 27.312 Straftaten registriert – das sind 1.130 Fälle weniger als im Jahr davor. Jedoch markierte  2015 ein Rekordjahr. 2016 nimmt in der 10-Jahres-Statistik den unrühmlichen zweiten Rang ein.  Die Aufklärungsquote liegt in der Stadt bei 59 Prozent, was einen Rückgang um 1,3 Prozent bedeutet. Dieser Wert liegt knapp über dem Durchschnittwert im Land Baden-Württemberg (58,1 Prozent). 

Schaut man sich einzelne Werte an, fällt auf, dass es zwar einen Rückgang bei Taschen- und Ladendiebstählen (- 8,3 Prozent)  sowie  weniger Vermögens- und Fälschungsdelikte (-8,8 Prozent), worunter auch Schwarzfahren fällt, gab, dafür weist die Statistik jedoch eine Zunahme an Sexualdelikten (+ 11,3 Prozent bzw. um 14 Fälle) und Rauschgiftkriminalität (+ 2,6 Prozent) auf.  Die Zahl der registrierten Raubüberfälle, wozu auch die nächtlichen Handy-Raube zählen, ist nahezu unverändert geblieben: 201 Delikte dieser Art weist die Statistik auf. Blickt man in die jüngere Vergangenheit zurück, fällt jedoch auf, dass es vor fünf Jahren „nur“ 136 solcher Fälle gab.
 

Insgesamt sank die Gewaltkriminalität um vier Prozent. So genannte Rohheitsdelikte, worunter vorsätzliche leichte Körperverletzung fällt, nahmen jedoch um 7,1 Prozent bzw. 524 Fälle zu.    Brennpunkt Nummer eins bleibt die Altstadt. Straftaten gegen das Leben, worunter Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung fallen, nahmen in Freiburg um 114,3 Prozent zu. Zu den 15 Fällen zählt auch der Mord an der 19-jährige Studentin Maria L. im Oktober.

„Estmals seit 2011 gibt es einen Rückgang der gesamten Straftaten. Damit kann man nicht von einer Trendumkehr sprechen, aber zumindest ist das ein Fingerzeig für die Zukunft“, erklärte  Polizeipräsident Bernhard Rotzinger. Als  Erfolg stufte er den Kampf gegen die Einbruchskriminalität ein: Zwar stieg die Gesamtzahl erneut an (+ 12,9 Prozent), jedoch zeigt die Detailauswertung, dass trotz der von Einbrechern bevorzugten dunklen Jahreszeit die Fallzahlen im November/Dezember im Vergleich zu den Vorjahren eklatant zurückgingen. Zurückzuführen sei dies auf ein neues Präventionskonzept der Polizei, bei dem unter anderem auf tagesaktuelle geospezifische Daten reagiert werde  und dementsprechend in den betroffenen Stadtteilen mehr Präsenz aufgefahren werden könne. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen liegt jedoch weiterhin unter zehn Prozent.

Hoher Ausländeranteil
Deutlich gestiegen ist der Anteil nichtdeutscher Personen bei den erfassten Fällen: Mittlerweile stellen sie 42 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen, berichtet der Polizeipräsident.  Dies ist der  höchste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich. Gestiegen ist auch die Zahl der Flüchtlinge, die als Tatverdächtige geführt werden (ohne Verstöße gegen das Ausländerrecht): So wurde im vergangenen Jahr gegen 1.759 Flüchtlinge ermittelt - eine Zunahme von 50 Prozent. Sven Meyer

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