Der stolze Rückkehrer

Nils Petersen ist wieder Teil der DFB-Auswahl und soll den Neuanfang mit einläuten

Nils Petersen ist zurück in der Nationalmannschaft. Der Stürmer des SC Freiburg wurde von Bundestrainer Joachim Löw im Zuge des Halb-Umbruchs im DFB-Team zurückgeholt. Für den Torjäger eine Ehre – für den abgestürzten Ex-Weltmeister ein erster Schritt in Richtung Wiedergutmachung. Am Donnerstag kommt der neue Weltmeister aus Frankreich zum ersten Härtetest nach der Schmach von Russland.

Aussortiert und zurückbeordert wurde aber nicht nur der Top-Torjäger des SC Freiburg im Zuge des Mini-Umbruchs im DFB-Team. Auch die nicht für den endgültigen WM-Kader nominierten Leroy Sané und Jonathan Tah. Die werden sich gewiss nicht so weit aus dem Fenster lehnen, den Bundestrainer ob seiner personellen Entscheidungen für das missglückte Turnier in Russland offen zu kritisieren. Sehr wohl könnten sie sich jedoch insgeheim ins Fäustchen lachen. Denn der Kelch des historischen Ausscheidens in der Vorrunde ist an ihnen vorüber gegangen.Nun kehrt der Publikumsliebling von der Schwarzwaldstraße zurück auf das höchste internationale Parkett – oder besser auf den Rasen. Und sofort wartet eine große Aufgabe: Im ersten Spiel der von der UEFA neu geschaffenen Nations League trifft die DFB-Auswahl am Donnerstag auf Weltmeister Frankreich. „Les Bleus“ reisen in Bestbesetzung nach München. Trotzdem ist die Erwartungshaltung der deutschen Fußballfans groß: Nach dem Debakel von Russland erwarten viele einen selbstbewussten, mannschaftlich geschlossenen Auftritt der Löw-Truppe. An einigen Stellschrauben wurde deshalb gedreht, Altlasten wie Mesut Özil oder Sami Khedira, die für Unruhe gesorgt aber nur wenig Leistung gebracht hatten, sind weg. Junge, hungrige Spieler wie Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain) und Nico Schulz (1899 Hoffenheim) stoßen dafür zum Kader. Und auch ein mit 29 Jahren nicht mehr ganz so junger Petersen kann mit seinem ausgeprägten Torriecher zum Gewinn für die Nationalmannschaft werden.Starter oder Edeljokerim Nationaltrikot?Ob es sich bei Löws Nominierungen um eine langfristige Lösung handle, „oder ob er ein paar Dinge austestet“ werde spannend, findet Petersen. Ebenso spannend dürfte die Frage sein, ob der SC-Stürmer von Beginn an ran darf, oder – als wahrscheinlichere Option – seine schon oft unter Beweis gestellten Jokerqualitäten zeigen darf. Am Montag traf sich die neue alte Nationalmannschaft erstmals nach dem WM-Aus wieder in einem Münchener Hotel. Die Zeit, bis zum Frankreich-Spiel einen neuen Spielstil zu etablieren, ist sicher zu knapp bemessen. Eine andere Einstellung als beim zurückliegenden Turnier sollte die Löw-Elf aber allemal an den Tag legen, will man nach aller öffentlicher Kritik wieder für positive Nachrichten sorgen. Nils Petersen jedenfalls dürfte hochmotiviert sein. Er wurde für die WM nicht berücksichtigt. Ohne diese Altlast im Rücken wird sich der Freiburger auch mit dem Adler auf der Brust als Mann für die wichtigen Tore beweisen wollen. Benjamin Resetz

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Zurück in der Nationalelf und darüber mächtig glücklich: Die Farben stimmen schon mal – wenngleich Nils Petersen hier lediglich im SC-Trainingsoutfit zu sehen ist. (foto: Achim Keller)