Stille Helfer mit starkem Zoom

Der Start der Videoüberwachung verläuft für die Freiburger Polizei bisher zufriedenstellend

Achtung, Kamera läuft! Seit Ende Juli wird die Freiburger Innenstadt wochenends in Teilen von der Polizei per Videokamera überwacht. Das soll die Polizeiarbeit erleichtern und damit helfen, die Kriminalität zu senken.Von 22 bis 6 Uhr morgens sind sie Freitag- und Samstagnacht in Betrieb, die 16 Videokameras der Freiburger Polizei. Angebracht an Kriminalitätsschwerpunkten in der Freiburger Altstadt – zum Beispiel im Bermudadreieck, in der Niemensstraße oder vor dem CinemaxX – sollen sie „vor allem die alltägliche Polizeiarbeit erleichtern“, wie Polizeidirektor und Video-Projektleiter Armin Bohnert erklärt. Künstliche Intelligenz oder automatische Gesichtserkennung wird nicht genutzt, „das wäre bei dem Personenaufkommen in der Stadt auch gar nicht sinnvoll“, so Bohnert. Drei Beamte kontrollieren im Lagezentrum im Polizeipräsidium an der Bissierstraße stattdessen die Bilder der Kameras in Nachtschicht, „diese können dann gezielt reagieren und unsere Streifen verständigen.“ Vor allem in den späteren Abendstunden, wenn auch der Alkoholpegel steige, werde das meist nötig. Dank Kamera und Gegenkamera sind die beobachteten Bereiche bestens einsehbar, potenzielle Täter auch bei einer Flucht meist gut zu identifizieren. Aber auch der Datenschutz bleibe gewahrt: „Die Fenster der Anwohner sind nicht zu erkennen“, verspricht Bohnert.
Dank digitalem Zoom und hochauflösender Qualität erhalten die Beamten gestochen scharfe Bilder vom nächtlichen Treiben in der City. Diese werden zwei Wochen gespeichert. Werden sie dann nicht für ein Verfahren benötigt, folgt die Löschung.
Zwei Wochen laufen die Kameras inzwischen – und bei der Polizei Freiburg zeigt man sich vorsichtig optimistisch: Die Beamten griffen an den beiden zurückliegenden Wochenenden insgesamt drei Mal bei Körperverletzung ein, wie der Freiburger Polizei-Vizepräsident Matthias Zeiser am vergangenen Freitag berichtete. Zudem verhinderten sie in fünf weiteren Fällen mögliche Eskalationen und Straftaten.
Seit zwei Jahren hängen die Kameras bereits an ihren Plätzen, genutzt werden konnten sie allerdings bis vor drei Wochen nicht – Corona sorgte für gähnende Leere in den Straßen, eine Überwachung von Gesetzesseite war zu diesem Zeitpunkt damit nicht gerechtfertigt.
Umso erfreuter ist man nun von Seiten der Stadt, dass das Projekt Ende Juli endlich starten konnte – immerhin wurden vor der Pandemie rund 500.000 Euro in Kameras und digitale Infrastruktur investiert. Bürgermeister Stefan Breiter: „Es geht vor allem auch darum, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken.“ Dennoch: „Am liebsten wäre es uns natürlich, wir würden die Videoüberwachung gar nicht brauchen. Aber wir würden die rote Laterne als einer der Kriminalitätsschwerpunkte in Baden-Württemberg auch gerne wieder abgeben wollen.“


Claudia Kleinhans

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