Der Welttrainer und der Dienstälteste

Das Spiel München gegen Freiburg ist auch ein Treffen der Trainergenerationen – doch Streich und Heynckes verbindet mehr als man glaubt

Mit großem Medienecho ging die Inthronisierung des neuen Bayern-Trainers Jupp Heynckes über die Bühne. Der SC Freiburg wird am Samstag der erste Prüfstein für die 72-jährige Trainerlegende sein. Bei der Partie treffen dann zwei Trainer aufeinander, die sich schätzen gelernt haben – und die in ihrem Arbeitsethos mehr verbindet als trennt.Wie Jupp Heynckes, 72 Jahre, über Christian Streich, 52 Jahre, denkt, ist bereits verbrieft: „Der beste Mann in Freiburg sitzt auf der Bank“ – und: „Er macht eine Arbeit, die gar nicht hoch genug zu bewerten ist.“ Heynckes, seit Montag zum vierten Mal Trainer des FC Bayern München, gilt als Gentleman, der weiß, was sich gehört. Und blumige Worte zwischen gegnerischen Trainern gehören heute zum Geschäft. Doch im Fall von Christian Streich steckt wohl mehr dahinter als die branchenübliche Lobhudelei. Den Respekt des Fifa-Welttrainers hat sich der dienstälteste Trainer der ersten Liga (seit 2011 im Amt) spätestens da erarbeitet, als er den Sportclub 2013 in die Europa-League-Ränge führte. Atmosphärisch dürften daher am Samstag in der Müncher Allianz-Arena (15.30 Uhr / Sky) Schönwetterwolken aufziehen, wenn sich Streich und Heynckes in dessen erster Partie als Nachfolger von Carlo Ancelotti begrüßen dürfen.
Denn in ihrer Trainerdenke gibt es zwischen Heynckes und Streich viele Gemeinsamkeiten. Das wurde bei Vorstellung des neuen und alten Bayern-Coaches am Montag klar, bei der der gebürtige Mönchengladbacher seine Philosophie darlegte.
Beide sehen sich als Teil eines auf Vertrauen basierenden Trainerteams: „Wenn ich das machen sollte, ist es ganz wichtig, dass ich mein Trainerteam wieder habe“, nannte Heynckes seine wichtigste Bedingung für die Rückkehr nach München – und so packte Peter Herrmann, bisher Co-Trainer bei Zweitligaspitzenreiter Fortuna Düsseldorf, seine Koffer und eilte trotz bester Jobaussichten zurück nach München, zu seinem alten Chef. Das Verhältnis innerhalb des Freiburger Trainerteams gilt als nicht minder vertrauensvoll – dazu geben sich die SC-Coaches so bescheiden, dass sie es zum Beispiel dankend ablehnten, als das Fußballmagazin 11Freunde die SC-Trainer für ein Titelfoto gewinnen wollte (Streich: „Wir sind keine Coverboys“).
Streich und Heynckes gehören außerdem zu der Sorte Trainer, die ihre Spieler dabei in die Pflicht nehmen, einen „Mannschaftsgeist“ zu entwickeln, der diesen Namen verdient hat. Während Freiburg unter Streich bekannt dafür wurde, dass Neuzugänge schnell integriert werden und Spieler mit wenig Einssatzzeiten nicht die beleidigte Leberwurst spielen, legt auch der alte und neue Bayern-Trainer Wert auf ein von Hierarchien getragenes Mannschaftsgefüge, in dem die Spieler viele Dinge schon geregelt haben, „noch bevor der Trainer in Aktion tritt“, so Heynckes: „Der Respekt und das Miteinander müssen wieder im Vordergrund stehen“, sagte er am Montag und kündigte an: „Da muss ich Gespräche mit den Spielern führen.“ Und schließlich erwähnte er die Bedeutung einer dosierten „Trainingssteuerung in puncto Verletzungsprävention“ – Worte, die man auch beim von Verletzungen geplagten SC nur zu gut kennt.
„Wir haben alle das Feuer gespürt, das in ihm noch immer lodert“, sagt Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenige über Heynckes. Ein Feuer, das – wenn nicht alles täuscht – am Samstag wohl in beiden Coachingzonen lodern wird.

Matthias Eisele

 

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