Die Polizei hat viele Fragen

Nach dem Auftauchen von Maria ist vieles ungeklärt: War das Mädchen jahrelang alleine unterwegs?

Die Nachricht verbreitete sich vergangene Woche wie ein Lauffeuer und klingt immer noch wie ein Wunder: Maria H. ist wieder da. Die junge Freiburgerin war im Mai 2013 mit einem 40 Jahre älteren Mann verschwunden. Das Schicksal der Teenagerin hatte die ganze Stadt in Atem gehalten. Die Umstände der Rückkehr muten rätselhaft an. Im Laufe dieser Woche soll die inzwischen Volljährige von der Polizei befragt werden.

Nach dem mittlerweile 58-jährigen Bernhard Haase aus Blomberg/Nordrhein-Westfalen wird seit Marias Verschwinden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ihm werden Kindesentziehung und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Von ihm fehlt weiterhin jede Spur.Er hatte sich 2012 im Internet als angeblich 15-jähriger Junge namens „Karlchen“ an die damals 12-Jährige herangemacht, ihr Vertrauen erschlichen und eine Art von „Beziehung“ mit ihr begonnen: „Cyber Grooming“ nennen Kriminalisten dieses Vorgehen, bei dem sich Pädophile im Netz an ihre Opfer heranschleichen, ihr Vertrauen gewinnen und sie dann missbrauchen. Haase, ein ehemaliger Parteifunktionär der „Republikaner“ und gelernter Elektriker, flog damit zunächst auf: Als seine Frau ihn anzeigte, blieben er und das Mädchen jedoch heimlich in Kontakt. Kurz nach Marias 13. Geburtstag tauchte das ungleiche Paar unter, die Spur verlor sich im Sommer 2013 in Osteuropa: Der weiße Schäferhund Haases und sein PKW tauchten in Gorlice in Polen auf. Von Maria fehlte seither jede Spur, genau 1.944 Tage blieb sie weg, man fürchtete ihren Tod.Dann aber meldete sich Maria in der vergangenen Woche überraschend über das soziale Netzwerk Facebook bei ihrer Familie: Demnach hielt sie sich in Mailand auf. Von dort kehrte sich schließlich in ihre Heimat zurück. Seit der Nacht zum Freitag ist sie wieder zuhause. Abgeholt wurde sie nicht durch ihre Eltern, sondern durch gute Freunde der Familie. Nach Marias Ankunft in Freiburg erklärte Monika Beisler, die Mutter, via Facebook, es gebe „keine glücklichere Familie als unsere“. Wo Maria und Bernhard Haase seit 2013 waren und was mit dem Mann passiert ist, liegt noch völlig im Dunkeln. Immerhin: Es gebe äußerlich keinen Hinweis, dass es der jungen Frau schlecht gehe, so Polizeisprecher Jerry Clark. Der Haftbefehl gegen Haase bestehe weiterhin. Laut Staatsanwaltschaft Freiburg liegen jedoch kein Hinweise vor, dass Haase im Bereich der Kinderpornografie auffällig geworden sei. Ob auch er zuletzt in Mailand oder sonstwo in Italien lebte, ist unbekannt. Die Polizei wird Maria dazu in den kommenden Tagen befragen. Viele Gerüchte kursierenDas Medieninteresse an dem Thema sei enorm, so Polizeisprecherin Laura Riske. Aber noch haben sich die junge Frau und ihre Familie nicht zu Details ihres Verschwindens geäußert: Gerüchte bis hin zu angeblichen Interviews zu diesem Thema im Internet seien allesamt nicht im Sinne ihrer Tochter, so Monika Beisler am Montag via Facebook. Auch Maria sei darüber sauer: „Sie wissen nichts von mir, und selbst das verkaufen sie noch“, wird die junge Frau von der Mutter zitiert. Die These, wonach Maria mehrere Jahre alleine unterwegs gewesen sei, wolle man derzeit nicht bestätigen, so Laura Riske. Es gehe Maria gut, „auch wenn die letzten fünf Jahre Spuren auf ihrer Seele hinterlassen haben“, so Monika Beisler. Zu gegebener Zeit werde man sich weiter öffentlich äußern, vorerst gehe es aber erst einmal darum, „wieder Boden unter die Füße zu bekommen“. Bernd Peters

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Jahrelang klammerte sich die Mutter an alte Fotos ihrer verschwundenen Tochter Maria (links, oben im Bild: alte Kinderfotos). Seit einigen Tagen ist das Mädchen wieder da. Was sich genau in den fünf zurückliegenden Jahren ereignet hat, will nun die Polizei herausfinden. (Ingo Schneider)
Facebook Maria. ZVG