Wie heilig ist der Sonntag?

Eine Händlerinitiative fordert den verkaufsoffenen Sonntag – der Widerstand folgt prompt

Zwei deutsche Kaufhaus-Giganten fordern, dass das sonntägliche Verkaufsverbot fällt. An allen 52 Sonntagen im Jahr soll nach ihrem Willen das Shoppen erlaubt sein. Die Widerstände gegen den Vorstoß sind groß, auch in Freiburg. Der Wochen-bericht hat sich umgehört.

Dieser Vorstoß ist ein Politikum: „Das Ziel ist es, den Sonntag wieder denen zu geben, denen er gehört: den Kunden, Mitarbeitern und Händlern“, erklärte Karstadt-Chef Stephan Fanderl vergangene Woche in Köln. Unterstützung für die Idee, alle 52 Sonntage für den Handel zu öffnen, erhält Karstadt von seinem ärgsten Rivalen Kaufhof. Die ungewohnte Allianz der beiden großen Warenhäuser ist einem, aus ihrer Sicht, viel größeren Gegner geschuldet: Der Konkurrenz aus dem Online-Handel. Besonders an Sonntagen ist der Internethandel bei Amazon & Co. umsatzstark, weswegen Kaufhäuser eine Wettbewerbsverzerrung zu ihrem Nachteil wittern. Es rumort gewaltigDoch so schnell wie der Vorstoß formuliert war, so schnell treten die Gegner auf den Plan. In Baden-Württemberg erteilte das Wirtschaftsministerium den Warenhäusern eine Abfuhr. „Man sehe keinen Änderungsbedarf“, heißt es im CDU-geführten Ministerium. Erlaubt sind den Städten bislang bis zu drei Verkaufssonntage im Jahr, allerdings ist diese Erlaubnis anlassbezogen: verkaufsoffene Sonntage darf es nur im Zusammenhang mit Anlässen wie einem Stadtfest geben. Groß ist der Widerstand auch bei den Gewerkschaften. Gegenüber dem Wochenbericht erklärt der Freiburger Verdi-Chef Reiner Geis: „Wenn es keine geschützten Sonntage mehr gibt, haben wir nur noch Werktage in Deutschland, das wäre ein großer Kulturverlust.“ Die These von der vermeintlichen Übermacht des Internet-handels könne er nicht nachvollziehen: „Auch die Online-Konkurrenz verkauft bzw. liefert die Ware erst am nächsten Werktag aus“, sagt Geis. Der Frust bei den Händlern ist dennoch groß. Mehr als 100 Klagen gegen geplante Sonntagsverkäufe habe es bundesweit 2016 gegeben, sagt Michael Bertram von der Geschäftsleitung der IHK Südlicher Oberrhein. „Wir plädieren nicht für eine umgebremste Öffnung des Sonntages. Aber so wie es jetzt ist, müssen Kaufhäuser damit leben, dass Sonntagsverkäufe von den Gerichten kurzfristig abgeblasen werden.“ Utz Geiselhart, Geschäftsführer im Handelsverband Südbaden, würde sich schon freuen, wenn es wenigstens die drei vom Ladenöffnungsgesetz vorgesehenen Sonntage in Freiburg geben würde. Der Handelsverband stört sich vor allem an dem strengen Anlassbezug. „Da müsste es eine Neuüberlegung geben“, sagt Geiselhart. In Freiburg hat der Gemeinderat in einem Grundsatzbeschluss den Sonntagsverkauf abgelehnt. Doch auch hier rumort es. Ein Freiburger Edeka-Markt in der Wiehre will für sich einen Sonntagsverkauf bei der Stadt einklagen. Im Juni entscheidet das Verwaltungsgericht darüber. Klar gegen verkaufsoffene Sonntage ist die katholische Kirche: „Das Erzbistum Freiburg setzt sich dafür ein, den Sonntag und die Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung im Sinne unserer Landesverfassung und des Grundgesetzes zu schützen“, sagt Sprecherin Lisa Maria Plesker vom Erzbistum Freiburg. Kirche und Gewerkschaften auf der einen Seite, Handelsverbände auf der anderen. Aber so klar, wie man meint, sind die Fronten bei dem Thema nicht immer verteilt. Dieter Hieber, der zwischen Bad Krozingen und der Schweizer Grenze zwölf Lebensmittelmärkte betreibt, sagt: „Würde der Sonntag generell geöffnet, weiß ich nicht, ob wir das machen würden. Ich denke, der Tag gehört den Mitarbeitern. Sechs verkaufsoffene Tage sollten doch ausreichen.“ Matthias Eisele / Sven Meyer

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