Warten auf die Freigabe

Lokales

Die Mitglieder im Cannabis Social Club Freiburg sind auf die Cannabis-Legalisierung vorbereitet

 

Ab dem 1. April soll in Deutschland legal gekifft werden dürfen. In der Woche ab dem 19. Februar will der Bundestag das Gesetz verabschieden. Anbau und Verkauf der Droge in begrenzten Mengen soll dann in sogenannten Social Clubs erlaubt sein. Der Cannabis Social Club Freiburg und seine Mitglieder stehen bereits in den Startlöchern – und legen dabei großes Augenmerk auf Aufklärung und den Jugendschutz.

Zum 1. April soll Cannabis von der Liste der verbotenen Substanzen  im Betäubungsmittelgesetz gestrichen werden. Ein Tag, auf den der Cannabis Social Club Freiburg e.V. (CSC) lange hingearbeitet hat. „Wir gehen jetzt die nächsten Schritte“, sagt Stefan Kruse, der als zertifizierter Cannabis-Sachverständiger hauptberuflich mit der Thematik vertraut ist und im CSC Freiburg für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist. Der von Ralph Hempel, Aki Bohnert und Matthias Guion gegründete Verein hat inzwischen rund 200 Mitglieder. Und wegen der nahenden Cannabis-Legalisierung sei der Zulauf weiterhin groß, sagt Kruse.

Kritik am Jugendschutz

Das geplante Gesetz der Bundesregierung sieht vor, dass die Cannabis-Clubs das Marihuana für ihre Vereinsmitglieder selbst anbauen dürfen. Maximal 25 Gramm pro Tag darf ein Club-Mitglied dann erwerben, insgesamt aber im  Monat höchstens 50 Gramm.  Aus mehr als 500 Mitgliedern dürfen die Vereine nicht bestehen. Wirklich glücklich ist der Vorstand des Social Club Freiburg mit dem Gesetzestext nicht. „Der Jugendschutz ist darin gar nicht geregelt“, sagt Kruse. Mit Blick auf den Freiburger Social Club sagt er deshalb: „Wir werden zusammen bessere Jugendschutz-Konzepte auf die Beine stellen, als das, was die Bundesregierung vorgibt.“ Auf seiner Homepage bezeichnet sich der Social Club als „engagierte Gemeinschaft von Cannabis-Befürwortern, die sich für legalen und verantwortungsvollen Konsum, Aufklärung, Jugendschutz und Prävention einsetzen.“

So seien für die eigenen Vereinsmitglieder zum Beispiel verpflichtende Vorträge zu Themen wie Prävention und Jugendschutz geplant. „Die Fach- und Sachkunde ist da. Die Konzepte dazu haben wir bereits aufgestellt. Es ist machbar“, sagt Hempel. Auch mit Streetworkern in Freiburg sei der Verein im Gespräch und will in einem nächsten Schritt gemeinsam mit der Stadt Freiburg erreichen, dass Freiburg Modellkommune für den legalen Cannabis-Konsum wird. Einen  entsprechenden interfraktionellen Antrag hatten  im vergangenen Sommer bereits die Gemeinderats-Fraktionen von JUPI, SPD/Kulturliste, ESFA, FDP/BFF und den Grünen gestellt. Die Stadt ist es auch, die die einzelnen Social Clubs lizenzieren  muss.

Für den CSC Freiburg geht es  dabei um ganz praktische Fragen. Eine Immobilie in Freiburg soll gefunden werden. Und mit einer Gärtnerei, deren Gewächshäuser der Verein nutzen möchte, sei man ebenso im Austausch. „Da geht es um Sicherheitsfragen“, so Kruse. Rund zehn verschiedene Sorten möchte der Verein anbauen.  Und das so ökologisch wie möglich, ohne Verwendung von Erde, mit neuester Anbautechnik. Aktuell zahlen die Mitglieder einmalig 100 Euro. Später soll der Mitgliedsbeitrag über den Blütenpreis ermittelt werden. „Je nachdem, wieviel man konsumiert, zahlt man auch“, so Kruse. Der Grundgedanke aber sei: „Wir wollen zeigen, dass Cannabis nicht nur ein Suchtmittel ist.“  Der Verein soll zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe erhalten. Denn wer aus medizinischen Gründen Cannabis konsumiert, dem dürfe der Verein kein Gras verkaufen.  „Erst kürzlich kam eine 90-jährige Frau auf uns zu,   die sich zur Schmerzlinderung Gras auf dem Schwarzmarkt beschafft hat.“ Solche Menschen wolle man mit fachkundigen Ärzten in Kontakt bringen. Der Verein sieht sich als Vorreiter und Leuchtturmprojekt – und möchte durch seine Konzepte dabei helfen, dass sich „von vorne herein kein neuer Schwarzmarkt etabliert“, sagt Kruse.