Vision von der Stadt am Fluss

Lokales

Der Autotunnel soll es möglich machen: Rathaus stellt erste Pläne für den Stadtumbau vor

 

Viele Freiburger wünschen sich, dass die Dreisam in der Stadt sichtbarer wird. Der geplante Stadttunnel offenbart diesbezüglich große Chancen. Nun liegt erstmals ein Entwurf vor, was im Idealfall möglich sein könnte.

Das Projekt Stadttunnel geistert schon sehr lange durch Freiburg. Es ist ein 1,8 Kilometer langes Megaprojekt, das die Breisgaumetropole mehr verändern wird als der neue Stadtteil Dietenbach. Dies betont auch Baubürgermeister Martin Haag, der den Autotunnel als das „wichtigste Stadtentwicklungsprojekt“ bezeichnet. „Die B31 ist eine Wunde in der Stadt und diese Wunde wollen wir schließen“, erklärt Haag gegenüber dem Freiburger Wochenbericht.

Fest steht, dass das übergeordnete Ziel aller Planungen die „Stadt am Fluss“ ist. Attraktive öffentliche Flächen sollen entstehen – im Idealfall sogar ein Dreisam-Boulevard. Zudem sollen Wiehre und Innenstadt, die derzeit durch die überlastete B31 getrennt sind, mehr zusammenwachsen. Wenn es nach den Skizzen der Planer geht, bekäme Freiburg sogar einen kleinen Stadtpark entlang der Dreisam. Im Fokus steht dabei der Bereich zwischen Kronen- und Greiffeneggbrücke.
Klar ist allerdings, dass sich das Mammutprojekt Stadttunnel immer mehr nach hinten verschiebt. Die wichtige Vorentwurfsplanung wollte die federführende Autobahn GmbH eigentlich schon 2020 vorlegen, jetzt wird es wohl, laut einem Informationsschreiben der Stadtverwaltung, eher 2026. Dass die ursprünglich für den Tunnel veranschlagten 325 Millionen Euro längst nicht mehr zu halten sind, ist indes klar. Und wann der Tunnel Realität werden könnte – 2040 oder später – steht in den Sternen.

Ebenfalls viel später wird nun die Öffentlichkeit über das „integrierte Gesamtkonzept Dreisamraum nach Bau des Stadttunnels“ seitens der dafür zuständigen Verwaltung informiert. Am heutigen Mittwoch werden erste Ergebnisse Medien und einem Gemeinderat-Ausschuss vorgestellt. Federführend bei dieser ersten, noch skizzenartigen Zukunftsvision sind die Landschaftsarchitekten Lanz + Partner aus Kranzberg bei München und das Frankfurter Büro Schneider + Schumacher. Aspekte, die dabei berücksichtigt werden sind unter anderem die Verbesserung der Bedingungen für das Stadtklima und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität für die Menschen.

Dabei gibt es verschiedene Varianten: Die eine mit dem Hauptverkehr auf der Südseite, wodurch die der Innenstadt zugeneigte Seite eine reine Fußgängerzone werden würde. Einer zweiten Gestaltungsvariante liegt ein Verkehrsszenario zugrunde, bei dem der Verkehr gleichmäßig auf beide Seiten der Dreisam im Einbahnsystem verteilt wird. Die gezeigten Vorschläge sollen vorerst nur Optionen aufzeigen, die  sich an der Oberfläche nach dem Bau des Tunnels eröffnen. Die konkrete Gestaltung soll später über Wettbewerbsverfahren gefunden werden.

Natürlich gibt es auch Zweifler, ob ein Stadttunnel heute überhaupt noch der richtige Weg ist. Etwa der langjährige Freiburger Stadtplaner Wulf Daseking: „Wir würden dadurch immer mehr Verkehr in die Stadt ziehen, dabei geht es weltweit darum, wie  sich innerstädtische Verkehrsströme reduzieren lassen. Passt das wirklich zu Green City?“ Eine Frage sei dabei auch, wie groß der Restverkehr an der Oberfläche tatsächlich sein würde. Für den Fall, dass der Rückbau der Dreisamuferstraßen möglich wäre, stellt sich Daseking auch die Frage  nach der Finanzierbarkeit.  „Jedenfalls kommt das Geld nicht aus dem Tunnelprojekt … und die Stadt ist blank“, so der Ex-Chefstadtplaner.