Jagos dramatische Rettung

Lokales

Im Zähringer Wald tappt ein Rauhhaardackel in eine lebensbedrohliche Falle – Es entwickelt sich eine unglaubliche Rettungsaktion

Es ist die schier unglaubliche Geschichte eines Überlebenskampfes, der sich Ende September in einem Waldstück bei Zähringen abgespielt hat. Im Mittelpunkt steht der kleine Jagdhund „Jago vom Kanonenturm“, ein Rauhhaardackel. Der fünfeinhalb Jahre alte Rüde prescht an diesem Tag urplötzlich, seinen Instinkt folgend in eine alte, enge, einseitig verschlossene Betonröhre. Dort drin saß, wie sich später herausstellte, ein Dachs. Der ausgebildete Jagdhund hatte Witterung aufgenommen und befindet sich auf einmal am Ende der Röhre in einem Kampf auf Leben und Tod. Der wehrhafte Dachs liefert sich mit dem Rüden über drei Stunden lang ein heftiges Gefecht.  Jagos verzweifeltes Herrchen Helge von Gilsa, ein erfahrener Jäger aus Herdern, konnte nur die heftigen Kampfgeräusche verfolgen und hoffen, dass der Dackel irgendwann wieder aus der Betonröhre kommt. Doch plötzlich ist Stille. Totenstille! Keinerlei Lebenszeichen mehr.

Helge von Gilsa ruft die Feuerwehr an, doch die kann nichts machen. In die enge Betonröhre komme sie nicht herein, wird ihm mitgeteilt. „Ich dachte, jetzt ist es vorbei“, erinnert sich der Hundehalter. In seiner Not ruft er das ihm befreundete Ehepaar Ernst und Constanze Ganter an. Diese kontaktieren wiederum das Rohrreinigungsunternehmen eines Bekannten (Fritz und Dennis Löffler). Mithilfe des Spezialgeräts mit Kamera kann Jago geortet werden. 19 Meter vom Eingang entfernt. Zu erkennen ist, dass Jago noch leichte Vitalzeichen von sich gibt. Es ist klar: Jago muss gerettet werden.

Der Rohrreiniger ruft   einen befreundeten Unternehmer, Bernhard Sänger von der Bauunternehmung Sänger GmbH an, der zufällig am Sonntagnachmittag in seinem Büro sitzt. Mit schwerem Gerät transportiert dieser einen Kleinbagger nach Zähringen und fängt an, sich zielgenau voran zu graben. Als zwischenzeitlich auch noch der Sprit ausgeht, hilft ein Landwirt in der Nachbarschaft.
Nach über sieben Stunden wird der Dackel mittels einer Spirale und mithilfe einer Kamera rausgezogen. Jago ist schwer verletzt und stark abgekühlt. Allen ist klar, jetzt muss schnell tiermedizinische Versorgung her. Der andere Beteiligte hat den Kampf besser weggesteckt: Der Dachs flüchtet in den Wald.

Sofort geht es in die Notaufnahme der Kleintierklinik Frank. Diagnose: sehr starke Unterkühlung, vollständiges Nierenversagen, Bissverletzungen an Kopf und Hals.  Es folgt eine Behandlung mit Infusionen, Katheter, Antibiotika, Schmerzmitteln und Wärme. Das Klinikteam verrichtet Schwerstarbeit – mit Erfolg! 48 Stunden später gibt es Entwarnung.  Jago kann es schaffen! Nach acht Tagen erfolgt die Entlassung aus der Intensivstation, die Nieren müssen sich weiter erholen. Nach elf Tagen sind die Nierenwerte wieder im Normbereich, nur die Unterlippe muss noch ganz anwachsen. „Ich bin so unendlich dankbar. Dank all dieser Beteiligten gab es für meinen Jago ein Happyend“, erklärt Helge von Gilsa. Sven Meyer