Die Spargelsaison hat begonnen, auch wenn die Erntemenge derzeit aufgrund der kühlen Temperaturen noch gering ist. Den Spargelproduzenten machen jedoch die Unsicherheit bei den Energiekosten und der Mitarbeitermangel zunehmend zu schaffen.
Auf dem Münstermarkt scharen sich die Kaufwilligen am Stand von David Sexauer, um passend zum Frühlingsanfang den ersten Spargel der Saison 2026 zu erstehen. Für den Landwirt aus dem sonnenverwöhnten Ihringen am Kaiserstuhl war der Saisonstart durch warme Tage im März so früh wie noch nie. „Normalerweise starten wir um den 25. März, aber dieses Jahr konnten wir noch einmal eine Woche früher ernten.“ Allerdings sind die Mengen noch klein und der Kälteeinbruch in der vergangenen Woche hat auch in Ihringen für eine Vollbremsung bei der Spargelernte gesorgt.
Gestiegene Kosten für die Landwirte
Bis zu 25 Euro zahlte man vergangene Woche auf dem Münstermarkt für ein Kilogramm frühen Spargel. Wenn die Spargelsaison voranschreitet, werden die Preise sinken. Doch Dumpingpreise im Mai, wenn die Spargelernte auf Hochtouren läuft, werde es nicht geben, sagt Sexauer. Gestiegene Kosten für Energie und Löhne für die Mitarbeiter würden das nicht erlauben.
Bei Arno Fünfgelt aus Freiburg-Opfingen startet die Spargelernte erst am 7. April. Er benutzt für seine Spargelanlagen einfache Folien statt Doppelfolien und ist dadurch etwas später dran. Verkauft wird der Spargel bei Fünfgelt ausschließlich direkt auf seinem Hof sowie an einige Gastronomiebetriebe, die er beliefert. Für Fünfgelt hat die Direktvermarktung Vorteile: Er ist nicht an die Preisvorgaben von Großeinkäufern gebunden. Steigende Erzeugungskosten machten auch ihm zu schaffen, aber seine Hofkunden zeigten Verständnis dafür, dass die Preise nicht wie im Supermarkt sein könnten.
Martin Linser, stellvertretender Vorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, beobachtet einen Rückgang der heimischen Spargelbetriebe. Höhere Herstellungskosten ließen sich nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben. „Beim Spargelpreis bewegen wir uns bereits auf einem hohen Niveau“, sagt Martin Linser. Würden die Landwirte die Preise weiter erhöhen, überlegten sich die Kunden, ob sie wirklich Spargel essen wollten. Oder Käufer greifen zur günstigeren Importware.
Den Betrieben falle es trotz steigender Löhne zunehmend schwer, ausreichend Personal für die Spargelernte zu finden, sagt Linser weiter.
Jüngere essen seltener Spargel
Als Konsequenz würden etliche Landwirte den Spargelanbau ganz aufgeben, weil er sich nicht mehr für sie rechne. Eine Spargelanlage werde auf acht bis zehn Jahre geplant, erklärt Martin Linser. Wenn die Landwirte aber nicht wüssten, ob sie über diesen Zeitraum überhaupt die Mitarbeiter finden und deren Löhne zahlen könnten, ließen sie es lieber bleiben. Auch in Freiburg-Opfingen haben zwei Nachbarn von Fünfgelt mittlerweile den Spargelanbau aufgegeben.
2025 wurden in Deutschland rund 103.900 Tonnen Spargel geerntet, weiß das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft zu berichten. Pro Kopf verspeiste jeder in Deutschland 1,2 Kilogramm des edlen Gemüses. Dennoch scheint Spargel bei der jüngeren Generation an Beliebtheit einzubüßen. Bei einer repräsentativen Umfrage von YouGov im vergangenen Jahr gaben 22 Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren an, überhaupt keinen weißen Spargel zu essen. Bei Menschen zwischen 45 und 54 Jahren lag dieser Wert deutlich geringer bei 12 Prozent und bei den über 55-Jährigen waren es nur 11 Prozent, die angaben, überhaupt keinen Spargel zu essen.
Auch bei den jüngeren Konsumenten kann hingegen der grüne Spargel punkten. Seit rund zehn Jahren nehme die Nachfrage nach grünem Spargel zu, sagt Sexauer. Für den Landwirt aus Ihringen gilt: „Die Vielfalt macht es beim Spargel.“ Sein Favorit ist Spargeltoast mit Käse und Schinken. Arno Fünfgelt isst weißen Spargel gerne klassisch: mit gebräunter Butter und Schinken, dazu Kartoffeln oder Kratzete. Grünen Spargel isst er bevorzugt angebraten.


Gestiegene Produktionskosten schlagen sich auch auf die Spargelpreise nieder. Foto: Adobe.stock.com