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Nach 16 Jahren verlässt Friederike Schulte das Carl-Schurz-Haus

Friederike Schulte verlässt das Carl-Schurz-Haus. Foto: Carl-Schurz-Haus

Von Barack Obama bis Donald Trump: Während ihrer 16 Jahre am Carl-Schurz-Haus erlebte Friederike Schulte tiefgreifende Veränderungen im transatlantischen Verhältnis. Zum Abschied blickt sie auf bewegte Jahre, besondere Begegnungen und neue Herausforderungen für demokratischen Dialog.

Nach 16 Jahren verlassen Sie das Carl-Schurz-Haus. Wie fühlt sich dieser Schritt an?

Friederike Schulte: Ich war eigentlich immer in Bewegung. Ich bin vor knapp 16 Jahren auf den fahrenden Zug aufgesprungen – und jetzt springe ich auch wieder von einem fahrenden Zug ab. Ich hoffe, dass ich später einmal Zeit habe, alles Revue passieren zu lassen. Im Moment überwiegt vor allem die Dankbarkeit, ich freue mich aber auch darauf, etwas Neues auszuprobieren.

Wenn Sie auf diese Jahre zurückblicken: Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Schulte: Diese Jahre lassen sich eigentlich gar nicht zusammenfassen. Ich habe während der zweiten Amtszeit von Barack Obama angefangen, dann kamen zweimal Donald Trump und einmal Joe Biden. Insgesamt ist vieles unberechenbarer geworden. Dadurch hat unsere Arbeit auch an Relevanz gewonnen. Der Kontakt zwischen Menschen, der Dialog, offene Gespräche – all das ist dringlicher denn je.

Hat die politische Entwicklung das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA und damit auch Ihre Arbeit beeinflusst?

Schulte: Der Fokus hat sich verändert. Das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA ist so komplex geworden, dass viele Menschen sagen: „Die können doch nicht einfach abstrakte Malerei zeigen und Romane besprechen, wenn die Politik so turbulent ist.“ Deshalb standen politische Debatten zunehmend im Zentrum unseres Programms. Dafür gibt es in der lokalen Bevölkerung einen großen Bedarf. Gerade weil demokratische Grundgedanken heute wieder infrage gestellt werden, müssen wir neu darüber sprechen. Der binationale Blick hilft dabei oft auch, Rückschlüsse auf die eigene Kultur zu ziehen.

Gab es dabei auch einen stabilen Kern, auf den Sie sich verlassen konnten?

Schulte: Ja, absolut. Das Institut konnte sich immer auf seine Satzung und auf die Gründungsidee der Amerika-Häuser berufen. Diese entstanden ja im Kontext der Demokratisierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir sind der Pflege des transatlantischen Verhältnisses verpflichtet – darauf kann man immer wieder aufbauen.

Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Schulte: Über die Jahre konnten wir viele tolle Persönlichkeiten nach Freiburg holen, auch eigene Idole. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von David Sedaris. Damit hat sich für mich ein Traum erfüllt. Sehr beeindruckend war auch die Gespräche mit der Holocaust-Überlebenden Ruth Klüger, die mehrere Tage hier war. Aber es gab auch Pleiten, Pech und Pannen. Wenn man komplexe Veranstaltungen mit Kunstinstallationen plant und plötzlich etwas zusammenbricht, dann stehen am Ende alle mit Tesafilm da, improvisieren gemeinsam und legen Nachtschichten ein. Gerade solche Situationen schweißen ein Team zusammen. Generell ist das Carl-Schurz-Haus einfach ein schöner, idealistischer Ort: Ich bin jeden Tag gern hierher gekommen. Durch die vielen Lehrkräfte, die hiertätig sind, herrscht eine sehr bunte Atmosphäre. Alle sind Native Speaker von verschiedenen Kontinenten, und auf den Fluren ergeben sich ständig spontane Gespräche. Das Haus war immer offen, lebendig und international.

Sie verlassen Freiburg und ziehen auf die Nordseeinsel Pellworm. Wie kam es dazu?

Schulte: Dort liegen die familiären Wurzeln meiner Mutter, und dieser Ort zieht mich schon viele Jahre an. Jetzt gebe ich dem endlich nach und bin ganz offen und gespannt auf den Orts- und Perspektivwechsel. Zunächst werde ich dort ein Ferienhaus verwalten und schauen, was sich daraus entwickelt.

Das Carl-Schurz-Haus steht finanziell unter Druck. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in dieser Situation?

Schulte: Das ist schwierig. Wir suchen weiterhin nach einer passenden Immobilie und kämpfen gleichzeitig mit Budgetkürzungen. Das ist aus meiner Sicht der absolut falsche Moment, um diese komplexe und wichtige Arbeit herunterzukürzen. Gerade Projekte wie unsere Medienkompetenz-Workshops an Schulen sind heute enorm wichtig. Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen nur noch in ihren eigenen Informationsblasen unterwegs sind. Wenn ausgerechnet in solchen Zeiten Gelder für unsere Arbeit infrage gestellt werden, ist das problematisch.

Zum Abschied kuratieren Sie noch die Ausstellung „Inselmenschen – Island People“. Was bedeutet Ihnen dieses Projekt?

Schulte: Das ist für mich ein besonders schöner Abschluss. Die Ausstellung von Ulrich Mack zeigt Bilder von Menschen auf Pellworm und von den Outer Banks in North Carolina und eröffnet damit transatlantische Perspektiven auf das Leben auf Inseln. Dieses Projekt hat für mich eine große persönliche Bedeutung und ist in gewisser Weise auch wegweisend.

Und wie fällt Ihnen der Abschied insgesamt?

Schulte: Es erleichtert mir sehr, dass ich mit Roman Seebeck einen tollen Nachfolger habe. Ich habe das gute Gefühl, das Haus in sehr versierte Hände zu übergeben. Und manchmal ist es auch gut, wenn jemand Neues mit frischem Blick an bestehende Probleme herangeht.