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Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg

Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Baden-WürttembergWer macht das Rennen? Die CDU um Manuel Hagel (links) oder Cem Özdemir mit den Grünen? Foto: Picture Alliance, DPA / Marijan Murat

Es läuft auf ein Fotofinish hinaus bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag, 8. März. Vor allem im Lager der CDU herrscht Nervosität. Rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte entscheiden, wer das Land künftig regiert. Der Freiburger Wochenbericht hat einen Politikexperten zur Ausgangslage befragt.

Die Umfragen kurz vor dem Wahltag deuten auf ein enges Rennen hin: Laut dem ZDF-Politbarometer (Forschungsgruppe Wahlen) hat die über Wochen komfortabel in Führung liegende CDU um Manuel Hagel noch einen zarten Vorsprung und liegt bei 27 Prozent. Die dahinterliegenden Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir kämen derzeit auf 25 Prozent. Dahinter folgen die AfD mit 19 Prozent und die SPD mit 9 Prozent. FDP und Linke kämen jeweils auf 6 Prozent.

Scharfe Attacken

„Noch vor wenigen Wochen hätte man nicht geahnt, dass das Rennen so eng wird. Es ist wie ein Fußballspiel, das erst kurz vor der 90. Minute entschieden wird“, sagt Politikexperte Michael Wehner, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Freiburg. Seit Cem Özdemirs öffentlichkeitswirksamer Hochzeit mitten im Wahlkampf und der Rehaugen-Affäre von Manuel Hagel herrscht Nervosität im Lager der Konservativen. „Die CDU hat bislang keine größere Wahlkampfdynamik entfacht, und Manuel Hagel gerät in Schlagzeilen, die er sich nicht gewünscht hat. Entsprechend zeigt die Umfragekurve der Grünen nach oben, während die der CDU stagniert oder mit leichten Minuswerten zu kämpfen hat“, so Wehners Analyse.

CDU-Mann Hagel reagiert seit dem Wochenende darauf mit scharfen Attacken gegen seinen Kontrahenten von den Grünen. Özdemir verspreche „Dinge, die seine eigene Partei niemals mitgehen wird. Das ist nicht ehrlich“, sagte Hagel der „Welt“. Laut Wehner ein deutlicher Strategiewechsel: „In der CDU hatte man gehofft, den Wahlkampf vor allem über die Abgrenzung von der AfD zu führen – idealerweise, um die AfD schrumpfen zu lassen. Nun merkt man aber, dass auch bürgerliche, der CDU zuneigende Wähler Richtung Grüne tendieren“, so Wehner.

Ob Özdemirs Bekanntheit und Erfahrung gepaart mit der Strategie, CDU-eigene Themen wie innere Sicherheit und Migrationspolitik für sich zu beanspruchen, am Ende den Ausschlag geben, sei Wehner zufolge aber alles andere als ausgemacht. „Die Zuschreibung von Wirtschaftskompetenz geht nach wie vor eher auf das Konto der Union als auf das der Grünen. Zudem sind bis zu 30 Prozent der Wählerinnen und Wähler noch nicht festgelegt, und es gibt Unschärfen in der Umfragequalität.“ Hinzu komme der Iran-Krieg, der sich in „einem stark exportorientierten Wirtschaftsland wie Baden-Württemberg“ ebenfalls auf die Landespolitik auswirken werde.

Am Ende kommt es also auf jede Stimme an. Die Koalitionsfrage hängt vom Abschneiden der kleineren Parteien ab – aktuell sieht es aber so aus, dass FDP und Linke den Sprung ins Parlament schaffen. „Insofern bleibt im Moment die spannende Frage: Wird es eine grün-schwarze Regierung unter Özdemir oder eine schwarz-grüne Regierung unter Hagel?“, so Wehner.