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Kampfsport-Boom: Immer mehr Frauen wagen sich auf die MMA-Matte

Von links: Madita Boddien, Nadja Bach, Redakteurin Enya Steinbrecher, Alexandra Schäfholz und Sophie R. Fotos. Enya Steinbrecher

Lange war die Kampfsportdisziplin Mixed-Martial-Arts – kurz MMA – mit Vorurteilen belastet. Heute erfährt sie einen Beliebtheitsaufschwung – vor allem unter jungen Männern. Doch auch Frauen interessieren sich zunehmend für die Vollkontaktsportart. Ein Selbstversuch.

Ob Selbstverteidigung oder fit werden: Kampfsport hat gleich mehrere Vorteile. Kein Wunder also, dass die Matte am Mittwochabend in der Freiburger Kampfsportschule ExitAsia brechend voll ist. Vorwiegend Männer, aber auch vier Frauen stehen beim MMA-Training auf der Matte.

Nach einem kurzen Aufwärmen geht es direkt los: Schläge, Tritte, Würfe und Hebel – bis auf wenige Ausnahmen ist alles erlaubt. Selbst am Boden liegende Kämpfer dürfen noch angegriffen werden. Im Training kommt es dazu jedoch nicht – hier geht es vor allem um Technik und Ausdauer. Doch wenn die Technik fehlt, hilft letztlich nur rohe Gewalt.

Fallen will gelernt sein

Um schwere Verletzungen möglichst zu vermeiden, werden im Training nicht nur Mundschutz, Schienbeinschoner und Handschuhe getragen – ähnlich wie beim Boxen oder Kickboxen, nur dass die Finger für Würfe und Griffe frei bleiben –, sondern auch das Fallen gelernt. Auch das Training in gemischten Gruppen funktioniert gut. Nils Loton, Standortleiter im Exit Asia, legt Wert darauf, dass sich auch Frauen wohlfühlen: „Bei uns gilt die Regel, wer nicht mit Frauen im Team trainiert, trainiert gar nicht.“ Seit 2014 bietet das Exit Asia in Freiburg MMA an. Schon 2008 gewann eine Sportlerin aus dem Exit Asia die deutsche Meisterschaft der ISKA. „Respektvoller Umgang und Förderung im gleichen Maße sind bei uns selbstverständlich“, so Loton.

Seit zwei Jahren interessieren sich auch immer mehr Frauen für den zuvor von Männern dominierten Sport, so Nils Loton. Kampfsport allgemein ist schon lange kein Männerthema mehr: Gerade im Kickboxen oder auch im Thaiboxen sei der Frauenanteil hoch, so Loton. Damit einher geht auch ein großer Erfolg weiblicher Kämpferinnen bei Wettbewerben. „Im MMA ist das derzeit noch zurückhaltend“, so Loton. Das steigende Interesse an Vollkontaktsportarten bei Frauen habe schon vor Corona begonnen und ziehe sich über mehrere Kampfsportarten.

Vier Frauen stehen am Mittwochabend im Exit Asia auf der Matte – und auch für sie ist der Sport eher neu. Sophie R. kommt ursprünglich aus dem Kickboxen und hat vor einem halben Jahr mit MMA begonnen. „Der Sport ist unglaublich vielseitig und vereint Elemente von allen Kampfsportarten.“ Ihr gefällt, dass nicht nur die körperliche Komponente, sondern auch die geistige im Vordergrund steht. Ihr Umfeld reagiere oft überrascht, wenn sie von dem männerdominierten Sport erzähle, die Reaktionen seien aber durchweg interessiert und positiv. Vorurteile gegenüber dem Sport kämen vor allem von Leuten, die sich nicht damit befassen: „Daher ist es mir wichtig, mich dafür stark zu machen und Vorurteile aus dem Weg zu räumen.“ Sophie R. zieht eine klare Linie zwischen MMA als männerdominiertem Sport und als Männersportart: „MMA ist für jeden geeignet, der Lust drauf hat.“

„Das ist ein Sport, in dem man sehr viel Kopf und einen extremen Fokus braucht – sonst landet man am Boden.“ Madita Boddien, MMA-Sportlerin

Anfangs habe sie im Training Berührungsängste gehabt, diese seien jedoch schnell abgebaut gewesen: „Die Männer bei uns sind sehr lieb und viele sind schon sehr lange dabei – da kann man viel lernen.“
Dass wenige Frauen im Training waren, hatte bei Madita Boddien zunächst dazu geführt, dass sie vom MMA ins Kickboxen gewechselt habe. Seit letztem Sommer kommt sie jedoch wieder regelmäßig. Inspiriert zu der Sportart habe sie „eine krasse Marvel-Phase“: „Ich wollte das auch können“, sagt sie.

An MMA schätzt sie vor allem eines: „Das ist ein Sport, in dem man sehr viel Kopf und einen extremen Fokus braucht – sonst landet man am Boden“, so Madita Boddien. Im Kampf gegen die Männer im Training sieht sie als Vorteil, dass sie nicht automatisch Rücksicht nehme. Stattdessen wolle sie sich beweisen und traue sich auch mehr. Gleichzeitig wolle sie für das Training anderer Männer keine Bremse sein – das komme jedoch auch in anderen Kampfsportarten vor. Unterschiedliche Gewichtsklassen im MMA würden sich dafür schnell bemerkbar machen. Die Männer im Training seien jedoch „total lieb und unterstützend“, sagt sie: „Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich in keinem anderen Sport so eine Gemeinschaft erlebt habe wie im MMA.“

Trotzdem handle es sich bei MMA um keinen ungefährlichen Sport – „Plus die Option, dass man mit dem Gesicht in irgendjemandes verschwitzter Achselhöhle hängt, ist nicht für jeden was.“ Auch sie würde sich wünschen, dass MMA nicht mehr als Männersportart angesehen wird. „Es sollte komplett normal sein, dass Frauen im MMA sind.“