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Im Freiburger Münster ist die spektakuläre Kunstinstallation „Sichtbar – Unsichtbar“ zu sehen

Die Fäden im und über dem Altarraum und dem Mittelschiff des Münsters verändern ihr Erscheinungsbild mit dem Lichteinfall und den Tageszeiten. Foto: Bernd PetersDie Fäden im und über dem Altarraum und dem Mittelschiff des Münsters verändern ihr Erscheinungsbild mit dem Lichteinfall und den Tageszeiten. Foto: Bernd Peters

Sechs Wochen lang hat die bayerische Künstlerin Elke Maier im Freiburger Münster gearbeitet. Dutzende Kilometer Baumwollgarn wurden dabei zu Kunst. Nun ist Maiers Installation „Sichtbar – Unsichtbar“ fertiggestellt. Sie ist eine Premiere für das Münster und wurde am Pfingstmontag bei einer Vernissage im gut gefüllten Kirchenschiff der Öffentlichkeit vorgestellt.

Elke Maier, die in Kärnten lebt, hat eigentlich Malerei studiert. Seit über 20 Jahren jedoch spannt sie kilometerlange Kunstinstallationen aus weißem Baumwollgarn in Kirchen auf, unter anderem in Graz, Wien und Salzburg. In Bamberg wurden für ihre bisher größte Arbeit rund 50 Kilometer Faden verarbeitet. In Freiburg dürften es noch mehr sein, denn hier ist die bislang größte Arbeit der Künstlerin zu sehen. Bis Ende September, dann werden die Fäden entfernt. Ginge es nach ihr, so Maier, könnte ihr Werk auch länger Bestand haben. Es wäre spannend für sie zu sehen, wie das Garn sich mit der Zeit verändert und verfärbt.

Dem Mammutkunstwerk gingen von der Idee bis zur Umsetzung rund sieben Jahre voraus. Damals wurde Katharina Seifert, Kunstreferentin und Kuratorin am Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg, auf Maiers Arbeitsweise aufmerksam. Fünf Jahre später begannen die konkreten Vorbereitungen, und auf der Zielgeraden der Arbeit wurde Maier von ihrem Sohn Aaron eine Woche lang beim Fäden-Aufspannen unterstützt. „Elke Maier lässt uns das Münster neu sehen“, so Seiferts Fazit am Montag. „Sie macht die Räume zwischen der Architektur des Münsters sichtbar.“ Jede Kirche, in der Maier arbeitet, verändert durch deren Installationen ihr Gesicht auf eine andere, einmalige Weise. Um ihre Fäden zu befestigen, greift sie ausschließlich auf vorhandene Bauelemente zurück. Der Denkmalschutz würde etwas anderes auch nicht zulassen, so Seifert. Ortsspezifische Kunst also, die prozessual, zeitlich begrenzt und „immersiv“ ist, indem sie die Kirchenbesucher während der Arbeit am Entstehen des Werks mitten in der Arbeit teilhaben lässt.

Hunderte Arbeitsstunden

Maiers Fäden im und über dem Altarraum und dem Mittelschiff des Münsters verändern ihr Erscheinungsbild mit dem Lichteinfall und den Tageszeiten. „Sichtbar – Unsichtbar“ sieht also keine zwei Mal gleich für die Kirchenbesucher aus. Dieser „Dialog mit dem Licht“ entfalte eine nahezu meditative Wirkung, so Kunsthistorikerin Antje Lechleiter bei der Vernissage im Gespräch mit Elke Maier, die wiederum betonte, dass es ihr vor allem um einen Eindruck der Schwerelosigkeit und eine Art „innere Aufrichtung“ bei ihrer Kunst gegangen sei. Das habe, bei aller körperlichen Anstrengung, die so ein Fadenkunstwerk über Hunderte Arbeitsstunden in einer Kirche dieser Größe verursacht, den Effekt gehabt, dass sie sich immer leichter gefühlt habe, je länger und anstrengender ihr sechswöchiger Schaffensprozess wurde. Und anstrengend muss diese Arbeit tatsächlich gewesen sein: Vom Altarraum aus erstrecken sich Maiers Garne über 120 Meter weit hinein ins Mittelschiff des Münsters. Wie „Sichtbar – Unsichtbar“ genau aussehen würde, sei vorher nicht absehbar gewesen, so die Künstlerin. Alles sei vom Eindruck bestimmt worden, den der Kirchenraum auf sie gehabt habe. „Je länger ich gearbeitet habe, desto mehr hat der Raum mich berührt“, so die Künstlerin.

Die 43.000 Euro Projektkosten konnten mithilfe der Erzbischof-Hermann-Stiftung des Bistums Freiburg gestemmt werden. Für die Stiftung betonte Dompfarrer Alexander Halter am Montagabend, dass die Installation Elke Maiers „eine neue Bedeutungsschicht“ über den Kirchenraum gelegt habe und viele Fragen an die Besucher und Betrachter stelle. Kunst dürfe in solch einer Weise „irritieren und herausfordern“, so Halter. Dass eine Leserbriefschreiberin sich in der Bistumszeitung „Konradsblatt“ über Maiers Werk als „symbolischen Firlefanz, den keiner braucht“ moniert
habe, greife daher viel zu kurz.

Bernd Peters

Die Ausstellung „Sichtbar – Unsichtbar“ im Freiburger Münster ist bis zum 28. September zu sehen. Begleitet wird die Installation von einer Fotoausstellung im Münsterforum in der Herrenstraße 33 in Freiburg.