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Frust über parkende Wohnmobile ist in Freiburg nicht neu, in Brand gesetzte Wohnmobile dagegen schon

Wochenlang am Straßenrand geparkte Wohnmobile sind in Freiburg ein häufiger Anblick und können für auf Parkplätze angewiesene Anwohner ein Ärgernis sein. Foto: Heike SchwendeWochenlang am Straßenrand geparkte Wohnmobile sind in Freiburg ein häufiger Anblick und können für auf Parkplätze angewiesene Anwohner ein Ärgernis sein. Foto: Heike Schwende

Erst zerstachen im Frühjahr Unbekannte die Reifen von geparkten Campern in der Wiehre, nun brannten vergangene Woche zwei Wohnmobile im Rieselfeld – die Polizei vermutet Brandstiftung. Entlädt sich hier möglicherweise die Wut über immer mehr Wohnmobile, die in Freiburg öffentliche Parkplätze beanspruchen?

Vergangene Woche haben gegen 1.45 Uhr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zwei Wohnmobile im Stadtteil Rieselfeld gebrannt. Die Polizei gehe derzeit von vorsätzlicher Brandstiftung aus, sagt Michael Schorr, Pressesprecher der Polizei Freiburg. Die betroffenen Wohnmobile waren in der Cornelia-Schlosser-Allee und in der Maxim-Gorkij-Straße geparkt – im öffentlichen Verkehrsraum. Beide Fahrzeuge brannten aus, laut Polizeimeldung liegt der Schaden bei 140.000 Euro. Durch die beim Brand entstandene Hitze wurden auch weitere benachbart geparkte Autos beschädigt.

Was die bisher unbekannten Täter zur Brandstiftung veranlasst hat, weiß man nicht. „Um das zu erfahren, müssten wir sie erst einmal kriegen“, so Schorr. Doch es ist in Freiburg nicht das erste Mal, dass geparkte Wohnmobile Objekte von Anschlägen werden: Im April hatten Unbekannte im Stadtteil Wiehre an insgesamt acht Fahrzeugen, Camper und Wohnwagen, die Reifen zerstochen. Einer der betroffenen Wohnmobilbesitzer im Rieselfeld gab gegenüber der BZ an, zuletzt vermehrt Botschaften an der Windschutzscheibe und verbale Anfeindungen erhalten zu haben.

Eines der ausgebrannten Wohnmobile im Stadtteil Rieselfeld. Foto: Michael Bamberger
Eines der ausgebrannten Wohnmobile im Stadtteil Rieselfeld. Foto: Michael Bamberger

Parkdruck nimmt zu

In Wohngebieten geparkte Wohnmobile führten schon seit etlichen Jahren zu Beschwerden von Anwohnern, sagt Stefan Schillinger, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion SPD und Junges Freiburg (JF) im Freiburger Gemeinderat. In jüngster Vergangenheit habe das Thema an Dynamik gewonnen. Seit die Stadt das Bewohnerparken ausgeweitet habe, sei der Parkdruck in den Quartieren gestiegen. In Wohngebieten, in denen das Parken nur mit dem Bewohnerparkausweis erlaubt ist, stünden Besitzer von Wohnmobilen vor einem Dilemma: „Das Wohnmobil ist meistens das Zweitfahrzeug“. Mit dem Parkausweis kann aber nur ein Fahrzeug im Wohngebiet geparkt werden. Das Ergebnis ist, dass Wohnmobile in anderen Wohngebieten abgestellt werden, wo bisher kein Bewohnerparken gilt – und das oft über viele Monate. In Folge finden dortige Bewohner schwerer einen Parkplatz für ihre Autos.

Wohnmobile parken meist legal

Im Mai stellte die SPD/JF-Fraktion im Gemeinderat den Antrag, das Parken von Wohnmobilen im öffentlichen Raum zu steuern.
Eine rechtliche Handhabe gibt es für die verärgerten Anwohner oft nicht: „Laut Straßenverkehrsordnung dürfen die meisten Wohnmobile, Caravans oder Gespanne legal am Straßenrand oder auf Parkplätzen in Wohngebieten parken“, so Andreas Müller, der beim ADAC Südbaden die Abteilung Verkehr, Technik und Umwelt leitet. Viele Einschränkungen würden erst bei Fahrzeugen mit einem Gewicht über 7,5 Tonnen greifen. Die wenigsten Eigentümer machten sich vor dem Kauf Gedanken über einen Abstellplatz. Auch wenn das Parken von Wohnmobilen im öffentlichen Raum rechtlich nicht zu beanstanden sei, könnten durch beeinträchtigte Sicht gefährliche Verkehrssituationen entstehen.

Wie Rathaussprecherin Tabea Krauß mitteilt, waren Ende vergangenen Jahres von 95.432 im Stadtgebiet zugelassenen Personenkraftwagen 5.229 Wohnmobile – rund 5,5 Prozent. Das dürfte Freiburg einen der bundesweiten Spitzenplätze bei der Wohnmobildichte sichern.

Der Antrag der SPD/JF-Fraktion wurde einstimmig angenommen. Nun soll die Verwaltung bis zur Beratung im Herbst dem Problem auf den Grund gehen und feststellen, welche Quartiere in Freiburg besonders belastet sind, sowie welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, um beispielsweise Parkbeschränkungen für Wohnmobile anzuordnen. Als Stadtrat und Vorsitzender des Bürgervereins Freiburg-Mooswald ist Stefan Schillinger mit dem Ärger von Anwohnern über dauerparkende Wohnmobile in Wohngebieten vertraut. Aber Zerstörung und Brandstiftung wie jetzt im Rieselfeld könnten niemals der Weg sein, damit umzugehen, sagt Schillinger.