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Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn: „Wenn wir zu viel schwarz malen, wird es wirklich dunkel“

Oberbürgermeister Martin Horn Wiederwahl Wahl OB-Wahl29.07.2026, FWB – SEITE2: OB Martin Horn, einer von vielen treuen Leserinnen und Lesern des Wochenberichts. Im Januar 2018 war er erstmals bei uns auf dem Titel. foto: bamberger

Oberbürgermeister Martin Horn spricht im Interview mit Redaktionsleiter Matthias Joers über das Aus des Wochenberichts, die Bedeutung von unabhängigem Lokaljournalismus und den Kampf um Fördergelder für die Eishalle.

Herr Horn, wie war Ihre Reaktion, als Sie erfahren haben, dass unsere Zeitung eingestellt wird?

Horn: Das Ende des Freiburger Wochenberichts ist ein echter Verlust für Freiburg. Gerade die Mischung aus Tagespolitik, lokalen Nachrichten, Wirtschaft, aber auch Themen aus Sport, Kultur und einer Prise Glamour war eine gute Kombination. Ich habe den Wochenbericht auch deshalb geschätzt, weil er konstruktiv und kritisch, aber nie destruktiv oder reißerisch berichtet hat. Das war ein Qualitätsmerkmal. Ich bedaure dieses Ende nach einem Dreivierteljahrhundert sehr und sage: Danke. Allen Mitarbeitenden aus dem Wochenbericht-Team, die sich neuen Aufgaben widmen, wünsche ich alles Gute.

Damals ein politischer Nobody: Freiburgs OB Martin Horn auf der Wochenbericht-Titelseite vom 10. Januar 2018.

Als Sie 2018 nach Freiburg kamen, waren Sie für viele in Freiburg ein unbeschriebenes Blatt. Wir haben Sie damals direkt auf die Titelseite genommen, mit dem bekannten Foto Ihrer blauen Visitenkarte. Wie denken Sie an diese Anfangszeit zurück?

Horn: Ich erinnere mich sehr gut an meine allerersten Tage: die Pressekonferenz einen Tag vor dem Neujahrsempfang, meinen überraschenden Einstieg als Kandidat und die folgenden intensiven Wochen als Wahlkämpfer um dieses bedeutsame Amt. Ich erinnere mich auch an das Foto und an meine ersten Pressebilder, weil das für mich etwas Besonderes war. Ich war zuvor nie Politiker. Das war ein großer Sprung, ein Wagnis. Deshalb sind diese Phase und die Bilder bis heute sehr präsent.

Welche Rolle spielt die Öffentlichkeit für Sie in Ihrem Amt – für Sie persönlich?

Horn: Wir brauchen gute Politik, aber wir brauchen auch gute Kommunikation. Schlechte Kommunikation macht am Ende auch gute Politik schlecht. Wenn Politik nicht gut erklärt wird, wenn Menschen nicht mitgenommen werden, dann werden Entscheidungen nicht mitgetragen. Mir geht es nicht darum, etwas schönzureden. Es geht um Authentizität und Transparenz, auch bei schwierigen Entscheidungen. Davon werden wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten noch einige erleben. Gerade dann müssen wir mit den Menschen reden und Politik verständlich machen. Deswegen ist Kommunikation auf allen Ebenen, vom klassischen Print über Radio und Fernsehen bis hin zu Social Media, von großer Bedeutung. Und wir müssen ehrlich miteinander sein. Ein Grund für den Aufstieg des Populismus ist, dass es die Politik über Jahre hinweg versäumt hat, eine realitätsnahe Erwartungshaltung zu geben. Zu lange hat Politik Dinge versprochen, die nicht umsetzbar und auch nicht bezahlbar sind. Das schadet uns allen am Ende.

Uns wurde zugetragen, dass Sie bei sich im Büro eine Titelseite des Wochenberichts aufbewahren – die Ausgabe zum Dietenbach-
Spatenstich, als der Bundeskanzler in Freiburg war, mit der Überschrift „Nicht meckern, machen“. Warum ist Ihnen gerade diese
Titelseite so wichtig?

Horn: Weil ich mich darüber gefreut habe, dass ein Medium meine Kernaussage und meine persönliche Motivation derart wortgetreu übernimmt. Es war ein besonderer Tag mit dem Bundeskanzler beim Spatenstich. Gleichzeitig steht dieses „weniger meckern, mehr machen“ für etwas, an das ich bis heute glaube. Gerade in der jetzigen Zeit: Wenn wir zu sehr ins Jammern und Meckern verfallen, birgt das auch eine Gefahr für die Demokratie. Wenn wir zu viel schwarz malen, wird es irgendwann wirklich dunkel.

Ihr Amt bringt es mit sich, dass Sie immer wieder zum Ziel öffentlicher Kritik werden, auch in unserer Zeitung. Sie treten für unabhängigen Lokaljournalismus ein, das haben Sie oft betont. Warum ist Ihnen das, gerade auf lokaler Ebene, so wichtig?

Horn: Die zentrale Aufgabe einer unabhängigen Presse ist es, politische Prozesse und Entscheidungen zu hinterfragen. Kritische Redaktionen sind ein Grundpfeiler der Demokratie. Und natürlich müssen auch meine Entscheidungen und die des Freiburger Gemeinderats öffentlich kritisiert und eingeordnet werden. Lokaljournalismus muss den Finger in die Wunde legen und Artikel schreiben, die uns nicht gefallen und Beschlüsse oder Aussagen genau beleuchten. Freier, kritischer Journalismus muss auf allen
Ebenen nicht nur geduldet, sondern verteidigt werden.

Nach der Sommerpause geht es für Sie in die politische Detailarbeit. Welche Projekte haben für Sie Priorität?

Horn: Über allen neuen Projekten steht aktuell die finanzielle Herausforderung für Kommunen in Deutschland. Derzeit haben 95 Prozent aller Städte einen defizitären Haushalt, und auch bei uns wird die finanzielle Lage zunehmend schwieriger. Gleichzeitig wollen wir die Stadt gestalten und dafür müssen wir nach Lösungen suchen. Ich freue mich über eine Reihe von Eröffnungen jetzt im Sommer: von der Außengastronomie im Westbad über das Azubi-Wohnen bis hin zu weiteren Wohnprojekten. Was mich persönlich besonders antreibt, ist der Bereich soziale Gerechtigkeit und faire Bildungschancen für Kinder und Jugendliche. Das muss auch in einer angespannten Haushaltslage – neben dem großen Bereich Umweltschutz – unser Kernanliegen bleiben: dass wir trotz herausfordernder Kassenlage in diese Zukunftsfelder investieren.

Wie geht es bei der Sanierung der Eishalle weiter? Bemüht sich die Stadt weiterhin um Zuschüsse?

Horn: Wir sind in der ersten Förderrunde leider nicht zum Zug gekommen. Gleichzeitig werden wir uns weiterhin um Fördergelder aus Berlin aus der Sportmilliarde für die Eishalle bewerben und die Planungen vorantreiben. Das Projekt ist finanziell enorm herausfordernd. Wir setzen uns mit politischem Nachdruck in Berlin und Stuttgart für Fördergelder ein – in der Hoffnung, den eingeschlagenen Kurs fortsetzen zu können.

Anfang August reisen Sie mit einer Delegation in die ukrainische Partnerstadt Lviv. Was genau ist geplant, und welche Bedeutung hat dieser Termin für Sie?

Horn: Wir werden für vier Tage in die Ukraine reisen. Solche Besuche sind immer mit sehr intensiven Erlebnissen verbunden. In unserer Partnerstadt Lemberg gibt es über 100.000 Studierende – ein weltoffenes, lebendiges Umfeld und eine beeindruckende Stadt, in der die Menschen versuchen, ihren Alltag nach vorne zu entwickeln. Gleichzeitig gibt es dort täglich Beerdigungen von gefallenen Soldaten. Fast 60.000 Menschen aus unserer Partnerstadt sind aktuell an der Front. Dementsprechend ist das Bild ambivalent: Auf der einen Seite Alltag, auch fröhlicher Alltag, auf der anderen Seite Krieg, Trauer und Zerstörung.

Was ist der Anlass für diese Reise?

Horn: Wir werden vor Ort einen Teilabschnitt des „Maisternia“-Trauma-Hilfezentrums einweihen, für das wir zuletzt eine Million Euro an Spenden von Freiburgerinnen und Freiburgern erhalten haben. Wir sehen, dass dieses Geld zielgerichtet ankommt und vor Ort etwas bewegt. Dort erfahren Kinder, Frauen und Männer Hilfe – nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch. Angesichts der vielen Kriegsverletzungen, die Körper, Geist und Psyche treffen, ist dieses Angebot leider wirklich wichtig. Eine Reise in ein Land im Kriegszustand ist immer mit Anspannung verbunden. Aber ich habe es mehrfach gesagt
und wiederhole es gern: Echte Freundschaft zeigt sich gerade in schwierigen Zeiten.