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Ein Freiburger Start-Up bietet Roboter als Hilfskellner für Restaurants an

Serviceroboter in der GastronomieServiceroboter können in der Gastronomie schon heute zum Einsatz kommen. Foto: Servicebot Solutions / Orionstar

Roboter können schon heute in Krankenhäusern, Restaurants und Lagerhallen einfache Tätigkeiten, wie zum Beispiel Lieferungen, übernehmen – das Know-How dafür ist dank einer jungen Freiburger Firma nun auch in der Region vorhanden. Über eine Zukunft, die andernorts schon Realität ist.

In einer kleinen, unscheinbaren Gewerbeeinheit vor den Toren Freiburgs arbeitet ein junges Start-up an einer Lösung für den Fachkräftemangel. Die Firma Servicebot.Solutions mit Sitz in Freiburg-Munzingen bietet dort sogenannte Serviceroboter an. Axel Bermeitinger, Chief Sales Officer und sein Kollege Stefan Marcial führen eines der Geräte des Herstellers Orionstar vor: eine Art High-Tech-Servierwagen auf Rädern. Bermeitinger tippt auf das Display auf die Taste für „Tisch 3“ und der Roboter fährt los. Leise surrend und ziemlich flott erreicht er sein Ziel. Auf dem Display taucht ein Hinweis auf: „Die Ware für Tisch 3 ist in Fach eins – Ware entnehmen“.

Fachkräfte entlasten, nicht ersetzen

Das wäre der Moment, an dem in einem Restaurant die Bedienung die Teller von dem Gerät nehmen und den Kunden servieren würde. Oder die schmutzigen Teller wegfahren lassen könnte. „Der Robotor nimmt eintönige Arbeiten ab“, erklärt Marcial. Ein Blick nach Leipzig in den historischen Auerbachs Keller – ein Restaurant mit 650 Plätzen – zeigt, dass solche Geräte keine Science-Fiction sind, sondern längst praxistauglich.

Stefan Marcial (li.) und Axel Bermeitinger mit einem ihrer „Hilfskellner“. Foto: Joers

Drei autonom fahrende Abräumroboter kommen in dem historischen Gewölbekeller seit rund einem Jahr zum Einsatz. Marcial machte sich bei einem Besuch in Leipzig selbst einen Eindruck davon. Er ist begeistert. „Ich habe es für positiv befunden, dass die Bedienung dank der Roboter die Zeit hatte, mir das Menü zu erklären und auch zwischendurch vorbeikam – obwohl das Restaurant proppenvoll war.“ Bermeitinger nennt das Gerät deshalb einen „Hilfskellner“ – und kommt zum Kern des Themas.

„Der Roboter nimmt niemandem den Job weg, er verbessert die Qualität“, sagt er. Die Annahme, Roboter würden Arbeitnehmern die Stelle wegnehmen, sei unbegründet. Aber stimmt das? Robotik-Professor Edoardo Milana vom Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) von der Technischen Fakultät der Universität Freiburg sagt dazu: „In der Robotik werden oft die 3Ds genannt: Gefährliche (Dangerous), langweilige (Dull) und schmutzige (Dirty) Jobs, die von autonomen Maschinen übernommen werden“, so Milana.

Nun aber zeige sich, dass Serviceroboter zunehmend Aufgaben übernehmen können, die bisher bisher qualifizierten Arbeitnehmern vorbehalten gewesen seien. „Obwohl dies anfangs beunruhigend und sozial ungerecht erscheinen mag, bietet es eine positive Lösung für die aktuellen makroökonomischen Herausforderungen“, sagt der Forscher. „Roboter ersetzen keine Arbeitnehmer, sondern füllen Arbeitsplätze aus, die sonst unbesetzt blieben, so dass ein Schrumpfen der Wirtschaft und Störungen in der Gesellschaft verhindert werden können.“

Es gebe immer mehr Firmen, die solche Serviceroboter auf den Markt bringen, um „den Arbeitskräftemangel in Sektoren wie Transportwesen, Logistik, Lebensmittelindustrie und Sozialwesen anzugehen“. Milana verweist auf das 675 Milliarden Dollar schwere US-Start-Up-Unternehmen namens Figure, an dem Firmen wie Nvidia, Microsoft und Open AI beteiligt sind, und das humanoide Allzweckroboter entwickelt. „Der Robotermarkt wächst schnell und hoffentlich schnell genug, um mit den gesellschaftlichen Herausforderungen Schritt zu halten“, so Milana.

Einsatz der Serviceroboter im Klinik- und Pflegebereich ist ebenso denkbar, wie auch das nächtliche Reinigen von Turn- oder Lagerhallen, sagt das Freiburger Start-Up Servicebot.Solutions. Foto: Orionstar

Als „Problemlöser“, so Bermeitinger, wolle auch die Firma Servicebot.Solutions von diesem Markt profitieren. „In Freiburg gibt es bisher sowas nicht, in der ganzen Region gibt es das nicht. Da sind wir Vorreiter“, sagt Bermeitinger, der davor im Bereich Automatisierung/Engineering tätig war. Das Einsatzgebiet der Roboter sei riesig: Sie könnten nachts Turnhallen reinigen, sie können in Lagerhallen Logistikaufgaben übernehmen oder in Kliniken Medikamente verteilen: „Mit der Uniklinik Freiburg sind wir bereits in Gesprächen“. Die Kosten, so Bermeitinger, seien dabei überschaubar – 15 Euro am Tag würde ein Leasinggerät kosten. Aber die größte Hürde sei die unbegründete Angst vor dem Roboter als Jobkonkurrent. Das Gegenteil sei der Fall. „Wenn das in die Köpfe der Menschen kommt, ist viel erreicht“, so Bermeitinger.