Während der aktuellen Hitzewelle haben die Fische in der Dreisam kaum eine Chance zu überleben. An manchen Stellen hat das
Wasser rund 30 Grad – tödlich für Bachforelle oder Äsche. Deshalb wurden Kältepools geschaffen. Das Problem: Viele Freiburger
baden dort. Kommt deshalb bald ein Betretungsverbot?
„Im Hitzesommer 2018 haben wir ein katastrophales Fischsterben in der Dreisam festgestellt, die Tiere sind in Massen verendet“, so Claudio Schill vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg. Deshalb wurden im Jahr 2022 auf Höhe der Brauerei Ganter auf einem rund 400 Meter langen Teil der Dreisam zwischen Leo-Wohleb-Brücke und der Brücke Fabrikstraße in der Oberau mehrere Kaltwasserpools für Fische gebaut – „bei der aktuellen Hitze ist das ihre einzige Chance zu überleben“. Denn hier ist es mit unter 20 Grad angenehm kühl, während sich das Wasser an anderen Stellen auf rund 30 Grad aufgeheizt hat. „Am Sonntagmorgen hatte es bei den Kältepools 17 Grad, das ist hervorragend.“ Die Pools sind bis zu zwei Meter tief, dadurch mischt sich kaltes Grundwasser mit reichlich Sauerstoff ins warme Wasser.
Wurzelstöcke, massive Baumstämme sowie ein Strömungstrichter aus großen Granitsteinen wurden für die Pools in die Dreisam eingebracht und mit Stahlankern und großen Holzpfählen in der Gewässersohle befestigt. Doch die Baumstämme nutzen viele derzeit als Sitzgelegenheit und die Kältepools zum Baden – das vertreibt die Fische.
Die Kältepools für die Fische als Abkühlung nutzen, „das machen leider viel zu viele. Es reicht schon, die Füße ins Wasser zu hängen, das ist purer Stress für die Fische und sie flüchten. Wenn man die Fische aus dem Kältepool verscheucht, schwimmen sie in den sicheren Tod. Eine Forelle oder Äsche kann bei rund 30 Grad Wassertemperatur nicht überleben, schon ab 25 Grad wird es
kritisch“, betont Timo Heimann, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Dreisam.
„Es ist vor allem für die Fischbrut eine Katastrophe. Wenn man da durchläuft, ist das für die flüchtenden Fische, als ob sie einen Marathon laufen; vor Stress gehen sie ein“, so Claudio Schill. „Hier baden teilweise 30 bis 40 Leute und haben sogar Hunde dabei. Vielen ist das leider völlig egal, wenn man sie darauf anspricht, wird man beleidigt“.
Deshalb wünscht man sich ein Betretungs- und Badeverbot zu bestimmten Zeiten. „Das wäre das Einzige, das hilft. Aber nur für den Bereich, in dem sich die Kältepools befinden, damit sich die Fische hier bei der Hitze in Ruhe zurückziehen können“, betont Timo Heimann. Das sieht auch Claudio Schill so: „Es geht nur um einen Bereich von rund 250 Metern bei wenig Wasser und hohen Temperaturen“.

Aktuell gebe es Gespräche mit der Stadt, die ein solches Verbot erlassen könnte. „Uns ist das Problem bekannt und wir arbeiten mit dem Regierungspräsidium aktuell daran. Das RP hat bereits entlang der eingerichteten Kältepools Hinweisschilder aufgestellt“, sagt Kolja Mälicke auf Anfrage des Wochenberichts. Auch Verordnungen für temporäre Badeverbote in Teilbereichen seien denkbar, „ein Großteil der Dreisam würde aber weiterhin frei zugänglich sein. Uns geht es dabei hauptsächlich um die eingerichteten Kältepools“.
Das Pilotprojekt von Regierungspräsidium, Landesfischereiverband Baden-Württemberg, IG Dreisam und Angelsportverein Freiburg ist ein Erfolg. Bereits nach einem Jahr zeigten sich deutliche Verbesserungen. „Es gab viel mehr große Fische“, so Claudio Schill. Die Bachforelle kehrte zurück, mittlerweile hat sich ihr Bestand nahezu verdoppelt. Auch die Nase, die in diesem Abschnitt der Dreisam jahrzehntelang nicht vorkam, tauchte wieder auf. Obendrein nahm die Laichaktivität zu. Insgesamt konnten 14 Fischarten nachgewiesen werden, darunter auch Lachse, Barben, Groppen oder Döbel. Und das sorgt für mehr Artenvielfalt rund um die Dreisam, hier wird nun beispielsweise auch wieder öfter der Entenvogel Gänsesäger gesichtet. Da die Kältepools Wirkung zeigen, wurden in Nimburg (2023) und March-Neuershausen (2025) ebenfalls welche geschaffen. „In der Dreisam bei Nimburg entstehen drei weitere, Ende Juli werden außerdem in der Elz bei Teningen und Emmendingen zwei weitere gebaut“, so Matthias Henrich vom Regierungspräsidium Freiburg.
Richtig viel los ist bei der derzeitigen Hitze auf der Fischtreppe an der Schwabentorbrücke – hier tummeln sich die Freiburger, um sich abzukühlen. Das bietet jedoch weniger Konfliktpotenzial: „Da sehen wir kein so großes Problem. Hier laichen Fische hauptsächlich im Winter und Frühjahr, wenn die Treppen nicht von Menschen genutzt werden“, so Kolja Mälicke. Das sieht auch Timo Heimann so: „In der Zeit, in der die Fische wandern, sind dort keine Leute“. Claudio Schill hält jedoch dagegen: „Die Fische wandern nahezu immer, gerade auch wenn es ihnen zu warm wird“


Die Kältepools dienen als kühler Rückzugsort für die Fische. Foto: Schuh