Vier Hitzetote an der Uniklinik Freiburg machen deutlich, wie gefährlich die aktuelle Hitzewelle ist. Hans-Jörg Busch (54), Leiter der Notfallmedizin erklärt, welche Symptome ernst sind, wie Sie Wohnung und Körper schützen – und warum falsche Klimaanlagen-Einstellung zum Risiko wird.
Bei den Betroffenen habe es sich um Menschen mit gesundheitlichen Vorschädigungen gehandelt, so der Mediziner. In der Notaufnahme seien aber auch vom Handwerker, der draußen arbeiten muss, bis zum Sportler, der auf Hitzewarnungen pfeift, viele andere Patienten gelandet. Wie viele exakt wegen der Hitze erkrankt seien, könne man zwar nicht ganz genau beziffern, so Busch. Es habe aber einen signifikanten Anstieg der Patientenzahlen durch die Hitzewelle gegeben. „Wir hatten Patienten, die ganz klar hitzebedingt, zum Beispiel mit einem sogenannten Sonnenstich, zu uns kamen. Aber es gibt auch eine Grauzone von Patienten, die vielleicht auch ohne die aktuelle Hitze gerade jetzt erkrankt sind. Es ist schwierig, das genau zu trennen.“
Die überdurchschnittlichen Patientenzahlen seien im Nachgang der jüngsten Temperaturrekorde zudem noch nicht vorbei. „Es waren täglich mindestens zwei bis drei Patienten in den letzten fünf, sechs Tagen, die aufgrund der Umgebungstemperaturen zu uns gekommen sind“, so Busch.
Viele trinken zu wenig
Die Symptome der Menschen hätten vom Schwindel, weil man zu wenig getrunken hat, über Übelkeit und Erbrechen bis zum Herz-Kreislauf-Stillstand, zum Organversagen und zur Reanimation gereicht. Viele Menschen würden einfach viel zu wenig trinken, so der Arzt. Es gebe aber auch die tragischen Fälle von Patienten, die wenig mobil in ihrer Dachwohnung stürzen und dann erst nach zwei Tagen entdeckt werden. Und natürlich die Sportler, die mittags bei knapp 40 Grad mit dem Rennrad losziehen, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Sport und Arbeit im Freien seien bei der Hitze ein großes Problem. Was auch vorkomme: jemand steigt bereits mit Hitzeproblemen ins Auto und ist dann zu verwirrt, um wieder auszusteigen.

Aus medizinischer Sicht sei es sinnvoll, sich im Sommer etwas von der südeuropäischen Lebensweise abzuschauen und Tätigkeiten draußen früh oder spät am Tag zu verrichten. „Dazwischen macht es Sinn, sich in die abgedunkelte Wohnung zurückzuziehen.“ Grundsätzlich sei der Gebäudeschutz in Deutschland eigentlich gut, so Hans-Jörg Busch. Wenn es aber auch nachts nicht mehr abkühlt, seien kritische Situationen erreicht. Gesundheitspolitisch müsse daher mehr getan werden, um zum Beispiel Krankenhäuser mit klimatisierten Behandlungszonen schaffen zu können, damit Patienten aus viel zu warmen Wohnungen im Krankenhaus nicht weiterhin ohne Schutz vor der Hitze sind.
Es brauche eine Sensibilisierung in Politik und Bevölkerung gleichermaßen für die Frage, wie man sich vor großer Hitze schützt, zumal sich der Körper nicht wirklich an die Auswirkungen großer Hitze gewöhnt und auch unter künftigen Hitzewellen leiden wird. Zur Sensibilisierung gehöre neben einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr und möglichen Investitionen in die Verschattung von Wohnräumen, beispielsweise durch entsprechende Schutzfolien am Fenster, auch ein vernünftiger Umgang mit Klimaanlagen in Autos und Wohnungen, soweit sie zur Verfügung stehen: „Man sollte die Klimaanlage nicht auf 16 Grad stellen, wenn es draußen 39 Grad heiß ist“, so Hans-Jörg Busch. „Die extremen Unterschiede machen uns ja auch zu schaffen.“ Nicht die ganz große Absenkung der Raumtemperatur sei wohltuend, sondern eine Absenkung auf beispielsweise 22 Grad im Schlafzimmer, damit man die Nacht durchschlafen kann.
Bernd Peters

