An einer städtebaulich bedeutenden Ecklage gegenüber des Hauptbahnhofs soll ein Hochhaus-Projekt auf den Weg gebracht werden. Das bestehende zwölfgeschossige Gebäude an der Eisenbahnstraße/Bismarckallee – auch „Adam-Haus“ genannt – soll demnach abgerissen und neu gebaut werden. Auch im Untergrund ergäben sich dadurch Chancen.
Im Freiburger Wochenbericht vom 15. Februar 1968 wurde mit überschwänglichen Worten die nahende Eröffnung eines neuen Ladenzentrums am Eingang zur Eisenbahnstraße begrüßt. Das Modegeschäft „Adam“ eröffnete im 1967 erbauten Hochhaus der Iduna-Versicherung seine Türen – „ein Fachgeschäft, das sich, wie schon der Name vermuten lässt, an die Herrenwelt wendet“, so der Wochenbericht damals. Das Hochhaus, in dem auch Büros und weitere Geschäfte unterkamen, wurde als „besonders eindrucksvolle Visitenkarte einer modernen und aufgeschlossenen Stadt“ gepriesen.
Nun blickt das sogenannte „Adam-Haus“ wohl seinem Ende entgegen. Am Mittwoch beschäftigt sich der Bau-, Umlegungs- und Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Freiburg mit den Ergebnissen einer städtebaulichen Voruntersuchung für das Eckgrundstück zwischen Eisenbahnstraße und Bismarckallee. Dem Grundstück komme aufgrund seiner Lage im Ein- und Ausgangsbereich des Hauptbahnhofs „eine herausgehobene städtebauliche Bedeutung zu“, heißt es im Stadtplanungsamt. Die Studie, die vom Architektur- und Stadtplanungsbüro ASTOC zusammen mit Fachplanern durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung des Bestandsgebäudes zwar technisch möglich sei. Aufgrund des damit verbundenen großen Aufwands könne über den Bestandserhalt jedoch „keine gute Lösung und auch keine Wirtschaftlichkeit erreicht“ werden, heißt es in der Vorlage. Vor allem die niedrigen Raumhöhen, die mangelnde Tageslichtversorgung, unzureichende Belüftung, veraltete Haustechnik und Brandschutzmängel stünden dem entgegen. Schon jetzt gebe es dort eine Leerstandsquote von 20 Prozent.
Eigentümer des Gebäudes ist die Sicore Real Assets, eine Immobilieninvestmentfirma mit Sitz in Hamburg. Dort spricht man sich nach Abwägung aller Aspekte gegen einen Erhalt des Gebäudes aus. Noch steht das Vorhaben aber ganz am Anfang. Die formale Investitionsentscheidung stehe noch aus, wie der für das Projekt zuständige Pressesprecher Johannes Braun auf Anfrage mitteilt. Die Freiburger Stadtverwaltung schlägt für den geplanten Neubau ein Wettbewerbsverfahren vor. Der Clou: Auch die Bahnhofsunterführung spielt darin eine Rolle.
Im geplanten Wettbewerbsverfahren für das „Adam-Haus“ am Hauptbahnhof könnte die Unterführung unter der Bismarckallee eine gewichtige Rolle spielen. So soll geprüft werden, ob das Neubauvorhaben dazu beitragen kann, die Unterführung attraktiver und barrierefrei nutzbar zu machen. Die Idee: Die Handelsflächen des möglichen Neubaus könnten auf das Untergeschoss ausgeweitet werden und so an die Bahnhofsunterführung angebunden werden. Die Passanten könnte also unterirdisch direkt weiterlaufen in die Geschäfte des Neubaus. Die südliche Treppe der Unterführung würde in diesem Fall wegfallen. Die Freiburger Wirtschaftsförderung (FWTM) soll für diese Idee ihre Erfahrungen in das Verfahren einbringen.
Das Freiburger Stadtverwaltung sieht in einem Neubau viele Vorteile. So könne eine Neuentwicklung mit zeitgemäßen Geschosshöhen, flexiblen Flächenzuschnitten, besseren Belichtungs- und Belüftungsmöglichkeiten sowie modernen Rettungs- und Erschließungswegen „eine langfristigere Nutzungsperspektive bieten“, heißt es. Ziel des geplanten Wettbewerbs ist es, eine Architektur zu finden, die sowohl den städtebaulichen Anforderungen als auch den Bedürfnissen künftiger Nutzer gerecht wird. Dabei soll auch geprüft werden, wie das neue Gebäude zur Belebung und Verbesserung der öffentlichen Räume im Umfeld beitragen kann.
Neben der Wettbewerbsauslobung ist die Vorbereitung eines Aufstellungsbeschlusses für einen Bebauungsplan vorgesehen. 2027 soll beides in Bauausschuss zum Beschluss eingebracht werden.



Das „Adam-Haus“ soll einem Neubau weichen. Foto: Joers