Er ist gekommen, um zu bleiben: Der Goldschakal. Ursprünglich aus Asien, gibt es seit 2018 Nachweise in Baden-Württemberg. Bisher eher in Gebieten nahe der Donau, doch nun wurde ein Tier erstmals weiter westlich, im Forstbezirk Hochschwarzwald, beobachtet. Erstmals hat ein Förster einen Goldschakal im Forstbezirk Hochschwarzwald, in einem Waldgebiet bei Hammereisenbach zwischen Villingen-Schwenningen und Titisee-Neustadt, gesichtet. Der Förster war auf der Jagd nach Rehen, als er zuerst den Ruf des Tieres vernahm und es schließlich in etwa 80 Metern Entfernung an seinem Hochsitz vorbeilaufen sah.
Für Forstbezirksleiter Hans-Ulrich Hayn kam die Beobachtung des Raubtiers, das von der Fellfarbe einem Wolf ähnelt, in der Größe aber zwischen Fuchs und Wolf liegt, nicht ganz unerwartet. Bereits 2018 wurde erstmals ein Goldschakal in Baden-Württemberg nachgewiesen. Anders als Luchs oder Wolf ist er nicht ursprünglich in Deutschland beheimatet, sondern in den vergangenen rund 30 Jahren über den Balkan, Ungarn und Österreich eingewandert. 2021 wurde im Schwarzwald-Baar-Kreis erstmals für Deutschland nachgewiesen, dass ein Goldschakal-Paar Nachwuchs bekommen hat. Ob der nun gesichtete Goldschakal im Schwarzwald geboren wurde oder aus anderen Regionen eingewandert ist, ist nicht bekannt. Für Hayn ist es „durchaus denkbar“, dass es sich um einen Nachkommen des im Schwarzwald-Baar-Kreis ansässigen Paares handelt.
Nach den strengen Richtlinien des Wildtier-Monitorings in Deutschland, handele es sich bei der Sichtung des Goldschakals in Hammereisenbach um einen Hinweis, aber nicht um einen gesicherten Nachweis, erklärt Felix Böcker, der als Fachbereichsleiter bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg für das Monitoring der Goldschakale zuständig ist. „Ein sicherer Goldschakalnachweis erfordert Foto- oder Videomaterial, genetisch untersuchbares Material oder den Fund eines
toten Tieres.“
Konfliktpotential mit Auerhahn
Als Raubtier ist der Goldschakal auf tierische Nahrung angewiesen und dabei nicht wählerisch: Die Bandbreite reicht von Aas über Nagetiere bis zu Rehen. Auch Hühner, Schafe oder Ziegen gehören zum Beutespektrum. „An Rinder wird er sich eher nicht herantrauen“, so Hayn. Es bleibe abzuwarten, wie sich der Goldschakal auf das heimische Ökosystem auswirken werde, so Hayn. Er sei ein Konkurrent des Rotfuchses und diesem in der Größe überlegen, ob dies jedoch zu einem Rückgang der Fuchsbestände führe, sei unklar. Die Anwesenheit von Wölfen könne dazu führen, dass sich der Goldschakal zurückziehe.
Über den Beobachtungsraum des Goldschakals bei Hammereisenbach ist Hayn nicht ganz so glücklich, weil dort eines der letzten Vorkommen des Auerhahns im östlichen Schwarzwald liegt. Da der Goldschakal jedoch nicht bejagt werden dürfe, müsse man die weitere Entwicklung der Natur überlassen.
Der Goldschakal ist durch eine EU-weite FFH-Richtlinie geschützt und zählt nach dem Jagdrecht in Deutschland nicht zu den bejagbaren Arten. Auch Felix Böcker fällt es schwer abzuschätzen, wie sich die Anwesenheit des Goldschakals auf das streng geschützte Auerwild auswirken wird. Bisher bevorzuge der Goldschakal aber tiefer gelegene und offenere Gebiete, weshalb er sich vielleicht nicht in den Höhenlagen des Schwarzwalds – wo sich die Refugien des Auerhahns befinden – dauerhaft ansiedeln werde.
Viele tierische Rückkehrer im Schwarzwald
Für Hayn fügt sich die Ausbreitung des Goldschakals in eine Reihe von Tieren ein, die in die heimischen Wälder zurückkehren oder sich neu ansiedeln – darunter Wolf, Luchs, Biber, Schwarzstorch, Wildkatze und Fischotter. Diese Vielfalt sei vor 25 Jahren undenkbar gewesen. Ein Grund für die Veränderung könne die regelmäßige Holzentnahme im Wald sein, so der Forstbezirksleiter. Sie sorge für mehr Licht im Wald und stärkeren Bewuchs durch Gräser, Kräuter und kleine Waldbäume. Dies verbessere die Bedingungen für Pflanzenfresser, wovon auch Raubtiere profitierten. Zusätzlich entstünden bessere Versteckmöglichkeiten für alle Tiere.


Der Goldschakal ähnelt farblich einem Wolf, ist aber deutlich kleiner. Foto: adobe.stock.com