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Nilgänse entwickeln sich in Freiburg vom Exoten zum Alltagsbild

Im Unipark ist ein Nilgans-Pärchen heimisch – derzeit ziehen sie ihre Jungen auf. Foto: Joers

Nilgänse als invasive Art werden in ganz Baden-Württemberg immer mehr zum Ärgernis – zuletzt diskutierte die Stadt Tübingen sogar einen Abschuss der Tiere. Auch in Freiburg sind einige Tiere heimisch und auch hier gibt es ein Managementkonzept.

Sie sind längst kein seltener Gast mehr in Freiburg: In Parks, an Gewässern und auf Grünflächen gehört die ursprünglich aus Afrika stammende Nilgans inzwischen zum Stadtbild. Mit der wachsenden Population nehmen jedoch auch Konflikte mit Menschen zu – ein Umstand, den die zuständigen Behörden genau im Blick behalten.

Die Entwicklung der Bestände sowie mögliche Probleme im Zusammenleben von Mensch und Tier werden von den Wildtierbeauftragten kontinuierlich beobachtet, so Andreas Schäfer von der Unteren Jagdbehörde und Wildtierbeauftragter der Stadt Freiburg. „Wir sind hierbei regelmäßig beratend tätig.“ Dabei nehmen die Anfragen zu, heißt es aus dem Forstamt. Jährlich wenden sich inzwischen mehr als 20 Betroffene an die Fachstellen – Tendenz steigend.

Ein flächendeckendes Monitoring der Nilgansbestände im gesamten Stadtgebiet gibt es nicht – „der Aufwand wäre zu groß“, so Schäfer. In der offenen Landschaft werden pro Jahr rund 20 Tiere erlegt. Hinzu kommen die dokumentierten Beratungsfälle sowie Beobachtungen von Bewirtschaftern und städtischen Stellen. Diese zeichnen ein klares Bild: Die Nilgans ist inzwischen nahezu überall präsent, wo Grünflächen auf Gewässer treffen. Besonders in den vergangenen fünf Jahren habe die Verbreitung deutlich zugenommen, so Schäfer.

Auch landesweit zeigt sich dieser Trend: In Baden-Württemberg führt die Nilgans die Statistik der bejagbaren Gänsearten an – mit mehr als 2.000 erlegten Tieren pro Jahr, bei insgesamt rund 4.000 Gänsen. Die Zahlen steigen seit Jahren exponentiell stark an.

Vor diesem Hintergrund hat das Freiburger Forstamt gemeinsam mit weiteren Ämtern zu Beginn des Jahres eine Managementkonzeption erarbeitet. Diese bündelt den aktuellen Kenntnisstand und mögliche Maßnahmen im Umgang mit der Art. Klar ist jedoch: Eine Bejagung welcher Art auch immer – zum Beispiel auch durch gelege-Entnahme, die Fallen- oder Fangjagd – ist im städtischen Siedlungsraum grundsätzlich verboten. Die untere Jagdbehörde könne dies nur in Ausnahmefällen erlauben, so Schäfer. „Eine Bejagung ist aber immer nur das letzte Mittel“, so der Wildtierbeauftragte. SIe käme nur infrage, wenn zuvor alle milderen Maßnahmen keinen Erfolg hatten.

Eine mildere Form der Bejagung stellen unter anderem Gelege-Behandlung oder auch die Entnahme von Gelegen dar. „Derzeit versuchen wir das als Pilotprojekt im Stadtgarten und sammeln Erfahrungen“, so Schäfer.

Die Nilgans brütet üblicherweise auf Inseln und in Uferbereichen, aber auch in Bäumen und Sträuchern sowie auf begrünten Flachdächern. Die Brutzeit reicht normalerweise von Ende Februar bis Mai, doch Beobachtungen zeigen, dass auch spätere Bruten möglich sind. So wurde im Stadtgarten auch im Oktober noch erfolgreich gebrütet. „In Zeiten des Klimawandels wird dies zur Normalität werden“; so Schäfer.

Doch nicht nur im Stadtgarten sind die Tiere bekannt: Auch im Park des Universitätsklinikums lebt seit einigen Jahren ein Nilgänse-Paar. „Die Tiere sind lauter und verursachen mehr Verschmutzung als heimische Arten“, so Pressesprecher Johannes Faber. Dennoch sei die Population stabil, sodass derzeit kein Handlungsbedarf bestehe. Sollte sich dies ändern, wolle man das weitere Vorgehen mit den zuständigen Behörden abstimmen.