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Mit der Neueröffnung präsentiert sich das Freiburger Augustinermuseum vielfältiger, moderner und offener

Jutta Götzmann leitet seit 2023 die Museen Freiburg. Foto: Marc DoradzilloJutta Götzmann leitet seit 2023 die Museen Freiburg. Foto: Marc Doradzillo

Am Wochenende werden nach Ende des dritten und letzten Bauabschnitts die größten Ausstellungsflächen des Augustinermuseums im Konventgebäude und im Gewölbekeller neu eröffnet. Damit endet nicht nur eine lange Bauphase, sondern es bieten sich auch viele neue Perspektiven, wie Jutta Götzmann, Leitende Direktorin Museen Freiburg, im Interview mit Heike Schwende erklärt.

Frau Götzmann, was wird den Museumsbesuchern als größte Veränderung ins Auge springen?

Jutta Götzmann: Bislang war die Ausrichtung stark auf Kunst in sakralem Kontext fokussiert. Die größte Veränderung ist nun die Ergänzung um Sammlungen, die aus bürgerlichem Engagement hervorgegangen sind: stadt- und kulturgeschichtliche Bestände, Alltagskultur und Kunsthandwerk. Dazu zählen auch große Sammlungen der Goldschmiedekunst und Textilien. Dieses breite Spektrum, das jahrelang kaum oder nur in kleiner Auswahl zu sehen war, ist nun in einer wohldosierten Auswahl von mehr als 700 Objekten vertreten. Damit fächern wir die Themen und die Reichweite des Hauses deutlich breiter auf und generieren für unterschiedliche Zielgruppen einen spannenden Rundgang.

Wie verhält es sich mit den Objekten zur Stadtgeschichte, die jetzt vom Wentzingerhaus ins Augustinermuseum gezogen sind?

Jutta Götzmann: Die Stadtgeschichte orientiert sich vollkommen neu und ist in das Gesamtkonzept des Augustinermuseums integriert. Wir arbeiten mit einem Zeitstrahl in einer Großvitrine, der mit der Stadtgründung beginnt und bis in die Gegenwart reicht. Unser jüngstes Objekt ist der Nachbau eines Fahrradzählers, der auf die nachhaltige Mobilität in Freiburg verweist. Insgesamt stärken wir mit der Neuausrichtung – und besonders mit der Stadtgeschichte – nicht nur die Vergangenheitsperspektive, sondern orientieren uns aktualitätsbezogen und richten auch Fragen an die Zukunft. Der neue Ausstellungsbereich „FREI_Raum“ greift die Themen der Stadt und Stadtgesellschaft auf und hinterfragt sie kritisch. Wir wollen mit dem Museum und unseren Besuchenden auch Visionen für die Zukunft entwickeln.

Mit 700 Objekten bietet das neue Augustinermuseum ein breites Spektrum. Foto: Marc Doradzillo
Mit 700 Objekten bietet das neue Augustinermuseum ein breites Spektrum. Foto: Marc Doradzillo

Um was handelt es sich beim „FREI_Raum“?

Jutta Götzmann: Der FREI_Raum umfasst drei Räume im zweiten Obergeschoss, die bei meinem Amtsantritt 2023 keine Funktion und keine Finanzierung hatten. Mein Anliegen war, das Gesamthaus Augustinermuseum mit einem Konzept für alle Räume zu eröffnen. So entstand die Idee für einen Wechselausstellungsbereich mit Möglichkeiten zur Partizipation. Der FREI_Raum wird jährlich bespielt und entwirft Perspektiven: Was bewegt Freiburg heute und morgen? Die erste Ausstellung widmet sich der langen Sanierung, reflektiert sie, blickt zurück und denkt voraus. Nicht nur hier tritt das Museum in einen Dialog mit der Stadtgesellschaft, macht den Kulturstandort niedrigschwellig und öffnet ihn für Menschen, die sich einbringen möchten.

Gibt es darüber hinaus Neuerungen?

Jutta Götzmann: Generell verwenden wir stärker Medien und eine multimediale Unterstützung. Hands-on-Stationen geben den Menschen eine aktivere Rolle. Man kann eigene Objekte einbringen – als Einzelperson, Gruppe oder Verein; dafür sind Vitrinen vorgesehen. Zudem laden wir beispielsweise im Bereich Protest & Revolution oder in Religion & Klosterleben zur aktiven Beteiligung ein: Wofür würde man selbst auf die Straße gehen? Welche eigenen Vorstellungen von Religion hat man? Solche Beiträge können sukzessive Teil des Museums werden.

Inwiefern ist das Konventgebäude selbst Teil des Museumserlebnisses?

Jutta Götzmann: Im Unterschied zum ersten Bauabschnitt, dem großen Kirchenschiff, wo eine mittelalterliche Gebäudehülle ein hochmodernes Ausstellungsinterieur aufnimmt, treten die Besuchenden im dritten Bauabschnitt in einen direkten Dialog mit dem Gebäude. Unterschiedliche Entstehungszeiten sind an Wänden, Putzen und freigelegten Befunden ablesbar – sie wurden nicht kaschiert, die Wandflächen stehen vielmehr bewusst als Gesprächspartner zur Verfügung. So erzählt das Haus seine eigene Geschichte.

Wie wird der längere Aufenthalt im Museum komfortabler – Stichwort Pausen?

Jutta Götzmann: Das Museum ist durch die Verbindung aller drei Bauabschnitte sehr weitläufig geworden. Vom ersten Geschoss über die Glasmalerei gelangt man nahtlos in die Stadt- und die Münsterbaugeschichte – Verbindungen, die es so bisher nicht gab. Entsprechend haben wir gute Lounge-Möglichkeiten vorgesehen. Im Bereich der Hausgeschichte gibt es bequeme, gepolsterte Zonen; dort kann man an Tablets in die Inhalte eintauchen oder einfach pausieren. Im ersten und zweiten Obergeschoss bieten sogenannte Schwarzwaldblicke offene Fensterbereiche, der Kreuzgang wurde umfassend bearbeitet und ist ein sehr schöner Ort des Verweilens. Unser neues Café Kien bietet Sitzmöglichkeiten im Café, im Kreuzgang und im Zinnengarten. Es gibt eine kleine, feine Speisekarte mit Mittagstisch, Getränken, Snacks sowie Kaffee und Kuchen. Solche Pausen sind nötig – bei einer Gesamtfläche von 6.000 Quadratmetern, wie man sie sonst eher von großen Landesmuseen kennt.