Die Aktion einer mutmaßlich rechtsextremen Gruppe gegen die Ramadan-Beleuchtung im Seepark ruft ein breites Bündnis auf den Plan: Christliche, muslimische und jüdische Gemeinden sowie Politiker und der Oberbürgermeister Freiburgs bekennen sich klar zu der Beleuchtung. Die Polizei sucht außerdem Zeugen der beiden Vorfälle.
Gleich zweimal wurde am vergangenen Wochenende die Beleuchtung zum Fastenmonat Ramadan im Seepark zum Ziel von Aktionen vermutlich politisch motivierter Personen. Am Samstagvormittag gegen 11.15 Uhr hatte ein Unbekannter die Kabel der öffentlichen Beleuchtung durchtrennt. Laut eines Zeugen trug der Tatverdächtige Jeans, dunklen Parka, schwarze Schuhe sowie Lederhandschuhe und sei mit einem Schlauchschal vermummt gewesen. Und am Sonntag überdeckten drei Personen die Beleuchtung mit einem Banner an der Beleuchtung und filmten sich auch dabei. Hinter der Aktion steckten mutmaßlich Anhänger der rechtsextremen Identitären Bewegung. Die Polizei bittet in beiden Fällen um Zeugenhinweise (Tel. 0761/882-2880). Es ist es das erste Mal, das Freiburg anlässlich des muslimischen Fastenmonat in Freiburg eine öffentliche Beleuchtung errichtet hatte.
„Wir verurteilen die Beschädigung aufs Schärfste“, so Oberbürgermeister Martin Horn am Dienstag in einer Pressemitteilung. „Solche Aktionen zielen auf Spaltung, aber das lassen wir nicht zu.“ Freiburg sei eine vielfältige Stadt, ein Drittel habe einen internationalen Hintergrund. Alle gehörten dazu, unabhängig von Glauben und Herkunft.
„Wir Musliminnen und Muslime sind ein fester Teil von Freiburg. Wir verurteilen den Angriff auf unsere Ramadan-Beleuchtung, denn sie steht für unseren selbstverständlichen Platz in dieser Stadt“, so Hüseyin Özbek, stellvertretend für vier Freiburger Moschee-Gemeinden. „Hass hat weder in Freiburg noch irgendwo sonst einen Platz. Wir stehen gemeinsam für ein respektvolles Miteinander ein.“ Was passiert sei, mache besonders muslimischen Frauen Angst, sagt Senay Awad vom Sozialdienst muslimischer Frauen. „Viele haben eine Fluchtgeschichte hinter sich; da kommen jetzt wieder große Ängste hoch.“
Auch die jüdischen Gemeinden in Freiburg verurteilen die Beschädigung. „Wir als jüdische Gemeinde waren auch in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Angriffen ausgesetzt. Ob links, rechts oder vermeintlich religiös motiviert – gemeinsam liegt den Angriffen eine extremistische und intolerante Haltung zugrunde“, so Nikita Nikischin von der Israelitischen Gemeinde. Ein demokratisches Miteinander in Vielfalt sei darum mehr als nur Bekenntnis. „Es ist unsere Existenzgrundlage. Als Juden, Christen und Muslime müssen wir uns solchen Angriffen stets gemeinsam entgegenstellen.“
Die Ramadan-Beleuchtung ist ein erstes Projekt des Interreligiösen Austauschs in Freiburg. Zu diesem hatte Oberbürgermeister Horn im vergangenen November erstmals muslimische, jüdische und christliche Gemeinden gemeinsam an einen Tisch ins Freiburger Rathaus geladen.
„Wir stehen dafür ein, dass Religion nicht spaltet“, sagt Angela Heidler, Dekanin der evangelischen Kirche in Freiburg. „Ziel ist ein stabiles Miteinander, nicht nur ein friedliches Nebeneinander, wie es unsere Religionsfreiheit im Grundgesetz garantiert. Unser Miteinander darf durch solche bewussten Beschädigungen nicht gespalten werden.“
Die Beleuchtung im Seepark sei ein Zeichen der Wertschätzung der rund 13.000 Menschen muslimischen Glaubens in Freiburg. „Ich selbst bin Christ und Pfarrerssohn, das ist kein Geheimnis“, so OB Horn. „Die Ramadan-Beleuchtung nimmt mir als Christ meinen Glauben nicht weg. Im Gegenteil: Es wird sichtbar, dass es Gemeinsames gibt. Die christliche wie die muslimische Fastenzeit dienen der Besinnung. Und wir teilen die Aufforderung zur Nächstenliebe.“
Katholische Kirche: „Erteilen Aktionen wieder klare Absage“
„Das Bekenntnis zur Nächstenliebe zieht sich durch alle Weltreligionen“, sagt auch der stellvertretende Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Freiburg i.Br., Siegfried Huber. „Wir teilen gemeinsame Werte und begrüßen das Miteinander der Gemeinden ausdrücklich. Über den Interreligiösen Austausch stehen wir als Katholische Kirche mit muslimischen Gemeinden in guter Verbindung. Wir setzen uns nachdrücklich für die in Freiburg bereits erlebbare Offenheit gegenüber allen Religionen ein – und erteilen Aktionen wie dieser eine klare Absage. Als christliche Kirche lassen wir uns nicht diktieren, was christlichen Glauben ausmacht.“
Im Rahmen des Interreligiösen Austauschs sind weitere Projekte geplant, wie etwa gegenseitige Besuche jüdischer und christlicher Gemeinden zu Pessach und Gründonnerstag. Auch gemeinsame kulturelle und soziale Projekte sowie Aktionen mit Jugendlichen seien denkbar, so Vertreter jüdischer und muslimischer Gemeinden. Genau das sei Ausdruck unserer freiheitlich-demokratischen Kultur, und nicht ihre Unterwanderung oder ihr Untergang, so Horn.
„Demokratie zu leben, bedeutet andere Ansichten und Lebensweisen zu tolerieren, auch – oder gerade – wenn dies nicht der eigenen Meinung, den eigenen Werten, oder der eigenen Orientierung entspricht“, so Nicole Elias von der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher Gemeinde. „In Zeiten, in denen Demokratie und friedliches Zusammenleben von so vielen Seiten bedroht zu sein scheint, ist es für uns alle umso wichtiger zusammenzustehen und Toleranz zu üben, uns als Menschen zu sehen und gegenseitig unsere Bedürfnisse anzuerkennen und zu respektieren. Nicht Hass und Hetze gehören in den Fokus, sondern Mensch und Miteinander.“
Gemeinderäte: „Unser Zusammenhalt lässt sich nicht erschüttern“
Auch von Freiburger Politikern kam eine klare Ablehnung der Sabotageaktion – unter anderem der Freiburger Bundestagsabgeordnete der Linken, Vinzenz Glaser verurteilte die Vorfälle. Die Linke rief für Mittwoch-Nachmittag außerdem zu einer Solidaritätskundgebung auf dem Betzenhauser Torplatz auf. Ein breites Bündnis von Freiburger Gemeinderäten äußerte sich am Dienstag ebenfalls in einem Pressestatement. So sagte Karim Saleh von der Fraktion der Grünen: „Die Sabotage der Ramadan-Beleuchtung und ihre Instrumentalisierung für rechtsextreme Propaganda kommen nicht überraschend. Sie bestärken uns darin, die Sichtbarkeit muslimischen Lebens in Freiburg und in Deutschland weiter zu normalisieren. Zugleich bestärken sie uns darin, weiter entschieden gegen antimuslimischen Rassismus vorzugehen.“ Arno Heger, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion erklärte, die CDU-Fraktion habe „keinerlei Verständnis für den Anschlag auf die Ramadanbeleuchtung, er ist ein Angriff auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und auf die Religionsfreiheit in unserem Land und in unserer Stadt. Wer religiöse Symbole beschädigt, greift die Werte unseres Grundgesetzes an.“ Julia Söhne, Fraktionsvorsitzende von SPD+JF pflichtet bei: „Solche Taten zielen lediglich darauf ab, Aufmerksamkeit für extremistische Ideologien zu erzeugen – aber unser Zusammenhalt in Freiburg lässt sich davon nicht erschüttern, und wir hoffen, dass die Täter gefasst und zur Verantwortung gezogen werden.“
„Ja geht’s noch?“
Sascha Fiek, Fraktionsvorsitzender der FDP/BfF-Fraktion sagte: „Die FDP/BFF Fraktion verurteilt die Angriffe auf die Ramadan Beleuchtung im Seepark aufs Schärfste. Diese Tat ist ein Angriff auf unser friedliches Zusammenleben und die Werte unserer Demokratie. Freiburg steht für Freiheit, Toleranz und Respekt – für alle Menschen, unabhängig von Religion und Herkunft. Wir erwarten eine konsequente Aufklärung und stellen uns klar an die Seite unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.“ Gregor Mohlberg, Esfa-Fraktionsvorsitzender, sagt: „Die Ramadan-Beleuchtung im Seepark ist nur ein kleines Zeichen der religiös-kulturellen Vielfalt in Deutschland. Und dennoch ruft es den rechten Mob sofort auf den Plan, mit Übergriffen, rassistischer Hetze und den absurdesten Verschwörungstheorien, bis hin zur steilen These, es gäbe mittlerweile kaum mehr Bratwurst in Deutschland. Ja geht´s noch!?!“ Kai Veser, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler erklärte, man verurteile „jegliche Form von Sachbeschädigungen und Gewalttaten, unabhängig davon, ob sie politisch motiviert sind – sei es von rechts oder links – oder einfach aus Unfug heraus begangen werden.“ Auch Einzelstadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler von Freiburg Lebenswert äußert sich und sagt: „FL lehnt Sachbeschädigungen, die ideologische Gründe haben, genauso ab wie Gewalt gegen Personen, die anderer Meinung sind“. Und die Gruppe Kultur/Inklusion erklärt, die Tat sei „Ausdruck von Feigheit, Unkenntnis, Intoleranz und Überheblichkeit.“


Seit rund einer Woche ist Freiburgs erste Ramadan-Beleuchtung im Seepark in Betrieb. Foto: Thomas Kunz