Förster im Freiburger Stadtwald und im Hochschwarzwald können wieder aufatmen: Das feuchtere Wetter in 2025 hat dem Wald gutgetan. Doch Entwarnung geben die Experten nicht, sondern nutzen die gewonnene Zeit, um den Wald fit für den Klimawandel zu machen. Für den Wald war das Wetter des vergangenen Jahrs eine Wohltat. So lautet die Bilanz von Forstbezirksleiter Hans-Ulrich Hayn für den Forstbezirk Hochschwarzwald, der die Staatswälder zwischen Freiburg und Villingen umfasst. Nach sieben Jahren Alarmzustand aufgrund von großer Trockenheit und der Gefahr durch Borkenkäfer konnten die Förster 2025 endlich einmal aufatmen. Nur 15 Prozent des im Verlauf des Jahres gemachten Holzes musste aufgrund von Waldschäden geschlagen werden. Seit 2014 hatte dieser Wert konstant höher gelegen und im Jahr 2019 sogar 90 Prozent betragen. „Zwischen 2018 und 2020 bestand praktisch unser gesamter Holzeinschlag aus Schadholz“, beschreibt Philipp Weiner, stellvertretender Leiter des Forstbezirks Hochschwarzwald, die Lage.
Wasserspeicher waren gut gefüllt
Die wesentliche Ursache für die deutliche Verbesserung sieht Hayn in der günstigen Witterung im vergangenen Jahr. Es habe 2025 weder nennenswerte Gewitterstürme noch lange Trockenperioden gegeben. Die Wälder in Freiburg und im Schwarzwald profitierten von ausreichend Niederschlag, was nicht in allen Teilen der Republik der Fall war. Nicole Schmalfuß, Leiterin des städtischen Forstamts Freiburg, beurteilt die Situation für den Stadtwald Freiburg ähnlich. Obwohl die Temperaturen 2025 entsprechend dem Klimatrend auch in Freiburg hoch lagen, seien die Bäume damit besser zurechtgekommen, da die Wasserspeicher im Boden gut gefüllt gewesen seien. „Die Bäume konnten sich regenerieren, wachsen und in vollem Umfang Photosynthese betreiben“, sagt Schmalfuß. Vitale, gut versorgte Bäume sind weniger anfällig für Krankheiten, Sturmschäden und Borkenkäferattacken. Das insgesamt feuchtere Jahr 2025 habe dem Wald eine Verschnaufpause verschafft.
Förster fördern klimastabilen Baum-Mix
Diese Verschnaufpause wissen die Forstexperten zu nutzen: Sie fördern die natürliche Waldverjüngung mit klimastabileren Baumarten und pflanzen neue Bäume an den Orten, wo die natürliche Waldverjüngung nicht ausreicht. Die Waldverjüngung durch das natürliche Nachwachsen junger Bäume aus Samen der Altbäume und in deren Schatten sei das Mittel der Wahl, sagt Schmalfuß. So entstünden keine hohen Kosten wie bei der Neupflanzung, und es funktioniere in der Regel besser. Nur wenn gewünschte Baumarten nicht natürlicherweise im Wald vorkommen, greifen die Förster mit Neupflanzungen ein, um den Baum-Mix im Wald in Richtung klimastabilere Baumarten zu lenken.
„In den Wäldern am Roßkopf und in Günterstal haben wir viele alte Tannen“, sagt Schmalfuß. Bei den Tannenbeständen müsse man in Zukunft in tieferen Lagen aufgrund des Klimawandels mit Problemen rechnen. Deshalb sei es wichtig, klimastabilere Baumarten im Wald, wie beispielsweise Eichen oder Kastanie, zu fördern, die mit Wärme und Trockenheit besser zurechtkommen als Fichte, Tanne und Buche. Strategisch setzen die Förster für den klimastabileren Wald der Zukunft auf Mischwald mit verschiedenen Baumarten und einem gesunden Mix aus alten und jungen Bäumen. Hierfür sei auch die Jagd wichtig, sagt Schmalfuß, um den Verbiss des Baumnachwuchses durch das Rehwild in einem für den Wald erträglichen Maß zu halten.
Trotz der guten Nachrichten für das Jahr 2025 könne man keine Entwarnung geben, betont Schmalfuß. Aufgrund des Klimawandels wäre es illusorisch, anzunehmen, dass es nicht wieder zu Trockenjahren und Waldschäden kommen werde. „Aber wir haben durch das feuchtere Jahr 2025 wieder etwas Zeit gewonnen, die wir nutzen, um den Waldumbau in Richtung eines vielfältigen, klimastabilen Walds weiter voranzutreiben.“


Ein gesunder Mischwald mit alten und jungen Bäumen kann dem Klimawandel die Stirn bieten. Foto: Schwende