Bald wird es keine lebenden Zeitzeugen der NS-Verbrechen mehr geben, die von ihren Erlebnissen persönlich berichten können. Was bleibt von ihren Erinnerungen – zum Beispiel in Büchern, Filmen, Comics oder weiteren Formaten? Das zeigt die neue Ausstellung.
Seit der Eröffnung im März 2025 haben das Dokumentationszentrum Nationalsozialismus (DZNS) bereits mehr als 40.000 Interessierte besucht. „Darüber sind wir sehr glücklich und froh“, betonte Julia Wolrab, wissenschaftliche Leiterin des DZNS. „Wir sind zunehmend mit KI-erstellen Fakenews konfrontiert, die beispielsweise auch den Holocaust leugnen, deshalb sind wir als Erinnerungsort gefordert, dem eine wissenschaftlich fundierte Forschung entgegenzusetzen“, sagte sie beim Pressetermin am Montag. Hier wurde die erste Sonderausstellung des Museums „Ende der Zeitzeugenschaft?“ vorgestellt.
Es ist bereits die achte Station der Wanderausstellung des Jüdischen Museums Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg – trotzdem ist diese in Freiburg erstmals in Baden-Württemberg zu sehen.
Wie entstehen aus Erinnerungen Erzählungen und was beeinflusst sie? Was hat sich im Umgang mit ihnen seit 1945 verändert? Wer oder was erinnert in 50 Jahren an den Holocaust? Und wie gehen Museen oder Gedenkstätten damit in Gegenwart und Zukunft um? Um diese Fragen dreht sich die Ausstellung. „Zeitzeugenbesuche werden enden, das aber das ist nicht das Ende der Erinnerung an die Geschehnisse, denn viele Zeugnisse und Materialien bleiben erhalten“, betont Caroline Klemm, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des DZNS.
Interview-Ausschnitte von Freiburgern
„Die Ausstellung hat auch einen starken Bezug zu Freiburg“, so Julia Wolrab. Denn es wurden Ausschnitte aus zehn Interviews mit überlebenden Freiburgern ergänzt. Dazu gehören unter anderem die Schriftstellerin Lotte Paepcke, der als US-Agent bekannt gewordene Fred Mayer, der in der Colombistraße 11 wohnende Max Eisenmann und der spätere Pfarrer Helmut Schwarz. „Es geht auch darum, wie solche Interviews entstanden sind und wie sich der Umgang mit diesen verändert hat.“
Auch eine Leihgabe des Maximilian-Kolbe-Werks Freiburg ist zu sehen: die Häftlingsjacke, die der polnische Überlebende Jozef Krzepina auf einem „Todesmarsch“ aus dem KZ Sachsenhausen tragen musste. Eine neue Audiotour in der Museen Freiburg App setzt das Thema der Sonderausstellung mit Objekten und Zeugnissen der Dauerausstellung in Beziehung. Außerdem gibt es ein umfangreiches Angebot mit Workshops und mehr für Gruppen und Schulklassen.
Die Ausstellung ist bis zum 13. September zu sehen. Das Dokumentationszentrum (Rotteckring 14) ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und dienstags bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Ergänzend gibt es zahlreiche Veranstaltungen. In Kooperation mit dem Kommunalen Kino findet die Reihe „Hinschaun“ statt – Filmvorführungen mit anschließendem Austausch. Bei einem Erzählcafé auf dem Grethergelände geht es um Erfahrungen von Überlebenden und ihren Familien nach 1945. Im DZNS findet ein Gespräch mit dem Nachkommen Joachim S. Nelson über die als jüdisch verfolgte Freiburger Familie Nelson statt. Zum Abschluss der Sonderausstellung diskutiert das DZNS auf einem Podium unter dem Motto „Wie gestalten wir das Erinnern ohne direkte Zeitzeugen? Alternative Formen des Erinnerns an den Holocaust“.


Bücher, Filme, Interview-Ausschnitte und mehr setzen sich bei der
Ausstellung mit dem Thema Zeitzeugen auseinander. Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg