Seit drei Jahrzehnten ist das Konzerthaus Freiburg ein zentraler Ort der Begegnung: Konzerte, Kongresse, Kultur – aufgrund ihrer Wandelbarkeit ist die am 28. Juni 1996 eröffnete Event-Location inzwischen nicht mehr aus der Stadt wegzudenken. Doch ganz am Anfang standen scharfe Debatten.
Was wäre Freiburg nur ohne sein Konzerthaus? Eine solche Frage überhaupt nur in den Raum zu stellen, hätte vor 30, 40 Jahren hitzige Diskussionen ausgelöst. Denn bevor im Mai 1992 die ersten Bagger anrollten, um die Baugrube auszuheben, erlebte Freiburg eine Dekade voller Diskussionen über das Für und Wider eines solchen Bauwerks. Die scharfen Debatten gipfelten schließlich am 26. Juni 1988 in Freiburgs allererstem Bürgerentscheid, den die Gegner des Konzerthauses sogar für sich entscheiden konnten – doch letztlich am Quorum von damals 30 Prozent scheiterten.
Mit der Eröffnung des Konzerthauses am 28. Juni 1996 endete eine mehr als zehnjährige Entwicklungs- und Bauhistorie eines der größten Projekte in Freiburg nach dem zweiten Weltkrieg. Auch die feierliche Eröffnung durch den damaligen Oberbürgermeister Rolf Böhme, ohne den es das Haus laut des damaligen FWTM-Geschäftsführers, Bernd Dallmann, gar nicht geben würde, wurde von Protesten begleitet.
Von Pop bis Klassik
30 Jahre später hat sich dieses Bild komplett gewandelt. Daniela Stobert, Leiterin des Konzerthauses und des Historischen Kaufhauses, berichtet, dass „viele damalige Gegner heute selbst Veranstalter sind“. Die Zahlen sprechen für sich: An 270 Tagen im Jahr ist das Konzerthaus ausgelastet. Insgesamt 5,4 Millionen Gäste haben seit der Eröffnung 11.000 Veranstaltungen verschiedener Formate besucht. „Ein Dach für alle“ – so betitelte Josef Diel (1936–2012), damals Stadtbau-Chef, sein Buch über das Konzerthaus – und sollte mit dieser Losung von einem „Haus für alle“ letztlich Recht behalten.

Feiern wird die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) den Konzerthaus-Geburtstag am 28. Juni mit einem Festakt – auf den Tag genau 30 Jahre nach der Eröffnung. Zum Festakt erhalten neben geladenen Gästen aus Kultur, Politik und Wirtschaft auch interessierte Gäste aus der Stadtgesellschaft die Möglichkeit zur Teilnahme über Verlosungen in verschiedenen Medien. Auch der Freiburger Wochenbericht hat Eintrittskarten verlost.
Von Comedy bis Klassik, von Tagungen bis Kongressen, von Politik bis Popkultur – in drei Jahrzehnten hat das Konzerthaus Freiburg viel erlebt. So waren unter anderem Helene Fischer, David Garrett, Papst Benedikt XVI. oder Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast. Seit der Eröffnung sind hier das Freiburger Barockorchester, das Philharmonische Orchester, das SWR-Symphonieorchester und die Albert Konzerte zuhause.
Laut Hausleiterin Daniela Stobert seien Konzert- und Kulturverstanstaltungen mit 60 Prozent die Hauptnutzung, 40 Prozent der Auslastung fielen auf Kongresse, Tagungen oder Events. Veranstalter sind jeweils die Mieter, nicht die FWTM. „Wir stehen mit unserem Team bei Veranstaltungen natürlich beratend und begleitend zur Seite“, sagt Stobert.
Überzeugen kann das Haus dank seines ausgeklügelten Konzeptes. So lässt sich der Boden im Rolf-Böhme-Saal absenken oder anheben – je nachdem, ob eine Tagung oder ein Konzert stattfindet. Innerhalb von drei Stunden inklusive Reinigung ist der Umbau vom ebenen Kongresssaal in einen bestuhlten Konzertsaal vollzogen. „Das automatische Absesenken des Bodens dauert nur wenige Minuten. Der Großteil ist Handarbeit“, sagt Christoph Scherbarth, stellvertretender Leiter des Hauses. Hinzu kommen weitere Säle und Tagungsräume bis hin zur Tanzfläche mit Blick auf die Stadt. Das macht das Gebäude flexibel nutzbar für Veranstaltungen unterschiedlicher Größenordnungen.
Im Frühjahr schaffte die FWTM für das Konzerthaus zudem einen eigenen Steinway-Konzertflügel an und unterstrich damit den Anspruch des Hauses als erstklassige Spielstätte. Auch Nachhaltigkeit wird hier groß geschrieben: Sämtliche Leuchtmittel sind auf LED umgerüstet worden, geheizt wird mit Fernwärme und Mehrweg-Geschirr gab es schon vom ersten Tag an im Konzerthaus. Hinzu kommen turnusmäßige Wartungen in den Sommermonaten. „Wir legen großen Wert darauf, das Haus auch nach 30 Jahren auf dem neuesten Stand zu halten“, sagt FWTM-Geschäftsführer Jens Mohrmann.
Chronik – 30 Jahre Konzerthaus Freiburg
12. November 1985
Grundsatzbeschluss im Gemeinderat für den Bau einer Kultur- und Tagesstätte
Oktober 2025
Konzert mit Lang Lang
November 1987
Das Berliner Architekturbüro von Dietrich Bangert gewinnt den Architektenwettbewerb.
Juni 1988
Bürgerentscheid über den Bau des Konzerthauses. 56 Prozent stimmen gegen den Bau, doch die Wahlbeteiligung war zu niedrig – das Quorum wird verfehlt.
Mai 1992
Baubeginn für das Konzerthaus
Oktober 1992
Grundsteinlegung
Januar 1994
Der Gemeinderat beschließt den Namen: Konzerthaus Freiburg
Juni 1996
Feierliche Eröffnung des Konzerthauses mit Ministerpräsident Erwin Teufel
Juli 1996
„Tag der offenen Tür“ für die Besucher
Juni 2001
Deutsch-Französisches Gipfeltreffen u.a. mit dem Französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und
Bundeskanzler Gerhard Schröder
Oktober 2001
Verleihung Deutscher Umweltpreis mit Bundespräsident Johannes Rau
25.Mai 2003
Konzert mit Montserrat Caballé
März 2009
Konzert mit Helene Fischer
September 2011
Rede von Papst Benedikt XVI.

2015 bis 2017
Dachsanierung und Installation einer Photovoltaikanlage
2016
Festakt zum 125. Geburtstag von Walter Eucken sowie Wahlkampfveranstaltung der CDU zur Landtagswahl mit Bundeskanzlerin Angela Merkel
April 2024
Umfassende Fassadensanierung
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Am 28. Juni 1996 wurde das Konzerthaus eröffnet. 30 Jahre später wird der runde Geburtstag groß gefeiert. Foto: Bode Fotografie / FWTM